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Regierungsnaher Stammesführer getötet

Die Kämpfe zwischen Armee und Taliban in Pakistan spitzen sich zu. Bei einem Bombenanschlag sind am Montag im Norden Pakistans nahe der Grenze zu Afghanistan mindestens sechs Menschen getötet worden. Erst am Freitag war ein Militärhubschrauber im Norden Pakistans abgestürzt. Die Taliban behaupten, den Helikopter, in dem sich zwei Botschafter befanden, abgeschossen zu haben.

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Der Anschlag am Montag galt laut Angaben der Behörden einem der Regierung nahestehenden Stammesführer. Sein Auto sei Ziel des Anschlags im Dorf Barkamar im Stammesbezirk Bayaur gewesen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Attacke mit einem am Straßenrand deponierten Sprengsatz. Bayaur ist allerdings einer von sieben halbautonomen pakistanischen Stammesbezirken entlang der Grenze zu Afghanistan, die als Rückzugsgebiete der Taliban und anderer radikalislamischer Kämpfer gelten.

Zwei Botschafter bei Crash getötet

Beim Absturz eines Militärhubschraubers im Norden Pakistans waren am Freitag mindestens sieben Menschen getötet worden, darunter die Botschafter Norwegens und der Philippinen. Die radikalislamischen Taliban erklärten, sie hätten den Helikopter mit mehreren ausländischen Diplomaten an Bord in der Region Gilgit-Baltistan abgeschossen. Pakistans Behörden und Armee widersprachen der Darstellung jedoch. Premierminister Nawaz Sharif ordnete laut seinem Büro einen Trauertag an.

Bei dem Absturz auf eine geschlossene Schule wurden nach Angaben der pakistanischen Armee außer den Botschaftern von Norwegen und den Philippinen auch die Ehefrauen der Botschafter Malaysias und Indonesiens, die beiden Piloten sowie ein weiteres Crewmitglied getötet. Die Botschafter Polens und der Niederlande wurden verletzt. Norwegen bestätigte den Tod seines Gesandten ebenso wie die Niederlande die Verletzung ihres Botschafters. Die Verletzten wurden in ein Militärkrankenhaus in der Stadt Gilgit gebracht.

Keine Hochburg der Taliban

Taliban-Sprecher Mohammed Khorasani teilte per E-Mail mit, der Hubschrauber sei von Kämpfern der Taliban-Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) „mit einer Flugabwehrrakete“ abgeschossen worden. Der Anschlag habe eigentlich Premierminister Sharif gegolten. Die Region am Himalaya-Gebirge gilt nicht als Hochburg der Islamistengruppe, sondern wird von der pakistanischen Armee kontrolliert.

Die Armee und Pakistans Behörden widersprachen der Taliban-Erklärung. Sharifs Büro bestätigte zwar, dass der Premier in einem Flugzeug Richtung Gilgit-Baltistan unterwegs gewesen sei, wo er eine neue Sesselliftbahn habe einweihen wollen. Allerdings sei Sharif nach Bekanntwerden des Unglücks unbeschadet in die Hauptstadt Islamabad zurückgekehrt. Das Verteidigungsministerium machte laut ersten Erkenntnissen einen „technischen Defekt“ als Absturzursache aus.

Explosion Minuten nach Absturz

Ein am Unglücksort im Naltar-Tal diensthabender Polizist sagte der Nachrichtenagentur AFP, einer der Helikopter sei plötzlich ins Trudeln geraten und zu Boden gegangen. Ein anwesender Sanitäter gab an, der Hubschrauber sei erst Minuten nach dem Absturz explodiert, wodurch auch einige Helfer verletzt wurden. Auch andere Zeugen gaben an, sie hätten keine Rakete den Hubschrauber treffen sehen.

Einem Teilnehmer der Diplomatenexkursion zufolge waren insgesamt drei MI-17-Hubschrauber aus russischer Produktion mit Botschaftern und Journalisten aus 37 Ländern an Bord unterwegs. Die Delegationen sollten während eines dreitägigen Besuchs in Gilgit-Baltistan Projekte besuchen und sich dort auch mit Sharif treffen.

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