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„Extrem starkes Ereignis“ prognostiziert

Mit der Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von 90 auf 95 Prozent haben US-Meteorologen zuletzt ihre Überzeugung untermauert, dass 2015 als Jahr eines „extrem starken“ „El Nino“-Ereignisses in die Geschichte eingehen könnte. Als Hinweise darauf gelten erste Starkregenfällen im US-Bundesstaat Kalifornien und Dürre samt Waldbränden in Indonesien - nicht zuletzt aber eine Warmwasserzunge vor der Küste Süd- und Mittelamerikas.

Bei „El Nino“ handelt es sich um ein in unregelmäßigen Abständen beobachtetes Wetterphänomen, dessen Auswirkungen etwa 1982/83 und 1997/98 für weltweit verheerende Wetterkapriolen sorgten. Seinen Namen verdankt „El Nino“ (spanisch an sich für „der Bub“, hier konkret für „das Christuskind“) peruanischen Fischern, die im 19. Jahrhundert rund um die Weihnachtszeit ungewöhnliche Warmwasserströmungen beobachteten.

Vergleich von Wärmebildern

APA/AP/NASA

Die „verdächtige“ Warmwasserzunge 1997 und 2015

Ozeanischer „El Nino“-Index weit über Norm

Der Anstieg der Wassertemperaturen gilt auch jetzt als wesentlicher Indikator. Nach Angaben der US-Umweltbehörde (NOAA) lag der Ozeanische „El Nino“-Index (ONI) und damit einer der Schlüsselindikatoren zwischen Juli und September dieses Jahres 1,5 Grad Celsius über dem Normalwert. Lediglich 1987 (1,6 Grad Celsius) und 1997 (1,7 Grad Celsius) waren die Abweichungen noch größer, wie NOAA in den vergangenen Tagen mitteilte. Auf Visualisierungen der vom deutschen Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ als „verräterisch“ bezeichneten Warmwasserströmungen wird jedenfalls mehr als deutlich, warum bereits jetzt Vergleiche mit dem Jahr 1997 gezogen werden.

Waldbrände auf Sumatra, Indonesien

Reuters/Antara Foto/Nova Wahyudi

Die illegale Rodung von Wäldern löst in Indonesien jedes Jahr während der Trockenzeit schwere Brände aus. Experten zufolge wird das Problem derzeit durch „El Nino“ verstärkt.

Neben den nach wie vor steigenden Wassertemperaturen geben NOAA zufolge auch weitere Indikatoren, darunter etwa Luftdruckschwankungen und damit zunehmende „Windanomalien“, Hinweise auf einen „starken ‚El Nino‘“. Die Wahrscheinlichkeit eines bis Frühjahr 2016 anhaltenden „El Nino“-Ereignisses wurde in der jüngsten NOAA-Prognose jedenfalls von 90 auf 95 Prozent erhöht, wobei der Höhepunkt noch in diesem Jahr für Ende Herbst, Anfang Winter erwartet wird.

„Monster“ und „Godzilla“

Aus diesem Grund warnt etwa Mike Halpert vom NOAA-Prognosezentrum gegenüber dem US-Medienportal Vox vom möglicherweise stärksten „El Nino“ aller Zeiten. Angesichts der jüngsten Modellrechnungen sehen sich auch andere Experten in ihren bisherigen Prognosen bestätigt, in denen sie bereits vor einem drohenden „Monster-“ - oder wie etwa CBS und die „Los Angeles Times“ - vor einem „Godzilla-El-Nino“ warnten.

Starkregen in Kalifornien, USA

APA/AP/The Victor Valley Daily/James Quigg

Erste Starkregenfälle in Kalifornien als möglicher Hinweis auf „El Nino“

Für die USA werden der Zeitung zufolge dann unter anderem ungewohnt starke Regenfälle in dem derzeit unter einer Dürreperiode leidenden US-Bundesstaat Kalifornien prognostiziert. Mit dem Regen drohen aber auch verheerende Überflutungen, wie Vox mit Blick auf das Jahr 1997 und Peru erinnert. Temperaturen weit über den Durchschnittswerten gepaart mit Dürre und Waldbränden gab es damals zudem etwa in Australien und Indonesien. Als weitere Fernwirkungen des Wetterphänomens gilt unter anderem die steigende Gefahr von Wirbelstürmen, aber auch Massensterben von Fischen und Seevögeln.

Mögliche Folgen des bereits seit März beobachteten aktuellen „El Nino“ orteten NOAA-Experten unterdessen bereits an Korallenriffen. In den Meeren der Welt breitet sich eine als verheerend bezeichnete Korallenbleiche aus. Vom Aussterben bedroht sei rund ein Drittel aller Korallenriffe.

„Schwer vorhersehbares Ereignis“

Ungeachtet der klar Richtung Sturm stehenden Modellrechnungen werden die möglichen „El Nino“-Auswirkungen gleichzeitig aber wieder relativiert. Laut „Spektrum“ blieb etwa im Vorjahr ungeachtet anders lautender Prognosen ein „Super-El-Nino“ aus. „El Nino“-Ereignisse seien „unberechenbar und voll mit Überraschungen“ relativiert zudem Vox - „zunehmend plausibel“ sei aber sehr wohl, dass 2015 und auch 2016 die bisher wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden könnten.

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