Sexuelle Aufklärung als Politikum

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Seit diesem Herbst gilt an Österreichs Schulen ein neuer „Grundsatzerlass zur Sexualpädagogik“. Doch wie er tatsächlich umgesetzt werden soll, darüber herrscht Uneinigkeit.

Die FPÖ warnt, dass frühe Sexualaufklärung Kinder zu „Opfern von Pädophilen" mache, während SPÖ und Grüne sagen, dass Kinder bereits mit Schuleintritt ein „Recht auf sexuelle Aufklärung“ hätten.

Veränderte Lebensrealität

Kinder werden heutzutage sehr früh mit Sexualität konfrontiert. Was der Nachwuchs im Internet und im Freundeskreis so alles mitbekommt, ist schwer kontrollierbar. Es sind andere Lebensrealitäten als noch vor ein paar Jahrzehnten. Genau dort setzt der überarbeitete Grundsatzerlass des Bildungsministeriums an.

In der Schule soll ein positiver Zugang zur Sexualität gelegt werden, es soll Körperkompetenz vermittelt und Kinder unterstützt werden, Pornografie und Ähnliches besser einordnen zu können - ein Ziel, das nicht von allen Seiten goutiert wird.

Grabenkämpfe zwischen Staat und Privat

Ob eine Gesellschaft flächendeckend entscheiden soll, wie und wann Kinder in Schulen sexuell aufgeklärt werden oder ob Aufklärung Privatsache der Eltern ist, darüber sind sich die Parteien uneinig. Am schärfsten kritisiert wird die frühe sexuelle Aufklärung von katholischen Elternverbänden und von der FPÖ.

Deren Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein wehrt sich gegen „Aufklärungswut“ in Kindergärten und Schulen. „Das kann nicht Aufgabe der Schule sein, weil die Übersexualisierung die Kinder psychisch überlastet“, sagte sie in einem Interview mit dem „ZIB Magazin“: „Kinder werden so auch leichter zu Opfern von Pädophilen, weil es für sie schon zur Normalität wird.“ Auch die ÖVP sieht Sexualerziehung als eine kontinuierliche Erziehungsaufgabe, in der Eltern die zentrale Rolle spielen.

Sexualkunde mit geschultem externem Personal

Für die SPÖ liegt die Verantwortung für sexuelle Aufklärung in erster Linie in der Schule. Sie fordert einen „Aufklärungsunterricht neu“, und zwar verpflichtend mit geschultem externem Personal: „Nur damit kann garantiert werden, dass Jugendliche besonnener mit ihrer Sexualität umgehen und Schwangerschaftsabbrüche erst gar nicht notwendig werden.“

Auch die Grünen sprechen vom Recht der Kinder, umfassend aufgeklärt zu werden. „Wenn Eltern dies leisten, ist das natürlich sehr gut, je früher, je unverkrampfter, desto besser“, hieß es von den Grünen gegenüber dem „ZIB Magazin“: „Die Schule hat auf jeden Fall die Aufgabe sicherzustellen, dass Kinder umfassend informiert und eventuelle Wissensdefizite ausgeglichen werden.“

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