Hacker zerstörten IT-Netz des deutschen Bundestags

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Der Angriff auf das Computernetzwerk des deutschen Bundestags hat Medienberichten zufolge deutlich mehr Schaden angerichtet als bisher bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ muss das Parlament sein gesamtes Netz neu aufbauen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Netz nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden könne und aufgegeben werden müsse. Berichten zufolge könnten noch immer Daten abgegriffen werden.

Austausch von 20.000 Rechnern?

Den Angreifern sei es gelungen, den Verzeichnisdienst des Bundestages zu übernehmen, heißt es in den Berichten weiter. In dem Dienst werden die Parlamentsrechner, insgesamt mehr als 20.000 Stück, als Netzwerk organisiert. Die Hacker hätten somit Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestages sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestags-Mitarbeiter.

Auch weil die Angreifer mittlerweile Administratorenrechte hätten, soll nun das alte Netzwerk aufgegeben und ein neues aufgebaut werden. Womöglich müssen auch alle Rechner ausgetauscht werden. Die Geheimschutzstelle, der NSA-Untersuchungsausschuss und die Personalverwaltung des Bundestages seien von dem Angriff offenbar nicht betroffen, da sie besonders gesicherte Netzwerke nutzten.

Ursprung weiter unklar

Vor vier Wochen war bekanntgeworden, dass Bundestagscomputer das Ziel einer umfangreichen Attacke geworden waren. Unbekannte hatten einen Trojaner ins Netzwerk eingeschleust. Wer hinter dem Angriff steckt, ist bisher unklar. Wiederholt war darüber spekuliert worden, dass ein ausländischer Geheimdienst dahinterstecken könnte.

Der Bundestag selbst wollte sich nicht zu den Berichten äußern. Das geschehe auch aus Respekt vor den zuständigen parlamentarischen Gremien, sagte Bundestagssprecher Ernst Hebeker. Seinen Angaben zufolge wird sich der Ältestenrat des Parlaments mit dem Hackerangriff beschäftigen.