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Keine genauen Zahlen über Neuankünfte

Der Großteil der über die Balkan-Route kommenden Flüchtlinge erreicht weiterhin über den südsteirischen Grenzübergang Spielfeld Österreich. Am Mittwoch kam es dort zu chaotischen Szenen. Auch am Abend blieb laut Rotem Kreuz die Lage „schon sehr aufgeheizt“.

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Gegen Mittag hatten sich mehr als 1.500 Menschen selbstständig zu Fuß auf den Weg Richtung Norden gemacht. Laut Polizei ist ein Großteil zurückgekehrt, der Rest je nach Schritttempo bisher bis Leibnitz oder weiter gekommen.

Flüchtlinge in Spielfeld

APA/Erwin Scheriau

Rund 1.500 Menschen verließen am Mittwoch auf eigene Faust Spielfeld

Klaus Steinwendter, Rot-Kreuz-Einsatzleiter in der Sammelstelle in Spielfeld, bezeichnete die Situation am Abend als „nicht mehr weit von einem neuerlichen Durchbruch der Flüchtlinge entfernt“. Die Stimmung sei „schon sehr aufgeheizt“, so Steinwendter weiter. Viele warten schon Stunden auf Busse, die sie in Notquartiere und Richtung Deutschland weiterbringen.

Fehlinformation Grund für Aufbruch?

Wohl aus diesem Grund verloren gegen Mittag auch Hunderte Flüchtlinge die Geduld und brachen durch eine Absperrung. Eine mögliche falsche Information könnte dazu geführt haben, dass schließlich rund 1.500 Flüchtlinge zu Fuß offenbar Richtung Deutschland gehen wollten: Manche Migranten dachten offenbar, dass die deutsche Grenze nicht mehr weit entfernt ist, schilderte Polizeisprecher Fritz Grundnig.

Als sie nach einigen Kilometern merkten, dass es noch Hunderte Kilometer bis zur Staatsgrenze sind, kehrten viele wieder um. Daher kamen am Nachmittag sowohl von Norden als auch von Süden kommend Menschen in der Sammelstelle an - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Flüchtlinge in Spielfeld

AFP/Jure Makovec

Die Sammelstelle am Grenzübergang Spielfeld

Rund 3.000 Flüchtlinge in Spielfeld

Wie viele Menschen bis Mittwochabend insgesamt über die Grenze aus Slowenien gekommen waren, ließ sich wegen der ungeordneten Verhältnisse schwer schätzen. Gegen 10.00 Uhr waren jedenfalls etwa 2.000 auf einmal gekommen und hatten die Einsatzkräfte bereits an die Grenze des Machbaren gebracht. Am Abend trafen immer wieder weitere Menschen in kleineren Gruppen bei der Sammelstelle ein.

Rund 3.000 Flüchtlinge mussten am Abend von den Helfern betreut und versorgt werden. Zwei weitere beheizbare Großzelte sollen am Donnerstag fertig werden, womit dann zumindest 2.400 Menschen ein provisorisches Dach an der Sammelstelle über dem Kopf haben, erklärten die Einsatzkräfte.

Laut Steinwendter gibt es bei der Versorgung der Flüchtlinge mit Essen und Getränken bisher keine Engpässe, doch eine Kleiderspendenausgabe sei derzeit nicht auch noch bewältigbar - „vielleicht mit den neuen Zelten und weiteren Leuten“.

Kontrolle kaum zu bewältigen

Schon am Montag passierten insgesamt mehr als 4.000 Flüchtlinge die Grenze. Am Dienstag war es dann in der Sammelstelle in Spielfeld den ganzen Tag über eher ruhig, doch am späten Nachmittag standen laut Polizeisprecher Wolfgang Braunsar plötzlich und „relativ massiv“ etwa 4.000 Leute vor den Barrieren. Die Nacht über wurden die Flüchtlinge von Bussen abgeholt und auf Quartiere in ganz Österreich verteilt. Angesichts der Tausenden Neuankömmlinge am Mittwoch sei die Einreisekontrolle und Registrierung nur schwer bewältigbar, so die Polizei.

Flüchtlinge im Sammelzentrum an der Slowenisch-Österreichischen Grenze im Gebiet von Spielfeld

APA/Erwin Scheriau

Rund 2.000 Flüchtlinge erreichten am Mittwochvormittag Spielfeld

Auch in der Nacht waren viele Notquartiere überfüllt. 4.300 Flüchtlinge wurden in der Nacht auf Mittwoch in Notquartieren in der Steiermark betreut, weitere 2.400 waren an Sammelstellen und in Transitzonen, gab der Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, Gerry Foitik, am Mittwoch bekannt: „Dadurch, dass gestern Abend etwas überraschend 4.000 Personen den Weg an die slowenisch-österreichische Grenze in Spielfeld genommen haben, war das Schwergewicht in der Steiermark, wo alle Unterkünfte überfüllt waren und etwa 1.400 Personen die Nacht in Zelten an der Grenze verbringen mussten.“

Slowenien will zweiten Transitort

Um die Situation in Sentilj in Slowenien an der Grenze zu Spielfeld zu entlasten, will Slowenien unterdessen einen weiteren Transitort an der Grenze zu Österreich festlegen. Neben der Steiermark, wo die Flüchtlinge derzeit vor allem in Spielfeld, vereinzelt auch in Bad Radkersburg ankommen, grenzt Slowenien auch an Kärnten und das Burgenland.

Eine Grafik zeigt Flüchtlingsunterkünfte und Aufnahmezentren in Slowenien

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

In der an das Burgenland angrenzenden slowenischen Region Prekmurje befindet sich bereits jetzt eine Flüchtlingsunterkunft in Lendava mit einer Aufnahmekapazität für rund 600 Menschen. Neben Sentilj gilt das Zeltlager Brezice im Südosten Sloweniens als zweiter Brennpunkt. Brezice wurde bei einem Brand am Mittwoch zu einem großen Teil zerstört.

An der slowenischen Grenze zu Kärnten wurden am Dienstag 150 Flüchtlinge zurückgewiesen. „Es handelte sich um eine Zurückweisung der österreichischen Polizei, die von der slowenischen Polizei in Jesenice durchgeführt wurde“, sagte Polizeisprecher Rainer Dionisio am Mittwoch - mehr dazu in kaernten.ORF.at. Solche Zurückweisungen gebe es immer wieder, sie erfolgten im Rahmen der Grenzkontrollen.

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