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„CEO Mönch“ in Bedrängnis

Der 30. Abt des für seine Kampfkunst bekannten Shaolin-Tempels, Shi (dt.: Mönch) Yongxin, sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber. Ein ehemaliger Mönch brachte eine ganze Liste an Verfehlungen gegen den buddhistischen Führer und Mitglied des chinesischen Volkskongresses vor - wobei einige durchaus abstrus klingen.

Yongxin ist seit 1981 Mönch im Shaolin-Kloster in der chinesischen Provinz Henan und übernahm 1999 die Leitung des Shaolin-Tempels. Seitdem hat er die kämpfenden Mönche weltweit bekannt gemacht. Medien verpassten ihm für sein kommerzielles Denken und seine Vorliebe für Auslandsreisen den Spitznamen „CEO Mönch“. Doch nun muss Yongxin vorerst auf Fernreisen verzichten. Die Behörden haben Untersuchungen gegen ihn wegen Unterschlagung und sexueller Beziehungen zu Frauen eingeleitet.

Vladimir Putin und Shi Yongxin

Reuters/China Daily

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Auslandsreise abgesagt

Eigentlich hätte der Abt am Wochenende in Thailand an der Veranstaltung „Shaolin-Kultur an der Seidenstraße“ teilnehmen sollen - doch wegen „unvorhergesehener offizieller Pflichten“ sagte Yongxin kurzfristig ab. Ein Sprecher des Shaolin-Tempels bestätigte gegenüber der Zeitung „Bejing News“, dass der Abt wegen Untersuchungen durch das Büro für religiöse Angelegenheiten im Tempel bleiben muss. „Es hatte Gerüchte gegeben, er wolle fliehen. Er muss die Wahrheit herausfinden“, zitierte die Zeitung den Generaldirektor des Shaolin-Managements, Qian Daliang.

Auf der Website des Büros für religiöse Angelegenheiten hieß es nur, das Büro nehme die Vorwürfe sehr ernst und wolle „eine rasche Klärung der Sache“. Genauere Angaben zu den Vorwürfen wurden nicht gemacht. Doch die chinesischen Medien überschlagen sich bereits mit Spekulationen.

Diebstahl, Mafia, Vergewaltigung

Ins Rollen gebracht haben soll die Causa ein ehemaliger Shaolin-Mönch, der unter dem Pseudonym Shi Zhengyi behauptet, der Abt habe mehrere Identitäten, Verhältnisse mit Frauen und Tempelvermögen veruntreut, wie die chinesische Onlineplattform China.org berichtet. Unterlagen sollen belegen, dass der Abt über das Ausstellen von gefälschten Rezepten Geld lukrierte. Zudem soll Yongxin in den späten 1980er Jahren wegen des Diebstahls von Reliquien und der Gründung einer mafiaähnlichen Bande aus dem Shaolin-Tempel ausgeschlossen worden sein.

Jackie Chan und Shi Yongxin

Reuters/Donald Chan

Yongxin zeigt sich gerne mit Prominenten wie Schauspieler Jackie Chan

Unter falschem Namen soll er sich dann die Position des Abts „erschlichen“ haben. 1988 soll Yongxin - zu dem Zeitpunkt noch nicht Abt - eine Nonne vergewaltigt und zwei Jahre später mit einer anderen Frau eine Tochter gezeugt haben. 2000 soll er erneut ein Kind gezeugt haben, das jedoch abgetrieben wurde. Heute soll er mit der Leiterin des Nonnenklosters, Shi Yanjie, zusammenleben und mit ihr eine sechsjährige Tochter haben.

Tempel wehrt sich gegen „unwahre Gerüchte“

In einer Stellungnahme sprach die Buddhistische Vereinigung in China von „Schaden für das Image des chinesischen Buddhismus“. Der Shaolin-Tempel bezeichnete die Vorwürfe auf seiner Website als „unwahre Gerüchte“, die darauf abzielen würden, dem Zen-Buddhismus zu schaden. Der Tempel habe bereits rechtliche Schritte eingeleitet.

Kritik an Luxushotel und Shaolin-Golfplatz

Yongxin sorgte Anfang des Jahres für Schlagzeilen, als er die Pläne für einen millionenschweren Shaolin-Komplex in Australien öffentlich machte. Das Projekt umfasst einen Tempel, ein Luxushotel, eine Kung-Fu-Schule und einen Golfplatz. Im Internet musste sich Yongxin dafür viel Häme gefallen lassen. „Andere religiöse Organisationen bauen Krankenhäuser oder Schulen. Nur unsere ist eine Ausnahme“, ätzen chinesische Blogger. 2009 versuchte der Abt sogar mit den Shaolin an die Börse zu gehen, musste das Vorhaben aber wegen heftiger Kritik abblasen.

Yongxin verteidigte die aggressive Kommerzialisierung der Shaolin damit, dass das der beste Weg sei, die buddhistischen Werte weltweit zu vermitteln. So schickt er die Mönche regelmäßig auf Welttournee und beteiligt sich an der Produktion von Kampfkunstfilmen.

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