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Tausende auf Wiener Bahnhöfen

Der Andrang der Flüchtlinge auf die Wiener Bahnhöfe ist auch am Dienstagabend unverändert geblieben, nachdem die Polizei am Nachmittag dazu aufgerufen hatte, keine Flüchtlinge mehr zu den Bahnhöfen zu bringen. Am Westbahnhof befanden sich jedoch weiter über 4.000 Migranten, am Hauptbahnhof waren es mehr als 1.000, hieß es seitens der Polizei am Abend gegenüber der APA.

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Insgesamt war die Weiterfahrt schwierig, am Dienstag fielen wegen der Grenzkontrollen zwei Züge nach Deutschland aus. Es komme bereits zu einem Rückstau, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger zu der Situation am Westbahnhof. Er geht davon aus, dass der Großteil dieser 4.000 Flüchtlinge in Wiener Notquartieren bleiben muss - mehr dazu in wien.ORF.at.

Steiermark gerüstet

Auch in der Steiermark musste man in der Nacht auf Notquartiere zurückgreifen. Knapp 2.000 Flüchtlinge werden die Nacht auf Mittwoch in der Steiermark in Notquartieren versorgt. Am Abend waren laut Polizeisprecher Joachim Huber mehr als 770 am Schwarzlsee, wobei ein Doppeldeckerbus mit rund 100 weiteren Menschen erwartet wurde. In Graz waren am Abend 450 Personen, im Laufe der Nacht werden aber noch 20 Busse mit mehr als 500 Flüchtlingen vom Wiener Westbahnhof erwartet, wie es am Abend weiter hieß.

Private Flüchtlingstransfers, Kleinbusse und Großraumtaxis stellen die Helfer am Salzburger Hauptbahnhof vor immer größere Probleme: Weil Hunderte auf diese Weise kamen, wurde das Chaos immer größer. Die privaten Transporte brachten im Lauf des Nachtmittags Hunderte Flüchtlinge aus dem Burgenland oder aus Wien nach Salzburg. Da es für die Fahrer illegal ist, die Flüchtlinge direkt bis nach Freilassing (Bayern) zu fahren, steuerten sie meist den Hauptbahnhof an - salzburg.ORF.at.

Eilige Suche nach Notquartieren

Auch der von der Regierung eingesetzte Flüchtlingskoordinator Christian Konrad sieht seine Hauptaufgabe in der Schaffung von Quartieren für Flüchtlinge und die Logistik dazu.

Christian Konrad und Ferry Maier

APA/Herbert Neubauer

Konrad (vo.) und Maier (hi.) bei der ersten Pressekonferenz als Asylkoordinatoren

Am Dienstag meldete sich Konrad erstmals in seiner Funktion als Koordinator bei einer Pressekonferenz zu Wort. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die für heuer erwarteten 85.000 Flüchtlinge untergebracht werden können. Das Gleiche gelte auch für die Schaffung von bis zu 35.000 weiteren Quartieren - 15.000 entfallen dabei auf den Bund, 20.000 auf die Länder.

Man müsse aber angesichts der aktuellen Notsituation die Standards bei der Unterbringung von Flüchtlingen überdenken, so Konrad. Für eine befristete Zeit sollten daher „Notstandards“ gelten. Der frühere ÖVP-Abgeordnete Ferry Maier, der Konrad unterstützt, verwies hier etwa auf aktuelle Vorgaben wie die Höhe von Handtuchhaltern und die Größe von Oberlichten. Man sei daher im Gespräch über die künftigen Rahmenbedingungen.

„Land hat enorme Kapazitäten“

Stolz zeigte sich der ehrenamtlich tätige Koordinator Konrad über die Hilfsbereitschaft der Österreicher. Diese Spenden - von Kleidung bis zu Wohnungen - gelte es nun zu koordinieren und organisieren. Unterstützung bei der Quartiersuche erhofft er sich auch durch die neue ORF-Plattform „Helfen. Wie wir.“ Dort sollen insbesondere angebotene Privatquartiere gesammelt und koordiniert werden.

„Dieses Land hat enorme Kapazitäten. Man muss sie nur aufspüren und nutzen“, betonte Konrad. „Das Boot ist noch nicht voll.“ Als eines seiner ersten Ziele sieht Konrad die Entlastung des Erstaufnahmezentrums Traiskirchen: „Wir sind dabei, diesen Krisenherd zu entschärfen.“ Insbesondere die Zelte müssten nicht zuletzt aufgrund der Kälte „gegenstandslos“ werden.

Konrad zufolge gibt es keine obdachlosen Flüchtlinge mehr in Traiskirchen. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte gegenüber der APA, dass das seit vergangener Woche der Fall sei. Insgesamt sind aktuell rund 3.500 Personen auf dem Areal untergebracht.

„Pufferzone“ Österreich

Konrad und sein Mitarbeiter Maier forderten zudem, die Asylverfahren zu beschleunigen. Diese Rechtssicherheit sei eine Frage der Fairness, meinte er. Auch brauche es mehr „Manpower“, so Konrad. Die aktuelle Situation mit den Grenzkontrollen von Deutschland sei herausfordernd. Österreich sei nun eine „Pufferzone“. In den vergangenen 24 Stunden seien 20.000 Flüchtlinge nach Österreich gekommen, so Konrad Dienstagmittag. Dass diese „ohne großen Wirbel“ untergebracht worden seien, sei eine „Meisterleistung“.

Offiziell startet Konrad seine Tätigkeit erst per 1. Oktober. Schon bisher führte er aber zahlreiche Gespräche mit der Bundesregierung, den Landeshauptleuten, Vertretern der Interessenvertretungen und NGOs. Er sieht sich als Koordinator dieser Gruppen und Vertreter der Zivilgesellschaft. Politische Tätigkeit übe er keine aus. Seine Aufgabe sei es auch, zu motivieren und Ideen zu entwickeln. Es brauche eine Bereitschaft zu kooperieren, und diese sei „durchaus gegeben“, so der Ex-Raiffeisen-Manager Konrad.

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