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„Wegezoll“ ins Einsatzgebiet?

Von den USA in der Türkei ausgebildete syrische Kämpfer haben nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums einen Teil ihrer Ausrüstung dem Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front ausgehändigt. Sechs Armeelaster sowie ein Teil der Munition seien auf diese Weise in die Hände der radikalislamischen Miliz gefallen, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis Ende vergangener Woche.

Den Pentagon-Angaben zufolge entspricht das rund einem Viertel der von der US-geführten Militärkoalition zur Verfügung gestellten Ausrüstung. Offenbar wollten die Rebellen damit sicherstellen, dass sie ungehindert in ihr Einsatzgebiet kommen, sagte ein Sprecher des für den Einsatz zuständigen Central Command. Der Verdacht richtet sich gegen einen Kommandeur der Neuen Syrischen Kräfte (NSF). Die Übergabe soll am 21. und 22. September stattgefunden haben. In Sozialen Netzwerken hatte die Al-Nusra-Front bereits mitgeteilt, Kriegsmaterial aus US-Beständen erhalten zu haben.

Überläufer dementiert

Die Gruppe mit etwa 70 in der Türkei trainierten Kämpfern war am vergangenen Wochenende in Syrien eingetroffen. Schon kurz darauf gab es auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter Berichte, einige Kämpfer seien zur Al-Nusra-Front übergelaufen oder hätten ihre Ausrüstung an die Dschihadisten übergeben. Das Pentagon hatte diese Berichte zunächst dementiert, musste aber nun einräumen, dass zumindest die Angaben zur Militärausrüstung zutrafen. Zuvor war eine erste Gruppe von 54 Rebellen kurz nach ihrem Eintreffen in Syrien im Juli von Al-Nusra-Kämpfern angegriffen und getötet oder entführt worden.

Die USA fliegen mit internationalen Partnern Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und dem Irak. Darüber hinaus bilden sie in der Türkei syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS aus.

Nur „vier oder fünf Kämpfer“ im Einsatz

Das eine halbe Milliarde teure Programm ist allerdings umstritten: Ursprünglich sah es vor, drei Jahre lang jährlich 5.400 Kämpfer in der Türkei auszubilden und nach Syrien zu schicken. Doch es kommt nicht so recht voran, unter anderem, weil es an geeigneten Kandidaten fehlt. Vor knapp zwei Wochen musste ein für das Programm zuständiger General vor einem Senatsausschuss einräumen, dass nur „vier oder fünf“ Kämpfer tatsächlich im Einsatz gegen den IS seien. Die US-Regierung denkt nun über eine Reform nach.

Informant: Mindestens 15 Transportmaschinen

Russland liefert ohne Unterlass militärische Ausrüstung nach Syrien. Nach Angaben aus Militärkreisen vom vorigen Wochenende landeten in den zwei Wochen davor mindestens 15 russische Transportmaschinen mit militärischer Ausrüstung und Personal auf dem Stützpunkt Hmeimim in der westsyrischen Provinz Latakia. „Seit zwei Wochen und auch am Samstag landet jeden Morgen eine russische Militärmaschine auf der Basis von Hmeimim“, sagte der Militärvertreter, der ungenannt bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Die Maschinen würden rasch entladen, und die Fracht werde mit Lastwagen weggebracht.

Der Stützpunkt Hmeimim befindet sich im Zivil- und Militärflughafen Bassel al-Assad, der 25 Kilometer südlich von Latakia liegt, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Region gehört zu den Hochburgen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Nach US-Angaben schickte Moskau nach Panzern, Artillerie und Soldaten inzwischen auch Kampf- und Aufklärungsflugzeuge nach Syrien. Einen Teil davon überlässt Moskau demnach der syrischen Armee. Zuletzt wurden in Moskau auch Luftangriffe auf syrisches Gebiet beschlossen.

Hisbollah-Chef zählt russische Waffen auf

Russland unterstützt die Regierungstruppen im syrischen Bürgerkrieg auch nach Angaben der Hisbollah mit hochmodernen Waffensystemen. Auch Kampfjets, Hubschrauber und Präzisionsraketen gehörten dazu, sagte Hassan Nasrallah, der Chef der libanesischen Schiitenmiliz, die im Nachbarland Syrien auf der Seite von Assad kämpft. Die US-Strategie im Kampf gegen den IS sei gescheitert. Das habe die verstärkte Hilfe Russlands nötig gemacht. Nur auf Luftangriffe und die Kampfausbildung sogenannter moderater Rebellen zu setzen, sei ein Fehler gewesen, sagte Nasrallah dem Fernsehsender der Hisbollah.

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