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Kein Vorteil mehr für Frühaufsteher

Kaum jemand stellt sich gerne an - und doch verbringen Menschen gar nicht so wenig Zeit ihres Lebens in einer Warteschlange. Dänische Forscher haben für eine Studie verschiedene Modelle durchgespielt und sind zu dem Schluss gekommen, dass man die durchschnittliche Wartezeit wesentlich verkürzen könnte. Statt den jeweils Ersten in der Schlange an die Reihe zu nehmen, sollte gelten: Der Letzte kommt zuerst.

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Intuitiv werde fälschlicherweise angenommen, dass First-in-first-out die fairste Art der Warteschlange sei, heißt es in der Studie, die Lars Peter Osterdal und Trine Tornoe Platz von der Syddansk Universitet in Odense veröffentlichten. „Das Problem mit der klassischen Schlange ist, dass die Menschen dann dazu tendieren, zu früh aufzutauchen,“ wird Osterdal in einem Artikel der BBC zitiert.

Bei den verschiedenen System, die im Zuge der Forschungsarbeit untersucht wurden, war die Ausgangssituation immer die gleiche: ein Schalter, der zu einer genau definierten Zeit öffnet und erst wieder schließt, wenn alle Kunden bedient wurden. So wie es etwa beim Check-in von Airlines üblich ist oder im Wartezimmer eines Arztes, bei dem es keine Terminreservierung gibt, war der „Eintritt in den Warteprozess“ jedem selbst überlassen.

Sogar Zufallsprinzip schneller als First-in-first-out

Ein Modell, das in der Studie besser abschnitt als das normale Anstellen, war jenes, bei dem die Wartenden unabhängig von der Reihung nach dem Zufallsprinzip aufgerufen wurden. Das erstaunliche Ergebnis: Die durchschnittliche Wartezeit pro Person verkürzte sich deutlich.

Warteschlange vor Bus

Reuters/Susana Vera

Die klassische Warteschlange: Wer zuerst kommt, darf als Erster einsteigen

Noch eindeutiger und kürzer fiel die Anstellzeit aber bei der nächsten Versuchsanordnung aus, bei der jeweils der zuletzt eingetroffene Proband als Erster an die Reihe genommen wurde. Grund dafür war das geänderte Verhalten der Probanden, die vorab über die Modalitäten informiert waren.

Statt möglichst früh zu erscheinen, verteilte sich die Ankunft der Studienteilnehmer. „Es wäre in dem Fall einfach riskanter und unlogisch, ganz früh oder überhaupt noch vor der Schalteröffnung zu erscheinen,“ so Osterdal. Auf dem Flughafen könnten sich die Passagiere etwa eher noch einen Kaffee holen oder weiter ihre Zeitung lesen, statt so schnell wie möglich in die Schlange zu eilen und dann ewig vor den Schaltern herumzustehen.

Leicht zu manipulieren

Das Ergebnis sei eindeutig - die Wissenschaftler räumen aber zugleich ein, dass ihre Erkenntnisse nur schwer umzusetzen seien. „Es ist einfach zu kompliziert zu administrieren.“ Denn die gestürzte Warteschlange erfordert Disziplin - und ist sehr leicht zu manipulieren. Etwa wenn jemand einfach aus der Schlange ausschert, um sich erneut anzustellen. Damit würde das System ad absurdum geführt und somit wieder deutlich langsamer. Unabhängig von der gemessenen Wartezeit - subjektiv wird das First-come-first-served-Prinzip als wesentlich fairer wahrgenommen.

Praktische Anwendung könnten die Erkenntnisse der Dänen jedoch bei Onlineplattformen oder bei der Reihung von Anrufen in Telefonzentralen finden. Dort, so Osterdal, ärgerten die Kunden sich genauso über längere Wartezeiten - sie müssten aber wenigstens nicht mit mitansehen, wie später kommende Kunden vorgereiht würden.

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