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Blutgetränkte Seiten

Würde man alle Mordopfer der folgenden Bücher gemeinsam beisetzen, es brauchte ein literarisches Massengrab. Hochspannende Krimihandlungen schlingen sich rund um gut recherchierte Hintergründe. Und hoch ist auch der Coolness-Faktor.

Parker: Wie alles begann

Es kann nur einen geben: Parker. Parker ist ein Wiedergänger bei den ORF.at-Buchempfehlungen - weil sich der Zsolnay Verlag seit Jahren um das Vermächtnis des amerikanischen Schriftstellers Donald E. Westlake kümmert. Unter dem Namen Richard Stark schrieb Westlake Krimis rund um - genau - Parker. Und Parker ist der coolste Killer im literarischen Hardboiled-Universum. Nach einigen, gleichfalls hervorragend übersetzten Bänden ist nun auch „The Hunter“ erschienen, eigentlich das erste Buch der Reihe.

Richard Stark: The Hunter. Zsolnay, 191 Seiten, 17,90 Euro.

Bücher

ORF.at/Thomas Hangweyrer

Das Kind mit den Dante-Tattoos

Der Niederösterreicher Andreas Gruber schreibt großartige Trhiller. Wer Serienkiller-Geschichten mag und sich an kranken Details und ausufernder Brutalität nicht stört, wird auch sein jüngstes Buch „Todesurteil“ lieben. Maarten S. Sneijder (Gruber-Leser kennen ihn bereits aus „Todesfrist“), der knorrige Profiler mit niederländischen Wurzeln, und seine beste Schülerin, die Wienerin Sabine Nemetz, verbeißen sich in einen haarsträubenden Fall. Alles geht los, als ein verstörtes Kind am Waldrand auftaucht, das ein Jahr lang verschwunden war - und nun Tätowierungen aus Dantes Inferno trägt.

Andreas Gruber: Todesurteil. Goldmann, 575 Seiten, 9,99 Euro.

Der Wiener Politfilz

Ebenfalls gemordet, wenn auch ganz anders, wird in Christian Davids Kriminalroman „Sonnenbraut“, seinem zweiten Buch rund um die junge, unbestechliche Wiener Staatsanwältin Lily Horn. Christian David ist längst kein Geheimtipp mehr, seine Verkaufszahlen gehen in die Hunderttausende. Hier wird der Filz einer fiktiven Wiener Politmafia beschrieben - was nicht ohne Humor ist, weil man die Schauplätze kennt und die Strukturen, aber das Personal ein anderes ist. Abgesehen davon: Hochspannung pur, gut geschrieben.

Christian David: Sonnenbraut. Deuticke, 478 Seiten, 20,50 Euro.

Abwärtstrudeln mit Stephen King

Stephen King meldet sich mit einem klassischen Stephen-King-Schinken zurück, nachdem er jüngst in literarischeren Gefilden unterwegs war. Aber auch in „Revival“ geht er es ruhig und gedankenschwer an. Ein Methodistenpriester, dem das Schicksal übel mitgespielt hat, gibt sich ganz seinen seltsamen Experimenten mit Elektrizität hin - und zieht damit einen jungen Burschen in seinen Bann. Die Jahrzehnte ziehen ins Land und die Wege der beiden kreuzen sich immer wieder. Wissenschaft und Wahn, psychologische Dämonen und unergründliche Kräfte ziehen die Hauptfiguren und den Leser in einen Sog, der nur eine Richtung kennt.

Stephen King: Revival. Heyne, 511 Seiten, 22,99 Euro.

„Die Wahrheit wird euch frei machen“

Der Astrophysiker und Schriftsteller (Empfehlung: „Einstein on the Lake“) Ulrich Woelk hat nun einen klassischen Kriminalroman vorgelegt. In „Pfingstopfer“ wird eine ermordete Prostituierte mit einer Zettelbotschaft im Schädel gefunden: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Woelk, der in seinen Büchern immer wieder Wissenschaft und Fiktion vermengt, widmet sich hier neuen Erkenntnissen der Hirnforschung - und religiösem Fanatismus. Aber ist der Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion wirklich der Grund für den Mord?

Ulrich Woelk: Pfingstopfer. DTV, 381 Seiten, 14,90 Euro.

Ein Mordsspaß an der Oper

Die Wiener Schauspielerin (Burgtheater, Volksoper) und Regisseurin Theresa Prammer hat ihren ersten Krimi geschrieben. „Wiener Totenlieder“ wurde sogar von der „Süddeutschen Zeitung“ geadelt - das Buch lasse jedes Libretto alt aussehen. Prammer schreibt über Dinge, von denen sie etwas versteht: das bunte und seltsame Treiben an einem Opernhaus. Und siedelt dort eine Mordserie an, die dem Leser eine höchst spannende Lektüre garantiert - mit einer gesunden Portion Humor und Opernkolorit.

Theresa Prammer: Wiener Totenlieder. Marion von Schröder, 378 Seiten, 17,50 Euro.

Im Politsumpf mit Kommissarin Lund

Qualität, auf die man sich verlassen kann: Zuerst war bereits die TV-Serie rund um Kommissarin Lund ein riesiger Erfolg. Und auch die ersten beiden von David Hewson adaptierten Drehbücher Soren Sveistrups lieferten Spannung auf hohem Niveau. Nun ist bei Zsolnay der dritte Teil erschienen: „Das Verbrechen“. Auch diesmal ermittelt die Kommissarin trotz privater Troubles und Absprungtendenzen wieder ohne Rücksicht auf Verluste im Umfeld von Politik und Wirtschaft. Drei Männer werden gefoltert und ermordet, ein Kind entführt. Eine alte Schuld will beglichen werden.

David Hewson: Das Verbrechen. Kommissarin Lunds 3. Fall. Zsolnay, 463 Seiten, 22,60 Euro.

Simon Hadler, ORF.at

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