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„Schwerer Schock für französische Bahn“

Mindestens elf Tote und 37 Verletzte hat das Unglück des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV bei einer Testfahrt im Osten Frankreichs laut Angaben der Ermittler vom Sonntag gefordert. Die Opferbilanz dürfte jedoch noch steigen, denn fünf Menschen werden noch vermisst. Zudem dürften sich eine unbekannte Zahl von Personen, darunter Kinder, ohne Genehmigung an Bord befunden haben.

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„Zur gegenwärtigen Stunde ist der Unfall unerklärt. Niemand ist imstande, die Gründe für die Entgleisung zu untermauern“, betonte Frankreichs Bahnchef Guillaume Pepy am Sonntag in Paris und widersprach damit auch Aussagen von Behördenvertretern aus dem Elsass, wo sich das Unglück ereignet hatte, wonach weit überhöhte Geschwindigkeit der Grund für den Unfall war. Dass der Zug schneller als erlaubt unterwegs war, wird indes nicht geleugnet.

Rätselraten über unbekannte Passagiere

Der Zug war am Samstag bei einer Testfahrt auf der neuen Hochgeschwindigkeitsverbindung Paris - Straßburg entgleist, die im April eröffnet hätte werden sollen. Nach dem Unfall wurde die Eröffnung jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. Zwei Triebwagen und sechs Waggons stürzten bei dem Ort Eckwersheim von einer Brücke in den Rhein-Marne-Kanal. Der Zug soll zu diesem Zeitpunkt mit mehr als 350 km/h unterwegs gewesen sein.

Verunglückter TGV

Reuters/Vincent Kessler

Die Bergearbeiten dauerten am Sonntag an

Pepy musste am Sonntag aber vor allem Fragen nach den offenbar offiziell nicht genehmigten Fahrgästen beantworten. Er bestätigte, dass nur 49 ausgewählte Techniker an Bord hätten sein dürfen. Die Mitnahme anderer Passagiere auf Testfahrten hätte einzeln vorab genehmigt werden müssen, betätigte er außerdem. Offenbar waren nicht nur Kinder, sondern auch Babys an Bord. Eine Leiche eines Kleinkindes soll unter dem Wrack eines der beiden Triebwagen gesichtet worden sein.

„Ein Testzug ist ein Testzug“

Wegen der offenbar unerlaubten Mitnahme von Fahrgästen unbekannter Zahl und Identität sehen auch die Ermittler die Opferzahl als bisher nur vorläufig an. Pepy betonte, die französische Bahn werde „für alle Opfer gleichermaßen die Verantwortung übernehmen“, ob deren Anwesenheit an Bord nun genehmigt worden sei oder nicht. Er nannte den Unfall „beispiellos“ und einen „schweren Schock für die französische Bahn“.

Verunglückter TGV

Reuters/Vincent Kessler

Noch immer liegen Teile des Zuges im Rhein-Marne-Kanal

Es sei das erste tödliche Unglück mit einem TGV, seit die Schnellzüge 1981 ihren Dienst aufnahmen, so Pepy. Der Bahnchef betonte, dass sich ein solcher Unfall im Normalbetrieb nicht ereignen könne - es gebe automatische Sicherheitssysteme, die bei Testfahrten nicht aktiv seien. „Wir sind da noch nicht in einer touristischen Phase oder in einer amikalen Phase“, so Pepy schon tags zuvor, „ein Testzug ist ein Testzug“.

Attentat noch nicht ausgeschlossen

Nach ersten Angaben über überhöhte Geschwindigkeit als Unfallursache revidierte die Staatsanwaltschaft Straßburg am Sonntag ihre Aussagen. Deren Vertreter Alexandre Chevrier erklärte, „alle Hypothesen zum Unfallhergang“ würden derzeit untersucht, jene „eines kriminellen Aktes oder eines Attentats“ seien dabei zwar nicht „vordringlich, aber in diesem Stadium nicht ausgeschlossen. Man kann nicht vorsichtig genug sein.“

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