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„Eine Pause eingelegt“

Angesichts der Rückschläge legen die USA die Ausbildung und Ausrüstung moderater syrischer Rebellen auf Eis. „Wir haben eine Pause eingelegt“, sagte Pentagon-Sprecher Peter Cook am Dienstag. Vorerst würden keine Rekruten mehr in die Ausbildungslager in der Türkei und in Jordanien geschickt.

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Wer sich schon in Ausbildung befinde, werde allerdings weiter trainiert. Auch würden neue Kandidaten gesucht, weil das Programm später fortgeführt werden solle. Washington hatte im Frühjahr begonnen, gemäßigte Rebellen für den Kampf gegen die Terrormiliiz Islamischer Staat (IS) auszubilden - 500 Mio. Dollar (rund 450 Mio. Euro) sind dafür veranschlagt.

Waffen an Al-Nusra-Front ausgehändigt

Das Ziel war, pro Jahr 5.000 Mann zu trainieren und dann zurück nach Syrien zu schicken. Bisher ist allerdings nur eine Handvoll von ihnen tatsächlich in dem Bürgerkriegsland im Einsatz. Das Pentagon musste vergangene Woche einräumen, dass einige von ihnen ihre Waffen an die islamistische Al-Nusra-Front ausgehändigt hatten, um ein von ihr kontrolliertes Gebiet passieren zu können.

Sechs Armeelaster sowie ein Teil der Munition seien auf diese Weise in die Hände der radikalislamischen Miliz gefallen, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis Ende vergangener Woche. Den Angaben zufolge entsprach das rund einem Viertel der von der US-geführten Militärkoalition zur Verfügung gestellten Ausrüstung. Offenbar wollten die Rebellen damit sicherstellen, dass sie ungehindert in ihr Einsatzgebiet kommen, wie von US-Seite gemutmaßt wurde.

Umstrittenes Programm

Der Verdacht richtete sich gegen einen Kommandeur der Neuen Syrischen Kräfte (NSF). Die Übergabe soll am 21. und 22. September stattgefunden haben. In Sozialen Netzwerken hatte die Al-Nusra-Front mitgeteilt, Kriegsmaterial aus US-Beständen erhalten zu haben. Erste Berichte darüber waren vom Pentagon zunächst dementiert worden, später musste man aber einräumen, dass zumindest die Angaben zur Militärausrüstung zutrafen.

Das eine halbe Milliarde teure Programm ist generell umstritten: Ursprünglich sah es vor, drei Jahre lang jährlich 5.400 Kämpfer in der Türkei auszubilden und nach Syrien zu schicken. Doch es kam nicht so recht voran, unter anderem, weil es an geeigneten Kandidaten fehlte. Vor Kurzem musste ein für das Programm zuständiger General vor einem Senatsausschuss einräumen, dass nur „vier oder fünf“ Kämpfer tatsächlich im Einsatz gegen den IS seien.

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