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Wahl kein reines Duell mehr

In der einzigen Fernsehdebatte vor der Parlamentswahl am 7. Mai haben einander die Kandidaten von sieben britischen Parteien vergangene Woche einen leidenschaftlichen Schlagabtausch geliefert. Im Mittelpunkt standen der konservative Premierminister David Cameron und sein Labour-Herausforderer Ed Miliband. Eines der bestimmenden Themen war auch hier das Gesundheitssystem.

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Cameron lehnte ein Vieraugenrededuell mit Miliband, wie es von der Öffentlichkeit gefordert worden war, ab. Bei der Siebenerdebatte setzten sich die beiden vor allem über die Hauptthemen des Wahlkampfes wie Gesundheits- und Einwanderungspolitik auseinander.

Kandidaten von sieben britischen Parteien bei der einzigen Fernsehdabatte vor der Parlamentswahl am 7. Mai

APA/EPA/ITV/Rex Features/Ken McKay

Natalie Bennett (Grüne), Nick Clegg (Liberaldemokraten), Nigel Farage (UKIP), Ed Miliband (Labour), Leanne Wood (Plaid Cymru), Nicola Sturgeon (Schottische Nationalpartei) und David Cameron (Konservative; v. l. n. r.) bei der TV-Debatte

NHS als Großbaustelle

Mittlerweile versprechen beide großen Parteien - wie auch alle kleinen - eine Aufstockung des Budgets für das Gesundheitswesen. Zuletzt war bekanntgeworden, dass beim National Health Service (NHS) schon wieder eine Milliardenlücke klafft. Zudem soll mit Tausenden neuen praktischen Ärzten und Krankenschwestern das Versorgungsnetz verbessert werden. Auch hier sind sich die beiden Parteien mittlerweile einig. Labour will allerdings die große NHS-Reform, die Cameron durchgeboxt hat, völlig zurücknehmen. Tatsächlich hatte die Strukturreform selbst für die Torys nicht die gewünschten und versprochenen Folgen.

Schottische Parteichefin als Siegerin

In den Blitzumfragen der Meinungsforscher in den Stunden nach der Debatte konnte keiner der Kandidaten einen klaren Sieg erringen. Jedoch zeichneten sich im direkten Vergleich zwischen Miliband und Cameron leichte Vorteile für den Herausforderer ab, dessen Redetalent im Vorfeld deutlich schwächer eingeschätzt worden war als das des Amtsinhabers. Cameron lag in keiner der Umfragen alleine an der Spitze, fiel jedoch auch nirgends auffallend zurück.

Bei den kleinen Parteien punktete vor allem die Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), Nicola Sturgeon. In einer YouGov-Umfrage hatte sie sogar landesweit die Nase vorn. Wahlforscher sehen die schottischen Nationalisten als mögliche große Gewinner der bevorstehenden Wahl.

SNP mit Labour gegen Cameron

Bisher mit sechs Mandaten im Unterhaus vertreten, könnten sie künftig bis zu 40 Parlamentarier nach Westminster entsenden, damit landesweit drittstärkste Kraft werden - und als eher sozialdemokratisch ausgerichtete Kraft einer Labour-Regierung unter Miliband an die Macht verhelfen. Sturgeon macht auch kein Hehl aus ihrer Haltung: „Ich möchte nicht, dass David Cameron Premierminister bleibt“, sagte sie am Dienstagabend: „Ich biete meine Hilfe an, damit Ed Miliband Premierminister wird.“

Bessere Karten für Miliband

Überhaupt scheinen die Sozialdemokraten die besseren Karten zu haben: Neben der SNP könnten sie auch die Waliser von Plaid Cymru ins Boot holen, eventuell auch die Liberaldemokraten um Parteichef Nick Clegg, die als krisengebeutelter kleiner Koalitionspartner der Torys zwar starke Verluste einfahren werden, aber wohl eine ernstzunehmende Kraft bleiben. Auch die Green Party, die beim Wahlergebnis zu den Liberaldemokraten aufschließen könnte, liegt inhaltlich näher bei Labour.

Auf deutliche Stimmengewinne dürfen auch die nordirischen Kräfte Sinn Fein und Democratic Unionist Party (DUP) hoffen. Die Zeit, in der in Großbritannien nur die beiden großen Parteien den Ton angaben, scheint also vorbei. Die Parlamentswahl gilt auch deswegen schon im Vorfeld als die knappste seit Jahrzehnten.

Muss Cameron mit UKIP arbeiten?

Camerons Konservative stehen relativ alleine da. Auch mit dem bisherigen liberaldemokratischen Koalitionspartner wird es wohl nicht mehr reichen, wenn Clegg sich nochmals auf ein Abenteuer mit Cameron einlässt. Abgesehen von DUP bleibt ihnen nur Nigel Farages europaskeptische UKIP. Wie gut diese abschneiden wird, ist fraglich - den Sensationserfolg bei der Europawahl wird UKIP aber kaum wiederholen können.

Alle paar Tage muss einer ihrer Politiker wegen irrgeistiger Wortspenden den Hut nehmen. Ob Cameron wirklich ein Bündnis mit Farage wagt, bleibt abzuwarten, vor allem, weil er dann das außenpolitisch ohnehin gebeutelte Großbritannien weiter isolieren. würde. Cameron hatte jedenfalls jüngst bekräftigt, im Falle seiner Wiederwahl noch vor 2017 ein Referendum zum Verbleib Großbritanniens in der EU anzusetzen.

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