Komponist Arvo Pärt wird 80

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Arvo Pärt ist eine Klasse für sich. Der Komponist entzieht sich weitgehend der Einordnung in musikalische Schulen, hat sich mit seinem Stil des Tintinnabuli ein ganz eigenes Klanguniversum erschlossen und es damit an die Spitze der zeitgenössischen Tonsetzer gebracht. Heute feiert der gebürtige Este mit österreichischer Staatsbürgerschaft und deutschem Wohnsitz 80. Geburtstag.

Geboren 1935 im estnischen Paide, begann Pärt bereits früh mit seiner musikalischen Ausbildung und erlernte ab dem Alter von drei Jahren Klavier in Rakvere, wohin die Familie übersiedelt war. In Tallinn schloss sich später die Kompositionsklasse von Heino Eller an, die er 1963 abschloss. Zur Finanzierung seines Lebensunterhalts arbeitete er parallel von 1958 bis 1967 als Tonmeister beim estnischen Rundfunk - und widmete sich in dieser Zeit verstärkt dem Komponieren.

Dekadenzvorwürfe für serielle Kompositionen

Mit „Nekrolog“ brachte er 1960 das erste serielle Werk in Estland heraus - was den Vorwurf der westlichen Dekadenz durch die Behörden zur Folge hatte. Und „Collage sur B-A-C-H“ wurde 1964 das erste Stück im Collagenstil in Estland. Das Fass zum Überlaufen brachte Pärt aus Sicht der Sowjet-Nomenklatura allerdings 1968 mit seinem „Credo“, das als Bekenntnis zum Christentum verboten wurde.

Pärt stürzte der Konflikt in eine tiefe Schaffenskrise, die ihn für acht Jahre im Konzertbetrieb verstummen ließ. Am Ende dieser Krise und am Beginn seiner neuen Schaffensphase stand der Tintinnabuli-Stil. Pärt ging auf den reinen Dreiklang zurück, der ihn an das Glockenspiel (Tintinnabuli) erinnert, mit dessen Hilfe er seine Werke definiert.

Pärt entwickelte sich zum Synonym für eine Reduktion und Abschalung des musikalischen Korpus auf den Kern, für einen Minimalismus im Meditativen, der von großer Spiritualität geprägt ist - eine eigene Musiksprache, die dem kommunistischen Regime Estlands zuwiderlaufen musste.

Emigration nach Wien

So sah sich Pärt im Jänner 1980 mit seiner Familie zur Emigration nach Wien veranlasst, wo er im Eiltempo die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt - wofür sich der Komponist auch knapp 30 Jahre später bei der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst noch dankbar zeigte: „Eine so großzügige Geste von einem Staat im vielleicht schwierigsten Moment des Lebens eines beinahe unbekannten Komponisten ... Sie können sich vorstellen wie glücklich und dankbar wir damals waren.“

Bereits ein Jahr später verließ er die Bundeshauptstadt allerdings Richtung Berlin - wo er die nächsten Jahrzehnte bleiben sollte, bis er 2010 in seiner alten Heimat Estland wieder einen zweiten Wohnsitz nahm. In den Jahrzehnten hatte sich Pärt zum global bekannten Künstler entwickelt, der mit „Tabula Rasa“, „Fratres“ oder „Spiegel im Spiegel“ die Gegenwart mit dem 15. Jahrhundert musikalisch verband.

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