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Lagerbestände steigen auf Rekordniveau

Der Fracking-Boom hat den Amerikanern eine Rohstoffrevolution ungekannten Ausmaßes beschert. Doch jetzt wird der Platz, wo die Ölmassen gelagert werden können, knapp. Experten warnen, dass die Lager schon bald voll sein könnten.

Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres haben die US-Förderfirmen im Schnitt eine Million Fass mehr Öl produziert und importiert, als Firmen und Autofahrer verbraucht haben, berichtete das US-Nachrichtenportal Business Insider Anfang März. Deshalb seien die Tanks so voll wie seit 80 Jahren nicht mehr. Anfang März betrug der vom US-Energieministerium (EIA) ermittelte Lagerbestand bereits 444 Millionen Barrel Rohöl.

Warnung vor neuem Ölpreisabsturz

Die Lagerbestände sind demnach um 10,3 Millionen auf den Rekordstand von 444,4 Millionen Barrel (je 159 Liter) gestiegen. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Anstieg um 3,95 Millionen Barrel gerechnet. Seit Monaten steigen die US-Ölreserven unter anderem wegen der Förderung von Schieferöl immer stärker an.

Angesichts der anhaltend hohen Ölproduktion in den USA warnte die Internationale Energieagentur (IEA) Mitte März erneut vor einer Lagerknappheit und möglicherweise weiter fallenden Ölpreisen. Die bereits auf Rekordniveau gefüllten Lager könnten bald an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, so die IEA: „Das würde zwangsläufig zu einer erneuten Preisschwäche führen.“

Erbitterter Preiskampf um Marktanteile

Produzenten und Importeure ringen in einem erbitterten Preiskampf um Marktanteile. Dabei hat die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zuletzt immer wieder den Preis für Öl, das für Nordamerika bestimmt ist, gesenkt. Gleichzeitig sind die US-Hersteller beim Export gesetzlich stark eingeschränkt. Das soll in Washington geändert werden. Gewinner in dieser Lage sind die Raffinerien, die ihre Erzeugnisse ausführen dürfen. Doch auch ihre Kapazitäten sind begrenzt, vor allem für die derzeit vorrangig geförderten Ölsorten.

Die Ölnachfrage in den USA hat zuletzt zwar wieder etwas zugelegt, doch allzu sehr sollten die Förderfirmen laut Experten nicht auf Entlastung setzen. Gerade einmal zwei Prozent mehr Benzin verbrauchten die Autofahrer in den zurückliegenden Monaten im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig wuchs das Ölangebot deutlich schneller. Und obwohl der Absatz spritschluckender Geländewagen zulegt, sind die verkauften Autos immer noch effizienter als vor einem Jahr - und erst recht effizienter als die zwölf bis 15 Jahre alten Wagen, die ersetzt werden.

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