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Nachhaltiger Wohnbau fürs All

Die Besiedlung fremder Planeten zählt zu den großen Visionen der Menschheit. Neben etlichen privaten Projekten, die zuletzt von sich reden machten, beschäftigen sich auch die großen internationalen Weltraumorganisationen nach wie vor mit diesem Thema. Die NASA setzt bei ihrer Suche nach weltalltauglicher Unterkunft nun auf Hilfe von außen und lässt sich das auch einiges kosten.

Zusammen mit dem auf 3-D-Drucktechnologie spezialisierten US-Forschungsinstitut America Makes wurde ein Design- und Konstruktionswettbewerb mit insgesamt 2,25 Mio. Dollar (rund zwei Mio. Euro) dotiert. Grundsätzliches Ziel ist die Schaffung nachhaltiger Lebensräume auf der Erde und im All mittels 3-D-Technologie, wobei den Ausschreibungsunterlagen zufolge ausdrücklich auf die zuletzt wieder aufgefrischten Pläne eines bemannten Marsflugs verwiesen wird.

Logo zum Designer-Contest für das Marshaus

NASA

Allein das Preisgeld könnte viele zur Teilnahme animieren

Nachdem dieser bereits 1992 vom damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush zum nächsten großen Fernziel ernannt worden war, wurden diverse bemannte Marsprojekte in der Folge angesichts horrender Kosten immer wieder eingestampft. Von US-Präsident Barack Obama wurden die Pläne vor rund fünf Jahren wieder aus der Schublade geholt. Erklärtes Ziel: bis 2030 einen bemannten Raumflug Richtung Mars zu schicken.

„Mars to Stay“

Skepsis an den US-Vorhaben kam zuletzt vom US-Forschungsinstitut National Research Council, das „in absehbarer Zukunft“ eine Umsetzung der Mars-Pläne nur in Kooperation mit anderen Weltraumagenturen für realistisch hält. Ganz nach dem Aufruf des ehemaligen Appollo-Astronauten Buzz Aldrin, „Forget the Moon, Let’s Head to Mars“ (in etwa: Vergesst den Mond, fliegen wir zum Mars) steht der Rote Planet bei der NASA dennoch ganz oben auf der Agenda und genießt laut NASA-CHef Charles Bolden „Priorität“.

Unter den vielen NASA-Planspielen findet sich dabei auch immer wieder eine „Mars to Stay“-Mission. Mit dem Verzicht auf einen Rückflug könnten demnach massiv Kosten eingespart werden. Besonders in diesem Fall erscheint eine Unterkunft auf dem Mars allerdings unverzichtbar - und diese wird nun in mehreren Phasen gesucht. Bis August werden zunächst für den 3-D-Druck geeignete Architekturkonzepte gesucht. Im Anschluss geht es schließlich um die Suche nach umsetzbaren Herstellungstechniken. Erklärtes Ziel ist der Druck von recycelbaren Unterkünften aus „heimischen Materialien des jeweiligen Ortes“.

Der Bau von Siedlungen „irgendwo im Sonnensystem“ gilt als nächster großer Schritt in der Raumfahrt, so der Analyst Kevin Krewell gegenüber dem Onlineportal Tech News World. Da von der NASA zur Umsetzung dieses Vorhabens nun die „kreativsten Köpfe“ gesucht werden, sei Krewell nun zuversichtlich, dass er die ersten Kolonien im All noch selbst erleben könnte.

Rendering der Lunar-Base

ESA/Foster + Partners

Fosters Vision einer gedruckten Mondstation

Mondbasis von Foster + Partners

Mit extraterrestrischen Siedlungen beschäftigt sich allerdings nicht nur die NASA. Bereits vor rund zwei Jahren entwarf das Architekturbüro Foster + Partners im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur (ESA) das Modell für eine ausdruckbare Mondbasis. Konfrontiert wurde man damals allerdings noch mit etlichen Problemen - unter anderem erwiesen sich etwa die stark schwankenden Temperaturen auf der Mondoberfläche als vorerst unüberwindbare Hürde für das Druckverfahren.

Bei dem 2011 gestarteten TV-Project „Mars One“ zeigt man sich abseits davon dennoch überzeugt, in rund zehn Jahren die ersten Siedler Richtung Mars schicken zu können. Insgesamt will die Organisation des Showerfinders Bas Lansdorp sechs vierköpfige Gruppen auf dem Roten Planeten absetzen. Über 200.000 Menschen aus 140 Ländern folgten dem Aufruf zur Besiedlung der geplanten Mars-Reality-TV-Siedlung. „Mars One“ zufolge wurden mittlerweile 100 Kandidaten ausgewählt - ausstehend sei somit nur noch ein letztes Auswahlverfahren.

IT-Milliardäre als Raumfahrtpioniere

Der Mars findet sich aber auch in den Plänen von PayPal-Gründer und Tesla-Chef Elon Musk, der mit SpaceX seine Vision einer privat finanzierten Weltraumindustrie in die Realität umsetzen will. 2009 von der „Zeit“ bereits als „der Mann, der zum Mars will“ bezeichnet, will dieser nun aber nichts mehr überstürzen und laut Bloomberg zunächst „eine Crew Mäuse“ auf eine Hin- und Retourfahrt zum Mars schicken.

Neben Musk versucht sich mit Amazon-Gründer Jeff Bezos ein weiterer Bekannter aus der IT-Branche als Weltraumpionier. Erst am 30. April meldete Bezos Raumfahrtunternehmen Blue Origin den gelungenen Start einer ersten Testrakete. Obwohl wenig über Bezos Raumfahrtpläne bekannt ist, scheint auch hier der Mars auf der Agenda zu stehen. Gegenüber Bloomberg sagte der Multimilliardär jedenfalls bereits vor zwei Jahren, dass Musk zwar für mehr Aufsehen sorge - einmal auf dem Mars gelandet, werde sich dieser dann aber wohl am meisten über eine bereits existierende Kolonie von „Bezosians“ wundern.

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