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„Stilles Gedenken“

Tausende Menschen haben Sonntagabend der Opfer des Amokfahrers gedacht. Am Trauermarsch, der vom Griesplatz bis zum Hauptplatz führte, wo der Gedenkakt stattfand, beteiligten sich auch die Spitzen von Stadt, Land und Republik.

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An der Trauerkundgebung nahmen nach letzten Schätzungen der Polizei rund 12.000 Menschen teil. Beim Trauermarsch waren es noch rund 7.000 gewesen, viele waren dann noch zur Schlussgedenkfeier auf dem Hauptplatz, in der Herrengasse und am Eisernen Tor dazugekommen. An den Straßenrändern befanden sich nach Schätzungen rund 1.000 weitere Trauergäste.

Der Trauerzug nach der Amokfahrt in Graz

APA/Erwin Schierau

Tausende Menschen nahmen am Gedenkmarsch teil

An den Fenstern in der Grazbachgasse, der Zweiglgasse und den anderen Straßenzügen blickten Menschen still aus den Fenstern auf den Trauerzug. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Stilles Gedenken“. Der Zug führte die Trauergemeinde über die abgesperrte Strecke vorbei am ersten Tatort in der Zweiglgasse nahe der Augartenbrücke und der Synagoge zur Grazbachgasse.

Frau des Amokfahrers im Interview

Elena R., die Frau des Amokfahrers, ist schwer traumatisiert und wird betreut. Um dem massiven Druck der Medien zu entgehen und um Ruhe zu finden, hat sie sich entschlossen, ein einziges Interview zu geben - „Thema“ auf ORF2 zeigt ab 21.05 Uhr das Interview - mehr dazu in tv.ORF.at.

Politiker führen Gedenkzug an

Angeführt wurde der Trauerzug von den Vertretern der Politik, Religionsgemeinschaften und verschiedenen Organisationen. Bundespräsident Heinz Fischer und Ehefrau Margit sowie das Nationalratspräsidium trafen gegen 17.00 Uhr zusammen mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), der Bundesregierung sowie etlichen Nationalratsabgeordneten, Bundesräten und Vertretern der Bundesparteien in der Zweiglgasse ein.

Auch die steirische Landesregierung unter Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und dessen Vize Michael Schickhofer (SPÖ) waren vertreten. Mit Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) kam zudem die gesamte Grazer Stadtregierung.

„Schrecklichster Tag meines Lebens“

In seiner Trauerrede bezeichnete Nagl den 20. Juni als den „schrecklichsten Tag meines Lebens“ und bedankte sich bei allen Helfern und Einsatzkräften. Er lobte auch den Zusammenhalt in der Stadt. Gleichzeitig forderte der Grazer Bürgermeister mehr Aufmerksamkeit „für das, was wir um uns hören und sehen“. Sollte es Menschen geben, „die dieses Füreinanderdasein durch Hetze und Hasstiraden, durch das Ausspielen von Bevölkerungsgruppen untereinander spalten wollen“, müsse man darauf reagieren.

Nagl zeigt sich stolz über Hilfsbereitschaft

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl drückt seinen Stolz über die Hilfsbereitschaft der Grazerinnen und Grazer aus.

Fischer sprach von einem „sinnlosen Verbrechen an unschuldigen Menschen“. Das Staatsoberhaupt versuchte aber auch Hoffnung zu geben. „Graz wird diese Wunde heilen lassen können und eine schöne, weltoffene und liebenswerte Stadt bleiben. Am allerwenigsten kann man das mit Terror und Verbrechen verhindern.“

„Nicht nebeneinander leben“

Man werde niemals alle Gewalttaten Einzelner verhindern können, sagte schließlich Landeshauptmann Schützenhöfer. „Die Narben dieses schrecklichen Ereignisses werden bleiben, und wir werden sie immer wieder spüren. Diese Tage haben aber auch gezeigt, dass wir dazu fähig sind, im Leid zusammenzustehen – und das macht Mut.“

Für die Zukunft rief Schützenhöfer zu einem generell stärkeren Zusammenhalt auf: „Wir benötigen Respekt zwischen Alten und Jungen, Reichen und Armen, zwischen den Geschlechtern, zwischen ethnischen Gruppen und Religionen. Das Ereignis, an das wir heute denken, hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie sehr wir einander brauchen: miteinander und nicht nebeneinander leben."

Graz habe zusammengehalten in diesen Tagen, das habe man in ganz Österreich spüren können, lobte Bundeskanzler Faymann die Solidarität unter der Bevölkerung. „Graz, die Steiermark und ganz Österreich sind angesichts der furchtbaren Tat näher zueinander gerückt. Dafür ist jenen Dank auszusprechen, die geholfen haben, die ein Zeichen der Trauer gesetzt haben, die getröstet haben.“ Man dürfe jetzt nicht zulassen, dass durch eine solche unfassbare Tat Hass und Zwietracht gesät werden, appellierte Faymann: „Dadurch würden wiederum nur Unschuldige zum Opfer werden.“

„Vereint in Trauer ohne Hass“

Die geistlichen Würdenträger Bischof Wilhelm Krautwaschl, Superintendent Hermann Miklas und Ali Kurtgöz von der Islamischen Glaubensgemeinschaft verlasen schließlich einen gemeinsamen Text: „Mögen wir zusammenrücken im gemeinsamen Gedenken vereint in Trauer ohne Hass.“

Der Tag der Trauer hatte zuvor mit einem Gedenkgottesdienst in der Stadtpfarrkirche in der Herrengasse begonnen. Nach dem Gottesdienst hätte es eigentlich das traditionelle Sommerfest geben sollen. Doch angesichts der Ereignisse lud man im Brunnenhof zu einer einfachen Agape. Damit wollte die Kirche „Raum und Möglichkeit bieten, aller Betroffenheit Ausdruck zu verleihen“.

Kerzen in Stadtpfarrkirche gebracht

In der Innenstadt waren am Sonntag bereits die Kerzen von diversen Stellen auf dem Hauptplatz und in der Herrengasse weggeräumt und zur Stadtpfarrkirche gebracht worden. Das wurde auch auf entsprechenden Aushängen der Stadt mitgeteilt und um Verständnis ersucht - verbunden mit der Bitte, keine Kerzen mehr aufzustellen. Ein Lichtermeer gab es nur noch an jenen Stellen, wo die drei Opfer gestorben waren - in der Zweiglgasse und in der Herrengasse vor der Kirche und einer Bankfiliale - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

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