EZB-Chefvolkswirt: Keine Tabus bei Mitteln für mehr Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich bei der Wahl ihrer geldpolitischen Instrumente zur Ankurbelung der nach ihrer Sicht gefährlich niedrigen Inflation nicht einschränken. „Es gibt keine Tabus“, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview.

Dabei verwies Praet unter anderem auf das seit März laufende Anleihekaufprogramm der EZB. Es gebe ein zunehmendes Risiko, dass die Teuerung im Währungsraum nicht bis 2017 wie ursprünglich prognostiziert zu einem Niveau zurückkehre, das für ein gesundes Wirtschaftswachstum sinnvoll sei.

Der Zeitrahmen, um das Inflationsziel zu erreichen, sei erneut in Gefahr, sagte Praet der Agentur. „Wir werden das im Dezember bewerten, vor allem im Lichte der neuen makroökonomischen Prognosen des Stabs“, sagte Praet. EZB-Präsident Mario Draghi hatte vergangenen Woche die Tür für eine Ausweitung des aktuell auf 1,14 Billionen Euro angelegten Anleihekaufprogramms weit geöffnet, sollte das erforderlich werden.

Bisher geringe Effekte

Mit der Geldflut will die EZB erreichen, dass Anleihen für Banken unattraktiv werden. Sie sollen stattdessen mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben, was die Konjunktur und die Inflation anschieben würde.

Doch bisher war der Effekt auf die Teuerung gering, denn die Preise fielen in der Euro-Zone im September sogar um 0,1 Prozent. Die EZB strebt aber als idealen Wert für die Wirtschaftsentwicklung mittelfristig eine Steigerung von knapp unter zwei Prozent an.