Kerry zu Syrien-Konferenz in Wien eingetroffen

Schon heute Vormittag ist US-Außenminister John Kerry auf dem Flughafen Wien-Schwechat eingetroffen. Kerry soll am Abend mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zu Gesprächen über die Lage in Syrien zusammentreffen. Morgen beginnt dann eine Konferenz zur Lage in dem Bürgerkriegsland, bei der unter Staaten der Region erstmals auch der Iran vertreten ist.

US-Außenminister steigt aus Flugzeug am Flughafen Wien-Schwechat aus

APA/AFP/Brendan Smialowski

Kerry und Lawrow wollen unter anderen mit ihrem türkischen Kollegen Feridun Sinirlioglu und Saudi-Arabiens Ressortchef Adel al-Dschubair erneut über einen möglichen Ausweg aus dem Bürgerkrieg sprechen. Morgen soll neben dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier erstmals auch der iranische Chefdiplomat Mohammed Dschawad Sarif mit am Tisch sitzen. Moskau und Teheran unterstützen die syrische Staatsführung. Die USA drängen hingegen auf eine Ablösung von Assad.

„Weg aus der Hölle finden“

Vor seinem Abflug nach Wien warb Kerry für einen zweigleisigen Ansatz. Einerseits müsse es um die Bekämpfung des Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehen, andererseits um eine politische Lösung ohne den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. „Die Herausforderung, vor der wir in Syrien stehen, ist, einen Weg aus der Hölle zu finden“, sagte Kerry. Er traf am Vormittag in Wien ein.

Teilnahme Chinas möglich

In diplomatischen Kreisen hieß es, auch China habe seine Beteiligung zugesagt. Außerdem werde der Oman seine Spitzendiplomaten zum Gipfel entsenden. Dem Golfstaat kommt nach Einschätzung von Politikexperten eine bedeutende Vermittlerrolle beim Versuch zu, den Bürgerkrieg in Syrien mit seinen bisher 250.000 Toten und den Millionen an Flüchtlingen einzudämmen oder gar zu beenden.

Peking bietet Hilfe an

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang drängte auf eine rasche politische Lösung der Syrien-Krise - möglichst im Rahmen der Vereinten Nationen. Nach einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking zeigte sich Li zugleich besorgt über die Flüchtlingssituation in der Region und bot die Hilfe Chinas an. „Wir müssen uns für Stabilität in der Region einsetzen“, sagte Li.

NGO-Kritik an Angriffen auf Spitäler

Bei Luftangriffen in Syrien wurden nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Medecins sans Frontieres, MSF) seit Ende September mindestens 35 Syrer getötet. 72 weitere seien bei den Bombardements verletzt worden, die in den vergangenen Wochen „deutlich zugenommen“ hätten, so MSF heute. Getroffen worden seien zwölf Krankenhäuser in den Provinzen Idlib, Aleppo und Hama. Sechs der Krankenhäuser werden von MSF unterstützt.

Insgesamt seien sechs Kliniken gezwungen gewesen, den Betrieb einzustellen, hieß es weiter. Vier Krankenwagen seien zerstört worden. Wegen der Angriffe hätten Zehntausende Menschen ihre Häuser verlassen müssen, sagte MSF. Er sei entsetzt darüber, „wie leicht sich alle Parteien in diesem Konflikt über internationales humanitäres Recht hinwegsetzen“, sagte der MSF-Chef für Syrien, Sylvain Groulx.