Bildungsreform: Experte fürchtet „De-facto-Verländerung“

Bei den geplanten neuen Zuständigkeiten für die Schulverwaltung zwischen Bund und Ländern sieht der Bildungsforscher Lorenz Lassnigg vom Institut für Höhere Studien (IHS) lediglich „eine Vereinfachung am Papier - de facto ist es aber eine Verländerung“. Insgesamt könnte alles auf unterschiedliche Schulsysteme hinauslaufen.

„Die Politik entscheidet sich im Vollzug - und der liegt bei den Ländern“, so Lassnigg gegenüber der APA. Die geplanten Bildungsdirektionen mit ihren Leitern, den Bildungsdirektoren, sieht der Forscher folglich „in einer vollkommenen Sandwichposition zwischen dem Landeshauptmann und dem Bund“. Er gehe davon aus, dass es die Konfliktlinien zwischen den verschiedenen Akteuren weiter geben wird.

„Geschlossenes System auf Länderebene“

Organisatorisch tragen die geplanten neuen Bund-Länder-Behörden dazu bei, das System zu entwirren, „aber es ist in der falschen Richtung vereinheitlicht. Meiner Meinung nach schafft das ein geschlossenes System auf Länderebene“, sagte der Bildungsforscher, der aber einen klaren Vorteil darin sieht, dass die Personalverrechnung offenbar beim Bund konzentriert werde.

Das sei ein entscheidender Schritt in Richtung Transparenz. Insgesamt werde offenbar keine der vier Ebenen (Bund, Länder, Gemeinden und die Schulen selbst), die in die Schulverwaltung eingebunden sind, tatsächlich eliminiert.

Kritiker orten mutlosen Mittelweg

Während der Großteil der Opposition kaum ein gutes Haar an der gestern präsentierten Bildungsreform lässt, deuten selbst grundsätzlich positiv gestimmte Beobachter an, dass noch mehr gegangen wäre. So wird die Reform der Schulverwaltung mehrmals als „Türschildertausch“ bezeichnet, auch bei der Regelung zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen gehen die Wogen hoch.

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