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Sägewerke mussten reihenweise schließen

US-amerikanischer Bourbon ist kein Bourbon, wenn er nicht mindestens zwei Jahre in einem Fass verschwindet - und nicht in irgendeinem. Die Fässer müssen aus heimischer Weißeiche sein, typischerweise innen angekohlt. Weil sich Bourbon-Whiskey so gut verkauft, sind die Fässer mittlerweile Mangelware.

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Das Problem liege in der Lieferkette, berichtete das „Wall Street Journal“ am Dienstag. Es gibt zwar genug Eichen, aber trotzdem zu wenig Holz für die Fässer. Das habe zur Folge, dass die Stückpreise in wenigen Jahren von etwa 150 auf 250 Dollar (rund 224 Euro) gestiegen seien. Zuvor habe sich der Preis über 50 Jahre kaum bewegt. Hersteller wie McGinnis Wood Products in Missouri - von dort und aus Arkansas stammen die Fässer - kämen mit der Produktion nicht mehr nach. Fassdauben seien allein in diesem Jahr um 20 Prozent teurer geworden.

Lange Wartelisten für Brennereien

Firmeninhaber Leroy McGinnis müsse die meisten Anfragen neuer Interessenten ablehnen, heißt es in dem Artikel. Er beliefere nur seine Stammkunden, für die anderen reichten die Kapazitäten nicht. Die anderen landeten auf einer langen Warteliste. McGinnis verkaufe rund 150.000 Fässer pro Jahr. „Es war noch nie wie heute“, sagt er zum Bourbon-Boom, der sich seit etwa drei Jahren bemerkbar mache.

Whiskey-Fässer

AP/Bruce Schreiner

Ein Fass aus Weißeiche fasst typischerweise etwa 200 Liter Whiskey

Allein in den USA haben die Verkaufszahlen für Bourbon laut „Wall Street Journal“ seit 2010 um 35 Prozent zugelegt. Tennessee-Whiskey (der ebenfalls in neue Fässer kommt) eingerechnet hätten die US-Exporte im Vorjahr eine Milliarde Dollar überstiegen - zum zweiten Mal in Folge. Die Bourbon-Produktion habe zwischen 2010 und 2013 um mehr als 50 Prozent zugenommen, so die US-Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Kentucky Distillers’ Association.

Auslöser war US-Immobilienkrise

Dazu komme, dass immer mehr kleinere „Handwerksbrennereien“ (Craft Distilleries) auf den Markt gingen, mittlerweile 600, und davon brauchten an die 300 neue Fässer. Der Boom „mag berauschend gewesen sein, ein ernüchterndes Faktum ausgenommen“, schreibt das „Wall Street Journal“. Die Nachfrage nach mehr Fässern „traf mit einem massiven Abschwung in der Holzindustrie zusammen“. Als der US-Häusermarkt 2007 einbrach, hätten reihenweise Sägewerke schließen müssen.

Seien 2005 noch fast 28 Mio. Festmeter Schnittholz produziert worden, seien es 2009 nur noch knapp die Hälfte gewesen. Im Moment steige die Produktion wieder, könne aber nicht mit der Nachfrage Schritt halten. Holz gebe es genug, aber zu wenige Holzfäller. Der Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts ab 2007 war die Initialzündung zur weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise.

Zu wenig Holz und Nachwuchs

Danach schossen die Bourbon-Verkaufszahlen nach oben. Um das Problem mit den Fässern in den Griff zu bekommen, kauften sich die großen Brennereien direkt in die Zulieferkette ein, die kleinen Neuen im Geschäft hätten schlechte Karten. Der Spirituosenhersteller Brown-Forman (Jack Daniel’s) habe früher für seine Brennerei in Lynchberg in Tennessee Fässer aus Kentucky bezogen. Nachdem die internen Bedarfsschätzungen um 50 Prozent gestiegen waren, investierte das Unternehmen in eine Fassbinderei im benachbarten Bundesstaat Alabama. Nebeneffekt: Der Transportweg verkürzte sich.

Angestellter neben Whiskey-Fässern im Warenlagerdef

AP/Erik Schelzig

Whiskey-Fässer in einer Brennerei nahe Tullahoma (Tennessee)

Die Produzenten der Fässer bekämen wegen des Bourbon-Booms heute wieder einfacher als noch vor wenigen Jahren Kredite, um ihre Kapazitäten auszuweiten, allerdings kämpften sie nicht nur mit dem Problem der mangelnden Holzversorgung, sondern auch mit Nachwuchssorgen, so das „Wall Street Journal“. Der Beruf des Fassbinders ist offenbar nicht so populär.

Typisch „angebrannte“ Fässer

Allein die Bourbon-Distillerien in Kentucky hätten im Jahr 2013 1,2 Mio. Fässer befüllt, schreibt die US-Zeitung - um 200.000 mehr als im Jahr davor. Davon muss jedes neu sein. Bourbon muss für mindestens zwei Jahre in Fässern aus dem Holz der Amerikanischen Weißeiche gelagert werden.

Die Barrels oder Casks genannten Eichenfässer fassen in der Regel 53 Gallonen, also rund 200 Liter. Sie werden vor dem ersten Gebrauch ausgebrannt („charred“), um Farbe und Geschmack des Whiskeys zu beeinflussen. Die Maische für Bourbon enthält bis zu 79 Prozent Mais, außerdem Roggen und Gerste. Der meiste Whiskey dieser Sorte kommt aus Kentucky und dem benachbarten Virginia. Tennessee-Whiskey wird zusätzlich durch Holzkohle filtriert, damit er seinen Namen tragen darf.

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