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Hunderte Ankünfte in der Südsteiermark

Erstmals sind Flüchtlinge über die Grenze zwischen Slowenien und der Steiermark nach Österreich gereist. In Spielfeld, dem ehemals bekanntesten Grenzübergang der Region, kamen am Samstagnachmittag rund 150 Menschen an. Sie wurden vom Roten Kreuz auf einem Parkplatz erstversorgt und werden nach Graz und Feldkirchen in die Notunterkünfte gebracht.

Zwei Kinder und eine Frau hätten ins Krankenhaus transportiert werden müssen, so Rot-Kreuz-Sprecher August Bäck auf APA-Anfrage. „Eine Mutter dürfte ihr Kind auf der Flucht bekommen haben und musste ins Spital“, so Bäck. Die Menschen sollen mit Bussen nach Graz in ein ehemaliges Shoppingcenter und nach Feldkirchen in die frühere Bellaflora-Halle gebracht werden.

Zu Fuß nach Bad Radkersburg

Auch anderenorts gab es erste Ankünfte: Im slowenischen Grenzort Gornja Radgona ließen die slowenischen Behörden am späteren Nachmittag rund 350 Flüchtlinge in Richtung Österreich weitermarschieren - mehr dazu in steiermark.ORF.at. Österreichische Polizisten hielten die Menge zunächst auf der Brücke nach Bad Radkersburg an und erklärten, dass es ohne Reisepass keine Einreise nach Österreich gebe.

Die Flüchtlinge setzten sich jedoch laut APA-Angaben darüber hinweg und gingen weiter. Daraufhin unternahmen die Polizisten nichts mehr, die Flüchtlinge an der Einreise zu hindern, sondern begleiteten die Menschen. Die Schutzsuchenden wirkten deutlich erleichtert, machten das Victory-Zeichen. Unter den Flüchtlingen befindet sich eine große Anzahl von Kindern. Sie wirkten alle sehr glücklich, weitermarschieren zu dürfen.

Nach Feldkirchen gebracht

Am Abend wurde begonnen, die Flüchtlinge nach und nach mit Bussen nach Feldkirchen bei Graz zu bringen. Fahrzeuge des Bundesheeres würden so lange „non stop“ pendeln, bis alle Menschen untergebracht sind, bestätigte das Bundesheer der APA. Die Busse fassen jeweils 50 Personen, daher wird der Transport aller rund 350 Menschen eine Weile dauern. In der Zwischenzeit wurden für die Flüchtlinge Sanitäranlagen organisiert, sie werden bis zu ihrer Abfahrt betreut. Die Busse fahren „wenn nötig die ganze Nacht“, hieß es seitens des Bundesheeres.

Bundesheer verstärkt

Auch an verschiedenen anderen Stellen wurde die Südgrenze von Flüchtlingen überquert: So seien in Langegg (südwestlich von Spielfeld, nahe Leutschach) im Laufe des Nachmittags rund 30 Personen angekommen, wie die Polizei mitteilte. Das Bundesheer wurde verstärkt, rund 100 Soldaten aus Spittal/Drau sind auf dem Weg in die Steiermark und werden in Spielfeld und bei den kleineren Grenzübergängen zum Einsatz kommen.

Der Sprecher von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Hermann Muhr, dementierte unterdessen NGO-Informationen, wonach es eine Absprache zwischen österreichischen und slowenischen Behörden gegeben habe. „Es gibt keinen Korridor und keine Absprachen dazu. Es gibt keine Sonderregelungen.“ Man sollte keine falschen Erwartungen wecken, so Muhr. Mikl-Leitner hatte zuvor betont, dass Österreich bei Dublin „hart bleiben“ werde.

„Dublin-Verfahren“ eingeleitet

Die Ministerin konnte nicht verstehen, dass sowohl in Kroatien als auch in Slowenien keine Asylanträge gestellt werden. Gleichzeitig machte Mikl-Leitner klar, dass sie bei den beiden Ländern die Dublin-Regeln sehr wohl anwenden werde. Jeder könne in Österreich einen Asylantrag stellen, aber ebenso selbstverständlich werde bei jedem einzelnen ein „Dublin-Verfahren“ zur Rückstellung nach Kroatien oder Slowenien eingeleitet.

Unterdessen bleibt der Hotspot das Burgenland: Rund 9.000 Flüchtlinge sind dort laut Polizei am Samstag seit Mitternacht bis Nachmittag angekommen: 4.000 davon in Nickelsdorf und 5.000 in Heiligenkreuz. Außerdem könnten noch 1.000 Menschen nach Heiligenkreuz unterwegs sein - mehr dazu in burgenland.ORF.at.

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