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„Gute und schlechte Nachrichten“

Es ist Mitte Oktober und im kalifornischen Los Angeles klettern die Temperaturen drei Tage hintereinander auf über 35 Grad. Das ist laut Meteorologen in 25 Jahren ein neuer Rekord für anhaltende Oktober-Hitze. Und in diesem Winter kommt auf Kalifornien möglicherweise ein weiterer Wetterrekord zu: „El Nino“ steht in den Startlöchern.

„Es sind gute und schlechte Nachrichten“, sagt der Meteorologe Jack Boston vom Wetterdienst AccuWeather über das regenreiche Phänomen. „Es könnte uns helfen, die Dürre zu lindern, aber die heftigen Stürme kommen mit vielen Gefahren wie Erdrutsche, Überschwemmungen und Lawinen“, so die Prognose.

An Wettersuperlativen müssen sich die Kalifornier schon seit Längerem gewöhnen. Es ist das vierte Jahr mit einer der schwersten Dürren in dem inzwischen braun-verdorrten „goldenen“ Westküstenstaat. Der schneearme vergangene Winter brachte seit Beginn der Wettermessungen in den 1950er Jahren einen Trockenheitsrekord.

Erinnerung an 1997/98

Es gibt zuverlässige Vorzeichen für einen starken „El Nino“ in diesem Winter. Das Pazifikwasser an der Westküste Südamerikas ist ungewöhnlich warm, das Wetterphänomen bringt dann weltweit die Luftdruck- und Windverhältnisse durcheinander. Die mögliche Folge für Kalifornien: ein ähnlich schlimmer oder noch heftigerer Winter mit sintflutartigen Niederschlägen als 1997/1998, dem letzten „El Nino“-Rekordwinter. Damals kamen 17 Menschen ums Leben, einige ertranken in ihren von Wassermassen mitgerissen Autos. Andere wurde nach Erdrutschen von Schlamm und Geröll in ihren Häusern begraben. Der Sachschaden durch Überflutungen und Stürme wurde mit einer halben Milliarde Dollar beziffert.

Vier Millionen Hektar Land verbrannt

Frühestens im Dezember rechnen die Meteorologen mit den ersten schweren Unwettern, doch schon jetzt wird vor dem „Godzilla“- und dem „Super-El-Nino“ gewarnt. „Wir benutzen solche netten Adjektive nicht, aber wir sind sehr besorgt, dass es ein sehr starkes Phänomen geben wird“, sagt Boston.

Nach einem Dürrejahr mit ausgetrockneten und von schweren Waldbränden verkohlten Böden rüsten sich die Einsatzteams für weitere Katastrophen. Nach Angaben der Brandbehörde verbrannten in diesem Jahr in den USA über vier Millionen Hektar Land - fast doppelt so viel wie die durchschnittliche Fläche in den vergangenen zehn Jahren. In Kalifornien fraßen sich die Flammen durch weite Landstriche, die nun kahl und ohne schützende Vegetation den Niederschlägen ausgesetzt sind.

Regen sorgt für Verkehrschaos

Im dürregeplagten Kalifornien kann schon ein kleiner Sturm großes Chaos anrichten. Als die Ausläufer von Hurrikan „Linda“ Mitte September außerplanmäßig Regen nach Los Angeles brachten, kam an vielen Stellen prompt der Verkehr zum Erliegen. Die Feuerwehr twitterte über mehrere Rettungsaktionen in dem angeschwollenen Los Angeles River, der Menschen mitgerissen hatte.

Eine weitere Sorge macht sich bei der Wasserbehörde breit. Die Aussicht auf Regen könnte dazu führen, dass die Kalifornier den Wasserhahn wieder stärker aufdrehen. Gouverneur Jerry Brown hatte Wassersparen in diesem Jahr zur Pflicht gemacht. Städte und Gemeinden mussten ihren Wasserverbrauch um 25 Prozent reduzieren. Und tatsächlich folgten die Einwohner dem dringlichen Appell, vielerorts ging der Wasserkonsum drastisch zurück.

Ein nasses „El Nino“-Jahr könne vier Jahre Dürre nicht wettmachen, meint der staatliche Klimatologe Michael Anderson. Die Flüsse und Staubecken seien fast leer. Zudem könnte sich auch schnell wieder „La Nina“ (das Mädchen) einstellen. Das war 1998 der Fall, als dem Regenrekordwinter im Jahr darauf das trockene Gegenstück folgte. Eines ist jedenfalls gewiss: Kalifornien muss sich für weitere Wetterextreme wappnen.

Barbara Munker, dpa

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