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Deutsche Makler geben sich erfinderisch

Ab Juni bekommen Mieter in Deutschland bei der Neuanmietung einer Wohnung eine deutliche Erleichterung zu spüren: Es gilt dann nämlich das Bestellerprinzip bei der Verrechnung von Maklerprovisionen. Konkret heißt das, dass derjenige, der einen Makler beauftragt, diesen auch bezahlen muss. Und das ist in den meisten Fällen der Vermieter. Die Änderung facht auch die Debatte hierzulande an.

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Bisher war das - wie auch in Österreich - meistens anders: In der Regel beauftragte der Vermieter einen Makler, der künftige Mieter zahlte bei erfolgreicher Vermittlung eine Provision. Für Konsumentenschützer eine unfaire Situation.

Makler handelt „meist“ im Interesse des Vermieters

Entsprechende Forderungen nach dem Bestellerprinzip gibt es deshalb in Österreich auch schon lange. Susanne Peinbauer von der Arbeiterkammer (AK) bekräftigt diese im Gespräch mit ORF.at: „Der, der den Makler bestellt, der sollte die Provision zahlen.“ In der aktuellen Situation sieht sie eine starke Schieflage: Zwar muss in der Regel der Mieter die Provision für den Makler zahlen, dieser handle jedoch „in den meisten Fällen“ im Interesse der Vermieter. Das sei immer wieder zu beobachten.

In der Regel sei es auch der Mieter allein, der eine Provision zahlen muss. Und die ist noch dazu in vielen Fällen zu hoch. Seit 2010 darf bei Mietverträgen die Provision maximal zwei Monatsmieten betragen, bei befristeten Verträgen mit Laufzeiten unter drei Jahren nur eine Monatsmiete. In Untersuchungen der AK hat sich jedoch herausgestellt, dass in den meisten Fällen zu hohe Provisionen verlangt werden. Zum Teil weil die Berechnungsbasis (also die Miete) schon zu hoch angesetzt ist, zum Teil aber auch weil überhaupt zu viel verlangt wird.

In vielen Fällen wird zu viel verlangt

So zeigt eine Überprüfung von knapp 200 Mietverträgen aus Wien aus dem Jahr 2014, dass in jenen Fällen, in denen ein Makler zum Einsatz kam, im Schnitt um über 470 Euro zu viel an Provision verlangt wurde. Eine Forderung nach dem Bestellerprinzip stellten laut „Standard“ Ende April auch die Grünen. Peinbauer verweist auch darauf, dass derzeit die Verhandlungen über die Mietrechtsreform am Laufen seien - ob damit auch eine Änderung der Provisionsregelung getroffen wird, ist freilich unklar.

Immobilienwirtschaft sträubt sich gegen Vorschlag

In der Immobilienwirtschaft hält man naturgemäß wenig von einem solchen Vorstoß. Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe der Wiener Immobilientreuhänder, reagierte via OTS auf den Entschließungsantrag der Grünen verständnislos: „Ohne Makler würde es gar keine Wohnungen im Internet geben. Einseitige Maklerprovisionen gefährden die ganze Berufsgruppe und auch die Mieterrechte.“

Denn nur der Makler sei verpflichtet, die Mieter „umfangreich über eine Vielzahl an Regeln und Gesetze aufzuklären“. Doch genau das passiert eben laut Konsumentenschützern zu wenig. Der Makler stehe „in der Mitte“ zwischen Vermieter und Mieter, obwohl er ja eigentlich vom Mieter bezahlt wird, so Peinbauer.

Erfreut ist freilich auch die deutsche Immobilienbranche nicht über die Neuregelung. Makler fürchten, dass dadurch Vermieter nun vermehrt selbst auf Mietersuche gingen, um sich die Provisionskosten zu sparen. Einige bereiten sogar eine Verfassungsbeschwerde vor. Andere hingegen versuchen, sich mit Tricks zu behelfen. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) berichtet, werden in Fachblättern diverse Umgehungsstrategien empfohlen.

Die Tricks der Makler

Ein Beispiel: Der Vermieter zahlt formal zwar selbst die Provision für den Makler, dieser gibt ihm jedoch Hilfestellungen dafür, wie er sich das Geld vom Mieter zurückholt. Etwa durch höhere Ablösezahlungen oder indem die Provision auf die Miete umgelegt wird. Als andere Möglichkeit wird genannt, dass Makler mit unterschiedlichen Methoden versuchen könnten, Mieter als Auftraggeber zu gewinnen. Etwa, so die „FAZ“, indem Makler zu Wohnungsbesichtigungen mit vielen Interessenten Formulare mitbringen, in denen der potenzielle Mieter unterschreiben muss, dass er den Makler beauftragt hat, wenn er die Wohnung haben möchte.

Peinbauer sieht derartige Methoden gelassen. „Schlupflöcher gibt es bei jeder Regelung.“ Auch wenn das Bestellerprinzip - sollte es denn auch in Österreich eingeführt werden - umgangen werde, es bedeute noch immer eine Besserstellung für den Mieter.

Petra Fleck, ORF.at

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