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Vermutungen bestätigt

Die Spratly-Inseln im Südchinesischen China sind nicht mehr als Hunderte kleine Eilande und kaum über das Wasser ragende Korallenriffe. Das macht sie nicht weniger umstritten. China ist eines der Länder, die auf die Inselgruppe Anspruch erheben. Und Peking treibt dort auf einem Riff offenbar den Bau einer Start- und Landebahn für Flugzeuge voran.

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Die Bauarbeiten fänden auf dem Fiery-Cross-Riff statt, berichtete das Militärfachblatt „IHS Jane’s Defence Weekly“ Mitte April unter Berufung auf aktuelle Satellitenaufnahmen. Auf den Bildern, die von Airbus’ Weltraum- und Verteidigungsabteilung stammen, ist ein 505 Meter langer und 53 Meter breiter Teil einer Landebahn zu erkennen. Daneben ist eine weitere schmalere, betonierte Fläche zu sehen. Laut den Angaben von Airbus handelt es sich dabei um eine mögliche Abstellfläche für Flugzeuge.

Bau schreitet schnell voran

Bereits Anfang des Jahres hatten westliche Militärexperten die Vermutung geäußert, dass China auf dem Riff an einer Landebahn arbeite. Auf Aufnahmen von Anfang Februar war von einer solchen aber noch nichts zu erkennen. Was auf den von „Jane’s“ veröffentlichten Bildern zu sehen ist, muss also in weniger als zwei Monaten entstanden sein - die Aufnahmen stammen laut dem Blatt vom 23. März. Auf einem noch aktuelleren Satellitenbild vom 2. April ist die Landebahn bereits ein weiteres Stück gewachsen.

Satellitenaufnahme vom Bau einer Start- und Landebahn auf den Spratly Inseln

AFP/CSIS Asia Maritime Transparency Initiative/DigitalGlobe

Ein Satellitenbild vom 2. April zeugt vom Fortschritt der Bauarbeiten

Wie lang die Flugpiste tatsächlich wird, lässt sich auf den Satellitenaufnahmen nicht erkennen. Würde sie über die gesamte Länge des Riffs reichen, käme sie jedoch auf eine Länge von 3.000 Metern. Das entspräche der durchschnittlichen Länge von Startpisten der chinesischen Armee auf dem Festland, schreibt „Jane’s“. „Auf einer 3.000 Meter langen Landebahn könnte so gut wie jedes Flugzeug landen“, zitierte die „New York Times“ („NYT“) James Hardy, einen der Herausgeber des Militärfachblatts. Das Riff sei auch groß genug, um dort Flugzeughangars zu errichten, so das US-Politikinstitut Center for Strategic and International Studies (CSIS).

Großflächige Aufschüttungen

Möglich machten das weitreichende Aufschüttungsarbeiten. Seit 2014 arbeitet China daran, das Atoll mit Tausenden Tonnen Sand in eine Insel zu verwandeln. Die chinesischen Bemühungen beschränken sich nicht auf Fiery Cross. Insgesamt arbeitet die Großmacht an sieben Riffen der Spratly-Inseln. Auf manchen von ihnen befinden sich bereits Hubschrauberlandeplätze, Piers und weitere Einrichtungen, schreibt das „Wall Street Journal“ („WSJ“). Die Bauten dienen laut Peking sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken.

Karte zeigt die Spratly-Inseln

APA/ORF.at

Der asiatische Riese ist allerdings nur einer von mehreren Anrainerstaaten, die Ansprüche auf die Inselgruppe stellen. Auch Taiwan und Vietnam sehen die gesamten Spratly-Inseln als Teil des eigenen Staatsgebiets. Gebietsansprüche kommen zudem aus Malaysia, den Philippinen und dem Sultanat Brunei. Alle Länder halten bereits einige der Inseln militärisch besetzt.

USA sorgen sich um regionales Gleichgewicht

Die jüngsten Anstrengungen Chinas könnten in dem jahrzehntelangen Streit freilich neue Fakten schaffen. Das bereitet auch den USA Sorge, die Auswirkungen auf das gesamte Südchinesische Meer befürchten. „Die Vereinigten Staaten haben ein großes Interesse daran, den Frieden und die Sicherheit im Südchinesischen Meer zu erhalten. Wir glauben nicht, dass großflächige Landgewinnung gemeinsam mit dem Versuch, Außenposten auf umstrittenem Land zu militarisieren, mit dem Wunsch der Region nach Frieden und Stabilität einhergeht“, so ein Sprecher des US-Außenamts laut „WSJ“.

Strategisch wichtig

Die Spratly-Inseln liegen etwa 1.400 Kilometer südlich von Hongkong und etwa 500 Kilometer vom vietnamesischen Festland entfernt. Sie gelten als strategisch wichtiger Punkt im Südchinesischen Meer.

Dahinter steht die Angst westlicher und asiatischer Staaten, dass China bei einem Stützpunktausbau versuchen könnte, den Schiffs- und Luftverkehr in der Region einzuschränken. Durch das Südchinesische Meer führt eine für den Welthandel wichtige Schifffahrtsroute. Dazu kommen auch wirtschaftliche Interessen, da rund um die Spratly-Inseln einige größere Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet werden. Peking will die internationalen Bedenken nicht gelten lassen. Die chinesische Führung weist darauf hin, dass ihr Vorgehen „vollkommen rechtskonform“ sei.

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