Themenüberblick

Erdwälle gegen die Trockenheit

Mit einer traditionellen indischen Bewässerungstechnik ist es Rajendra Singh gelungen, die ausgetrockneten Böden in entlegenen Dörfern im indischen Rajasthan wieder fruchtbar zu machen. Durch die Anhebung des Grundwasserspiegels sprudelt das Wasser wieder aus den Brunnen. Singh erhielt für sein Engagement im März den „Wassernobelpreis“.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Erstmals wurde sich der heute 55-jährige Aktivist des Problems bewusst, nachdem er einen Beamtenjob aufgegeben hatte und in das Hinterland Rajasthans gezogen war: Im Auftrag einer NGO sollte Singh dort den Aufbau von Krankenhäusern betreuen - das drängendere Problem aber war die Wasserknappheit in der Region, die immer wieder zu Ernteausfällen führte.

Uraltes indigenes Wissen ausgegraben

Mit Hilfe der lokalen Gemeinden grub der als „Water Man“ bekanntgewordene Singh uraltes Wissen wieder aus. Gemeinsam wurden sogenannte Johads errichtet: Wälle aus Erde und Steinen, die einerseits vor Überschwemmungen durch Monsunregenfälle schützen sollen und andererseits dafür sorgen, dass das Wasser langsam im Boden versickern kann. Die Regenwasserreservoirs wurden bereits 1.500 v. Chr. in Indien zur Bewässerung verwendet. Erst unter der Kolonialherrschaft der Briten geriet das Wissen um die Methode in Vergessenheit.

Singhs Wiederentdeckung dieser alten Technik verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Laut seinen Aufzeichnungen wurden 8.600 Johads im Zeitraum von 1985 bis 2007 errichtet. Die Ergebnisse versprechen Hoffnung gegen die seit Jahren fallenden Grundwasserspiegel Indiens. In den Dörfern, die Dämme bauten, stieg der Wasserspiegel wieder von 100 Metern unter der Erde auf weniger als zehn Meter. Im Winter ausgetrocknete Flüsse führten wieder Wasser. Und auch die Ernteerträge der Bauern vervielfachten sich, was wiederum der Landflucht entgegenwirkt.

„Wassernobelpreis“ an Singh

Im März erhielt der Wasseraktivist Singh den Stockhom Water Prize (SIWI), auch bekannt als der „Wassernobelpreis“. Begründet wurde die Wahl Singhs damit, dass er mit seiner Arbeit „1.000 Dörfern im Land“ wieder Wasser gebracht habe. Außerdem gründete Singh die NGO Tarun Bharat Sangh (TBS), die gemeinsam mit den Gemeinden die arbeitsintensiven Dämme baut. Das Komitee lobte die partizipatorischen Projekte der Organisation, die „soziale Kapazitäten zur Lösung lokaler Wasserprobleme nützt“.

Links: