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Regierungspartei im Amt unterstützt

Bronislaw Komorowski gibt sich gerne als Staatsmann. Der rechtsliberale Politiker hatte nach seiner Wahl zum Präsidenten 2010 seine Mitgliedschaft in der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) zwar zurückgelegt, tatsächlich aber die Regierungspolitik der Bürgerplattform unterstützt.

Von den rund 850 verabschiedeten Gesetzen der Regierungskoalition legte Komorowski nur bei vier davon sein Veto ein. Der wenig charismatische Komorowski führte seine bisherige Präsidentschaft im Stil eines freundlichen Großvaters, was dem Großteil der Polen nach der Ära seines polarisierenden Vorgängers Lech Kaczynski lange Zeit durchaus gefiel.

Die Umfragewerte des Präsidenten stürzten erst im Frühjahr dieses Jahr ab, parallel mit der wachsenden Unzufriedenheit vieler Wähler der Regierungspartei. Viele bisherige Komorowski-Anhänger, die eine Änderung wollen, gaben daher im ersten Wahlgang ihre Stimmen dem Systemgegner Pawel Kukiz, der überraschend über 20 Prozent der Stimmen einfahren konnte.

„Offener Patriotismus“

Komorowski versuchte in den vergangenen Jahren einen „modernen“ Patriotismus zu fördern - mit vielen Diskussionen gerade mit Jugendlichen. Patriotismus ist für Komorowski, der sich als Jugendlicher bei den Pfadfindern engagierte, laut eigener Aussage etwas Wichtiges. Aber es soll ein offener Patriotismus sein, der sich nicht aus nationalistischen Strömungen und der Geringschätzung für andere speist.

Zahlreiche politische Ämter

Der 62-jährige Komorowski, der aus einem Grafengeschlecht stammt, begann seine politische Karriere in den 1960er Jahren im kommunistischen Polen. Er war in der Opposition aktiv, arbeitete mit dem „Komitee zur Verteidigung der Arbeiter“ (KOR) zusammen und organisierte Straßendemonstrationen, wofür er mehrmals verhaftet und verurteilt wurde. Nach der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 1981 wurde Komorowski interniert.

Die Idee eines runden Tisches kritisierte der studierte Historiker Komorowski anfänglich. Unter dem Einfluss der Ergebnisse der Wahlen vom 4. Juni 1989 änderte er jedoch seine Meinung. Nach der Wende bekleidete er zahlreiche politische Ämter, unter anderem war er Verteidigungsminister und Parlamentspräsident. In den Jahren 1993 bis 1997 leitete er den parlamentarischen Ausschuss für Nationale Verteidigung. Als Verteidigungsminister in der Regierung von Jerzy Buzek (2000-2001) setzte Komorowski einen sechsjährigen Modernisierungsplan der polnischen Armee durch, dank dem ein Teil der Streitkräfte NATO-Durchschnittsstandards erreichte.

Gegen Jaroslaw Kaczynski gewonnen

Der fünffache Familienvater saß 19 Jahre lang ununterbrochen als Abgeordneter im Parlament. Im Oktober 2005 wurde er zum Vizeparlamentspräsidenten und im November 2007 zum Parlamentschef berufen. Sein politischer Weg führte von der Freiheitsunion (UW) über die Konservative Volkspartei (SKL) und „Wahlaktion Solidarnosc“ (AWS) zur PO, deren Vizevorsitzender er seit Juni 2006 bis zur Wahl zum Staatsoberhaupt 2010 war. Zuvor setzte sich Komorowski in einer innerparteilichen Vorwahl gegen Außenminister Radoslaw Sikorski durch. Die Stichwahl um das Präsidentenamt entschied er mit 53 Prozent der Stimmen gegen den PiS-Kandidaten Jaroslaw Kaczynski (47 Prozent) für sich.

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