Themenüberblick

Australien hinkt der Welt hinterher

Wenige Monate vor dem großen Klimagipfel in Paris hat Australiens Premierminister Tony Abbott Mitte August seine Klimaziele präsentiert. Australien, einer der größten Klimasünder überhaupt, will seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 26 bis 28 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 reduzieren. Die Pläne hatten harte Kritik von Umweltschützern zur Folge, denn die Reduktion wäre wesentlich geringer als in den USA und der EU.

Die Klimaschutzambitionen der Länder direkt zu vergleichen ist zwar schwierig, da unterschiedliche Vergleichs- und Berechnunggrundlagen herangezogen werden, die Denkfabrik The Climate Institute hat allerdings laut „Financial Times“ („FT“) und „Guardian“ berechnet, dass das durchschnittliche Reduktionsziel der Industrieländer bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 2005 bei 37 Prozent liegt. Australien würde damit um neun bis elf Prozent hinterherhinken. Kritiker merken außerdem an, die Regierung habe bewusst 2005 als Vergleichjahr genommen, weil in diesem Jahr ein historisches Hoch an Emissionen erreicht worden war.

„Traurig unzureichend“

Abbott hingegen sieht das australische Ziel „ziemlich in der Mitte“ liegend: „Wir führen nicht, aber wir hinken gewiss auch nicht hinterher.“ Man sei ungefähr gleichauf mit Neuseeland und den USA, etwas schlechter als Kanada und die EU und sogar besser als Japan, Korea und China. Doch dem widersprechen Kritiker: Auf Basis des gleichen Jahres versprechen die USA eine Kürzung um 41 Prozent und die EU um 34 Prozent.

John Connor, Leiter des Climate Institute, bezeichnete die Reduktion als „traurig unzureichend“ und merkte an, dass Australien wesentlich mehr beitragen müsse, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden soll: „Wenn andere Länder denselben Zugang wählten, würde sich die Welt um drei bis vier Grad erwärmen.“

Auch die unabhängigen Regierungsberater der Climate Change Autority (CCA) empfahlen eine Kürzung von 40 bis 60 Prozent im Vergleich zu 2000. Im Vorfeld hatten selbst Australiens Außenministerin Julie Bishop und Umweltminister Greg Hunt bis zuletzt für ein Ziel von wenigstens 30 Prozent Reduzierung bis 2030 geworben.

Wirtschaft vor Umwelt

Abbott betonte indessen bei der Präsentation der Klimaziele die Priorität der Wirtschaft gegenüber dem Umweltschutz: „Wir müssen unsere Emissionen reduzieren, aber wir müssen das im Einklang mit weiterem starken Wirtschaftswachstum tun. Das Letzte, was wir wollen, ist die Umwelt zu stärken und gleichzeitig der Wirtschaft zu schaden.“ Deswegen wolle man auch die Kohleindustrie nicht anpacken. Der derzeitige Plan würde das Land bis 2030 rund vier Milliarden Dollar kosten.

Erreicht werden soll das Klimaziel, indem 200 Millionen Dollar pro Jahre in das „Direct Action“-Programm gesteckt werden, mit dem emissionsreduzierende Initiativen, Technologien und Unternehmen direkt gefördert werden sollen. Außerdem wolle man Energieeffizienzstandards verbessern und technologische Verbesserung, beispielsweise im Bereich Batterietechnologie, erforschen und für sich nutzen.

Abbott schwänzt Klimagipfel

Indessen berichtet die Nachrichtenagentur AAP, dass Abbott nicht selbst am Klimagipfel teilnehmen, sondern seine Außernministerin Bishop als Delegationsleiterin schicken wird. Im Vorfeld hatte der Premierminister noch angekündigt, er werde kommen, wenn „eine erhebliche Anzahl an bedeutenden Wirtschaftsführern“ anwesend wäre. „Natürlich würde ich dann gehen. Ich meine, es wäre dumm, nicht zu gehen, wenn sich dort die Gelegenheit böte, eine ganze Palette an Oberhäuptern wirtschaftlich signifikanter Länder zu treffen.“

Kohleparadies Australien

Australien ist einer der weltweit größten Kohleförderer und -exporteure und verlässt sich auch in der Energiegewinnung auf den fossilen Rohstoff. Während sich selbst China langsam von Kohle abwendet, wird in Australien weiter in das „schwarze Gold“ investiert.

Jüngst sorgte der geplante Bau eines riesigen Kohlekraftwerks in Queensland für Aufregung, unter anderem weil die Kohle über eine 189 Kilometer lange Eisenbahnverbindung nach Mackay an der Küste gebracht und von dort mit Schiffen durch den Naturschutzpark rund um das Korallenriff Great Barrier Reef exportiert werden soll. Die Baugenehmigung für das Projekt wurde Anfang August vorerst auf Eis gelegt, da der Artenschutz nicht genug berücksichtig wurde. Allerdings rechnet der Betreiber, der indische Konzern Adani, in Kürze endgültig mit grünem Licht. Das Bergwerk soll 10.000 Arbeitsplätze schaffen.

Rücknahme von Klimaschutzmaßnahmen

Die Klimapolitik werde im Land mit dem höchsten Emissionsausstoß pro Kopf zunehmend auch zum innenpolitischen Zankapfel, wie die „FT“ schreibt. Denn die Grünen und die Labor-Partei wollen aktive Schritte in Sachen Umwelt- und Klimaschutz, während sich die regierende Liberale Partei seit Jahren nicht nur hinsichtlich einschneidender Maßnahmen windet, sondern sie auch aktiv blockiert.

Australien unter Abbott war das erste Land der Welt, das eine - von der Labor-Vorregierung eingeführte - CO2-Steuer zur Reduzierung klimaschädlicher Emissionen wieder außer Kraft setzte. Investitionen in erneuerbare Energien wurden gebremst, heuer wurde das bisherige Ziel für die Produktion erneuerbarer Energien reduziert. Für den Einstieg in Atomkraft zeigt man sich offen.

Links: