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Keine Spur von der Beute

Bei einem spektakulären Einbruch in Londons Diamantenviertel haben Diebe rund 70 Schließfächer geplündert. Wie die britische Polizei am Mittwoch bestätigte, dürften sie dabei eine Rekordbeute von geschätzten 200 Millionen Pfund (275 Mio. Euro) gemacht haben. Unter den geraubten Gegenständen dürften vor allem Juwelen und Uhren gewesen sein.

Die Diebe waren am Osterwochenende über einen Aufzugsschacht in den Tresorraum eines Unternehmens in Hatton Garden im Zentrum der Hauptstadt gelangt, wie die Ermittler erklärten. Entdeckt wurde der Diebstahl aber erst Dienstagfrüh.

Wachmann schaltete Alarm wieder ab

Medienberichten zufolge hörte ein Wachmann am Freitag zwar, dass der Alarm losging, konnte aber nichts Verdächtiges entdecken und schaltete ihn daraufhin ab. Die Diebe könnten sich demnach innerhalb des Gebäudes versteckt haben, bis die Belegschaft ins lange Osterwochenende ging. Dann hätten sie sich über den Aufzugsschacht abgeseilt und seien gewaltsam in den Tresorraum eingebrochen. Ursprünglich war von 300 ausgeraubten Schließfächern die Rede gewesen.

Juwelier in London

APA/EPA/Andy Rain

Das Londoner Diamantenviertel ist immer wieder Ziel von Dieben

Das betroffene Unternehmen Safe Deposit Limited bietet nach eigenen Angaben seit 1954 Schließfächer an, die unter anderem von den örtlichen Diamantenhändlern und Juwelieren genutzt werden - viele von ihnen hatten ihre Ware dort für die Feiertage deponiert. Auf seiner Website bezeichnet das Unternehmen die Schließfächer als „sichere und kostengünstige Lösung, um wichtigen und unersetzlichen persönlichen Besitz aufzubewahren und zu schützen“.

Diebe zeigten „altmodische Verwegenheit“

Eines der Opfer, der Juwelier Michael Miller, befürchtet, unversicherte Juwelen und Uhren im Wert von bis zu 50.000 Pfund verloren zu haben. Er habe gedacht, der Tresorraum mit seinem mehrfach abgesicherten Eingang sei einbruchssicher, sagte Miller vor Journalisten. Er fügte hinzu: „Ich hatte dort eine Uhrensammlung, die ich meinem Sohn geben wollte. Sie lässt sich nicht ersetzen.“

Ermittler der auf derartige Fälle spezialisierten Polizeieinheit Flying Squad übernahmen inzwischen die Ermittlungen. Einer ihrer früheren Leiter, Roy Ramm, sagte der BBC, der spektakuläre Einbruch weise eine schon fast „altmodische Verwegenheit“ auf. Er bestätigte Schätzungen eines Insiders, wonach der Wert der Beute bei 200 Millionen Pfund liegen könnte. Möglicherweise werde sich der gesamte Wert aber auch nie ermitteln lassen, fügte Ramm hinzu. Er verwies darauf, dass in einigen Schließfächern auch Drogen, Waffen und Bargeld aus zweifelhaften Geschäften lagern könnten.

Laut einem Bericht des Fernsehsenders Sky News befinden sich in dem Tresorraum insgesamt 600 Schließfächer aller Größen. Scotland Yard erklärte, die Einbrecher hätten bei ihrem Raubzug schweres Schneidgerät benutzt. Diamantenspezialist Lewis Malka von Hatton Garden sagte gegenüber der BBC: „Nachdem die Einbrecher vermutlich vier Tage über das Osterwochenende Zeit hatten, ist es gut möglich, dass sie alle Schließfächer durchsucht haben.“ Derzeit fehlt jede Spur von den Dieben.

Hatton Garden immer wieder Ziel von Dieben

Londons Juweliere und Diamantenhändler wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Opfer von Diebesbanden. In der Straße Hatton Garden, die seit dem 19. Jahrhundert für ihren Diamanten- und Schmuckhandel bekannt ist, waren schon 1975 und 2003 Tresorräume ausgeraubt worden. Bei einem der bisher größten Raubüberfälle in der Geschichte hatten 1987 zwei bewaffnete Diebe Schließfächer im vornehmen Stadtviertel Knightsbridge leergeräumt und waren mit einer Beute im Wert von 60 Millionen Pfund (82 Millionen Euro) entkommen.

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