Volkswagen kündigt Rückrufaktion an

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Volkswagen will in der Abgasaffäre bald Klarheit für Kunden schaffen. „In den nächsten Tagen“ werde der Konzern betroffene Kunden informieren, dass das „Abgasverhalten ihres Fahrzeuges“ nachgebessert werden müsse, heißt es in einer Rede des neuen VW-Chefs Matthias Müller, die der Nachrichtenagentur AFP heute in Auszügen vorlag. Anschließend würden Werkstatttermine vereinbart.

„Größte Bewährungsprobe“ der Geschichte von VW

Müller bekräftigte in seiner Rede die frühere Angabe des Konzerns, dass die Software zur Manipulation von Abgaswerten in weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeugen mit Dieselmotoren des Typs EA 189 installiert sei. Allerdings sei das Programm nur in einem Teil davon aktiviert.

Der neue Konzernchef hatte die Rede nach VW-Angaben vor Führungskräften des Autobauers gehalten und erklärt, VW stehe vor „der größten Bewährungsprobe“ seiner Geschichte. Es brauche nun „Mut und Kampfgeist“, um die Krise zu bewältigen. Als eine Konsequenz aus der Manipulationsaffäre kündigte Müller strengere Verhaltensregeln an. Volkswagen müsse sich bei „Führung und Unternehmenskultur neu justieren“.

700.000 Autos der Marke Seat betroffen

Am Dienstag gab die VW-Tochter Seat bekannt, dass rund 700.000 ihrer Autos von der Abgasaffäre betroffen seien. Um welche Modelle es sich handle, teilte Seat nicht mit. Allerdings könnten Kunden auf der Website des Autobauers bald prüfen, ob ihr Fahrzeug betroffen sei. Die Spanier stoppten vorübergehend den Verkauf von Autos mit dem EA-189-Motor. Bereits am Montag hatten die VW-Töchter Audi und Skoda Zahlen zu betroffenen Fahrzeugen herausgegeben: Bei Audi berührt der Skandal 2,1 Millionen Fahrzeuge, bei Skoda rund 1,2 Millionen.

Unter den insgesamt elf Millionen betroffenen Volkswagen-Fahrzeugen sind laut Konzern auch 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge. Dazu zählen etwa die Modelle Caddy und Transporter.

Im Skandal um manipulierte Abgasmessungen bei Dieselfahrzeugen des Volkswagen-Konzerns gibt es einem Medienbericht zufolge schwerwiegende Vorwürfe gegen einen ranghohen Manager.

Schwere Vorwürfe gegen Topmanager

Interne Untersuchungen hätten ergeben, dass der inzwischen beurlaubte Heinz-Jakob Neußer 2011 den Hinweis eines Motorentechnikers auf möglicherweise illegale Praktiken abgetan habe, berichtete der Rechercheverbund von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR. Der Techniker habe bei einer Befragung durch die Konzernrevision ausgesagt, seine Informationen seien von Neußer offenbar nicht ernstgenommen worden.

VW erklärte dem Bericht zufolge auf Anfrage, derzeit laufe ein „intensiver Aufklärungsprozess“. Erst wenn sich ein „klares Bild“ ergeben habe, könnten Details zum Handeln einzelner Personen genannt werden. Neben Entwicklungsvorstand Neußer sind dem Bericht zufolge zwei weitere Spitzenmanager beurlaubt.