Themenüberblick

Freier Eintritt für Flüchtlinge

Das Thema Digitalisierung ist durch - auf der Frankfurter Buchmesse werden wieder die Autoren und ihre Texte im Mittelpunkt stehen. Politik spielt dabei eine große Rolle, und zwar auch hinter den Kulissen. Das prägt auch die Beschäftigung mit dem heurigen Gastland Indonesien.

„Mehr Literatur, weniger Events.“ Die Buchmesse wolle sich wieder mehr um Inhalte kümmern, sagt Direktor Juergen Boos. Auf der weltgrößten Bücherschau, die am Dienstag eröffnet wird, sollen Autoren und Themen im Mittelpunkt stehen. Die Veranstalter rechnen bis zum 18. Oktober mit rund 300.000 Besuchern.

Boos verspricht „die politischste Messe seit Langem“. Flucht und Vertreibung, Meinungsfreiheit und Extremismus prägen viele der rund 4.000 Veranstaltungen - so zum Beispiel das Diskussionsformat „Weltempfang“ und das Autorenforum „Frankfurt undercover“. Flüchtlinge haben freien Eintritt. Die Messe reservierte für sie an den Besuchertagen kostenlose Tickets, mit muttersprachlichen „Paten“ sollen sie durch die Messe geführt werden.

Rushdie-Auftritt als Zeichen

Ein Zeichen setzt die Messe auch mit dem Auftritt von Salman Rushdie, der am Dienstag auf der Eröffnungspressekonferenz sprechen soll. Der Autor war 1989 mit einer Fatwa belegt worden, weil sein Roman „Die satanischen Verse“ als Kritik am Propheten Mohammed empfunden worden war. Der Iran sagte wegen Rushdie seine Teilnahme an der Messe ab.

Knapp 7.200 Aussteller meldeten sich in diesem Jahr an, etwa so viele wie im Vorjahr. Außerdem sind Verlage aus Krisengebieten darunter, auch aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Osteuropa ist so stark vertreten wie seit Langem nicht mehr. Mehr Verlage kommen dieses Jahr aus Lateinamerika und Südostasien. "Die Messe wird immer internationaler", sagt Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne. Inzwischen ist das Verhältnis 34 zu 66 Prozent zugunsten des Auslands.

Ehrengast Indonesien

Ehrengast bei der heurigen Buchmesse ist Indonesien - „ein spannendes Land mit spannender Literatur“, wie Boos findet. Mehr als 100 Bücher aus Indonesien erscheinen in diesem Jahr auf dem deutschen Buchmarkt. 70 Autoren wollen nach Frankfurt reisen, 500 Veranstaltungen sind geplant.

Auf dem Messegelände gab es ein großes Sesselrücken. Die abseits gelegene Halle 8, in der bisher die englischsprachigen Verlage untergebracht wurden, wird aufgegeben. Die Aussteller ziehen in zwei neue Ebenen der Halle 6 und mischen sich ansonsten - je nach thematischer Ausrichtung - unter die anderen Verlage. US-Kinderbuch-Verlage findet man zum Beispiel künftig in Halle 3 bei den anderen Kinderbüchern.

Es wird (noch) enger

Damit sei die Gesamtfläche der Messe zwar kleiner, man habe aber mehr Ausstellungsfläche verkauft, so Boos. Es wird also enger. Die Verlage neu zu arrangieren sei nicht einfach gewesen, lässt Boos durchblicken: „Wir haben elf Monate lang Domino gespielt.“ Er habe sogar in einigen Länderministerien vorstellig werden müssen, um zu begründen, warum das eine Land eine Ebene über dem anderen angesiedelt wird: „Alle wollen oben sein.“

Das Thema Digitalisierung sei für Verlage und Buchhändler „durch“, sagt Boos weiter. E-Books, Marketing in Sozialen Medien - all das sei inzwischen Realität in deutschen Verlagen und Buchhandlungen. Anbieter für technische Lösungen haben inzwischen einen Stammplatz auf der Messe. Als „Spielwiese“ für Netzwerker, Blogger und die mediale Avantgarde wird ein neuer „Orbanism-Space“ eingerichtet. Der Neologismus „Orbanism“ setzt sich zusammen aus „orbis“ und „urbanism“ und soll das ins „entgrenzte Internet übertragene Urbane mit den positiven Aspekten des Globalen“ verbinden.

Häkelbücher als Bestseller

Nach den Manga- und Comic-Fans versucht die Messe diesmal, eine neue Community an sich zu binden: Früher hätte man Heimwerker und Handarbeiter gesagt, heute heißt das „Crafter“. In Zusammenarbeit mit der Onlineplattform DaWanda möchte die Messe Kunsthandwerkern ein Forum bieten. Böhne erklärt, was das mit dem Lesen zu tun hat: Ihre Produkte würden über Blogger bekannt, die Crafter in der Folge oft zu erfolgreichen Sachbuchautoren: „Häkelbücher werden zu Bestsellern.“

Auch wenn die Devise „mehr Inhalt, weniger Show“ lautet, medienwirksame Events gehören einfach dazu. So kündigte das Presseteam der Buchmesse einen Weltrekordversuch im Bücherdomino an: 10.000 Bücher sollen dabei nacheinander fallen. Wer anstupst, ist noch nicht entschieden.

Sandra Trauner, dpa

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