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Messwerte „zeigen Klimaveränderung“

Nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 136 Jahren hat es einen wärmeren Juni gegeben als heuer. Die weltweite Durchschnittstemperatur über den Meeren und zu Land betrug laut der US-Behörde Nationale Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) 16,6 Grad Celsius. Auch ein weiterer Rekord fiel laut den Angaben: Mit dem wärmsten Juni ging auch das bisher wärmste Halbjahr zu Ende.

In den ersten sechs Monaten des Jahres lag die Temperatur global gesehen um 0,85 Grad Celsius über dem Durchschnitt. Der bisherige Rekordwert für ein Halbjahr wurde vor fünf Jahren gemessen. Zudem könnte heuer ein weiterer Rekord fallen: „Es gibt beinahe keine Möglichkeit, dass 2015 nicht das wärmste Jahr in den Akten wird“, sagte Jessica Blunden, Klimaforscherin bei der NOAA.

Die NOAA registrierte seit dem Jahr 2000 bereits 25 monatliche Hitzerekorde. Der letzte Kälterekord hingegen datiert aus dem Jahr 1916. Die Folgen der globalen Erwärmung zeigen sich unter anderem in der Antarktis. Die Eisfläche ging laut NOAA um 984.195 Quadratkilometer zurück und sei damit mehr als sieben Prozent kleiner gewesen als der Durchschnittswert im Zeitraum zwischen 1981 und 2010.

Rekorde in Spanien, Australien und Österreich

Auch aus einzelnen Ländern wurden Rekordwerte gemeldet. Im Westen Australiens war der Juni der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. In Spanien lag die Temperatur im Juni um 1,4 Grad Celsius über den Durchschnittswerten des Zeitraums 1981 bis 2010. Rekordwerte wurden zudem aus den USA und Südamerika berichtet, wo es im Juni noch nie so warm war. Im südlichen Pakistan starben 1.200 bei einer Hitzewelle. Tausende Tote gab es auch in Teilen Indiens. Kühler als im langjährigen Durchschnitt war es hingegen in Skandinavien.

In Österreich war der Juni laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) der zehntwärmste seit dem Jahr 1767. Der Monat begann relativ heiß mit Temperaturen von bis zu 34,5 Grad Celsius, die zweite Hälfte des Monats verlief kühler. In der endgültigen Monatsbilanz liegt dieser Juni um 1,4 Grad Celsius über dem vieljährigen Mittel, so die ZAMG. Deutlich überdurchschnittlich war die Zahl der Sonnenstunden.

Meeresspiegel steigt

Einen großen Anteil an den Temperaturrekorden haben die Ozeane, zeigt eine weitere Studie der NOAA. Die Durchschnitttemperatur der Meere betrug im Vorjahr 16,67 Grad Celsius - 0,27 Grad mehr als im langjährigen Mittel. Die Meere speicherten mehr Wärme als je zuvor, und das bis in eine Tiefe von 700 Metern, hieß es in dem NOAA-Bericht. Ein neuer Rekord wurde auch beim Meeresspiegel gemessen, der im Vorjahr um 67 Millimeter höher lag als vor 20 Jahren.

Zudem verzeichneten die Forscher weltweit 91 tropische Wirbelstürme - ebenfalls deutlich mehr als im langjährigen Mittel (82). „Diese große Zahl von Messwerten zeigt uns, wie sich unser Klima verändert“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ Thomas Karl, Leiter des NOAA-Zentrums für Umweltinformationen, „nicht nur bei den Temperaturen, der Wandel erfasst alles vom tiefen Ozean bis zur äußeren Atmosphäre.“

Rekord bei CO2-Konzentration in Atmosphäre

Im Mai hatten Wissenschaftler einen neuen Höchststand des klimaschädlichen Kohlendioxids in der Atmosphäre registriert. Erstmals seit Beginn der Messungen überschritt der weltweite monatliche Durchschnittswert der CO2-Konzentration 400 ppm (parts per million). Dieser Höchstwert sei im vergangenen März gemessen worden, teilte die NOAA damals mit.

Bei dem neuen globalen Durchschnittswert handle es sich um einen „signifikanten Meilenstein“. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Durchschnittswert weltweit 400 ppm erreichen würde“, sagte Klimaforscher Pieter Tans. Seit dem vorindustriellen Zeitalter sei die Konzentration des Treibhausgases um mehr als 120 ppm gestiegen. Die Hälfte davon sei nach 1980 hinzugekommen. Der Anstieg gehe vor allem auf die Nutzung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl zurück. Die NOAA misst die weltweite CO2-Konzentration an 40 Orten, etwa von Schiffen aus und an Küsten abgelegener Inseln. An diesen abgeschiedenen Stellen bekomme man genauere Werte, erläuterte NOAA-Wissenschaftler Ed Dlugokencky.

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