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Täglich Hunderte Flüchtlinge

Mehr als 200.000 Flüchtlinge sind nach Angaben aus Athen seit Jahresbeginn auf den griechischen Ostägäis-Inseln eingetroffen. Davon kamen 100.000 allein in den vergangenen zwei Monaten. Das teilte am Mittwoch der für die Küstenwache zuständige Minister Thodoris Dritsas im griechischen Fernsehen mit.

Die für Migration zuständige stellvertretende Ministerin Tasia Christofilopoulou erklärte, die Behörden auf den Inseln der Ostägäis täten alles Menschenmögliche, es sei aber nicht möglich, mit dieser großen Zahl fertigzuwerden. Das größte Problem bestehe darin, dass die Flüchtlinge registriert werden müssen.

Fähren holen Flüchtlinge von Inseln

Dieses Verfahren dauert laut den Worten der Migrationsministerin im besten Fall für jede Person 20 bis 30 Minuten. Täglich kämen aber Hunderte neue Flüchtlinge aus der Türkei hinzu. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) sprach zuletzt von fast 150.000 Flüchtlingen.

Drei Fähren pendeln seit Tagen zwischen den Ostägäis-Inseln und Piräus sowie Kavala und haben nach Schätzungen bereits mehr als 15.000 Flüchtlinge von den Inseln zum Festland gebracht. Auf den Inseln selbst herrschen chaotische Zustände. Hunderte Flüchtlinge schlafen im Freien und werden nicht richtig versorgt, weil die Behörden kein Geld haben. Betroffen sind vor allem die Inseln Leros, Kos, Lesbos, Kalymnos und Agathonisi.

Dutzende Tote in Frachtraum gefunden

Vor der libyschen Küste ereignete sich am Mittwoch eine neue Flüchtlingstragödie. Im Laderaum eines aus Libyen kommenden Flüchtlingsbootes wurden die Leichen von etwa 50 Menschen entdeckt. Auf dem Schiff befanden sich weitere 439 Migranten, die gerettet werden konnten, wie die italienische Küstenwache berichtete. Das Boot war von Libyen in Richtung Italien unterwegs, wo seit Jahresbeginn 108.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer eingetroffen sind.

Soldaten, die an Bord des Fischerbootes gestiegen waren, hatten die Leichen entdeckt. Die Flüchtlinge seien wahrscheinlich wegen Motorabgasen erstickt, so die Küstenwache. Insgesamt wurden allein am Mittwochvormittag 1.900 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Schätzungen zufolge starben in diesem Jahr rund 2.500 Flüchtlinge bei der gefährlichen Überfahrt, erst vor wenigen Tagen wurden Dutzende tote Menschen in einem Laderaum eines Schiffs aus Libyen entdeckt.

Ungarn: Tränengas in Flüchtlingslager

In einem mit Flüchtlingen überfüllten Erstaufnahmelager in Ungarn gab es am Mittwoch einen Zwischenfall, die Polizei setzte dabei Tränengas ein. Warum die Situation genau eskalierte, ist unklar: Nach Darstellung der Polizei war die Situation außer Kontrolle geraten, nachdem Flüchtlinge versucht hätten, sich dem Registrierungsverfahren zu entziehen.

Hir TV und die dpa nannten Beschwerden über die Enge in dem Lager in Röszke vonseiten der Flüchtlinge als Grund für die Unruhen. Die Lage habe sich inzwischen wieder beruhigt, hieß es in übereinstimmenden Berichten.

Ungarn will Armee einsetzen

Ungarn verstärkt seine Grenze nach Serbien weiter. Landespolizeikommandant Karoly Papp gab am Mittwoch in der Hauptstadt Budapest bekannt, dass bis Mitte September sechs „Grenzjäger“-Einheiten mit 2.100 Mann einsatzbereit sein sollen. Ungarn errichtet derzeit an seiner Grenze zu Serbien einen 175 Kilometer langen Zaun. Die erste Sperrlinie - ein bis zu eineinhalb Meter hoher Stacheldrahtzaun - ist fast fertig.

Ungarn erwägt, auch die Armee gegen Flüchtlinge einzusetzen. Täglich berichten die Behörden hier von einem neuen Höchststand. Waren am Dienstag noch 2.533 Menschen aufgegriffen worden, wurden am Mittwoch bereits 3.241 Flüchtlinge, die über die grüne Grenze aus Serbien kamen, gemeldet. Viele nützen Bahngleise, die durch den Zaun nicht versperrt werden können.

Tausende Flüchtlinge in Mazedonien

Laut Medienberichten in Skopje trafen in Mazedonien am Dienstag rund 3.000 Flüchtlinge ein. In der südserbischen Stadt Presevo, nahe an der Grenze zu Mazedonien, trafen in den letzten 24 Stunden laut serbischen Behörden rund 2.000 Flüchtlinge ein. Die Mehrheit davon dürfte ihre Reise Richtung Norden gleich nach der Registrierung fortgesetzt haben. Nach Angaben der Behörden kamen rund 1.800 Flüchtlinge vergangene Nacht in der nordserbischen Grenzstadt Kanjiza an.

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