Budapest: Burg-Schauspieler sorgt für Eklat bei Festival

Burg-Schauspieler Martin Reinke hat bei einem Theaterfestival in Budapest einen Eklat ausgelöst. Er verlas am Ende eines Gastspiels des Wiener Burgtheaters überraschend im ungarischen Nationaltheater eine Erklärung, in der er die rechtsnationale ungarische Regierung kritisierte. Gestern verlangte der Direktor des Nationaltheaters, Attila Vidnyanszky, für diesen Vorgang eine Erklärung von Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann.

Das Burgtheater ist ebenso wie das Hamburger Thalia Theater und andere Bühnen Europas bei dem Festival MITEM zu Gast, das vom Nationaltheater organisiert wird. Zum Programm gehörte die Burgtheater-Aufführung von Anton Tschechows „Die Möwe“ mit Reinke in der Rolle des Jewgeni Sergejewitsch Dorn.

Reinke wies auf „schwere Situation“ hin

Am Ende der Vorstellung gestern Abend äußerte Reinke Sorgen um die „schwere Situation“ des ungarischen Volkes und der Kultur und beklagte, dass sich das Land unter Ministerpräsident Viktor Orban „immer mehr vom Geist der Demokratie und von Europa entfernt“.

Vonseiten des Burgtheaters hieß es gegenüber der APA, dass man ursprünglich im Rahmen eines Publikumsgesprächs mit Jan Bosse mit den Besuchern in Dialog treten wollte. Nachdem Bosse nicht anreiste, sei es den Schauspielerin wichtig gewesen, ihre Besorgnis betreffend der aktuellen Entwicklung anderweitig auszudrücken.

Von Orban eingesetzter Theaterdirektor

Vidnyanszky ist ein offener Verteidiger von Orbans Politik. Er brachte das 2013 auch in einer Inszenierung von Paul Claudels „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ zum Ausdruck. Darin gab es Anspielungen, mit denen Kritik der EU an Orbans Politik lächerlich gemacht wurde.

Vidnyanszky übernahm das Budapester Nationaltheater im Sommer 2013 auf Druck der Regierung. Er löste Robert Alföldi ab, der wegen seiner liberalen Anschauungen und wegen seiner Homosexualität der Regierung ein Dorn im Auge war.