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Seit 2012 am Pariser Odeon-Theater

Luc Bondy, langjähriger Chef der Wiener Festwochen, ist tot. Der Theaterregisseur, Intendant und Autor starb im Alter von 67 Jahren, wie das Pariser Odeon-Theater am Samstag mitteilte. Bondy hatte seit einiger Zeit mit einer schweren Erkrankung zu kämpfen.

Bondy hatte ab den 1980er Jahren unter anderem an der Berliner Schaubühne, deren Leitungsteam er von 1985 bis 1987 angehörte, prägende Inszenierungen geschaffen und war seit 1997 den Wiener Festwochen fest verbunden - zunächst als Schauspieldirektor und ab 2001 als Intendant. Als „internationaler Theaterzauberer“ und „Weltregisseur“ hatte die damalige Kulturstadträtin Ursula Pasterk (SPÖ) Bondy einst nach Wien geholt.

Verstorbener Festwochen-Intendant Luc Bondy anlässlich der PK "Wiener Festwochen 2012"

APA/Helmut Fohringer

Bondy prägte über ein Jahrzehnt die Wiener Festwochen

2013 verließ Bondy Wien mit einem Goldenen Ehrenzeichen in Richtung Paris, wo er bis zuletzt das Odeon-Theater leitete. Er erhielt im selben Jahr den Nestroy-Preis für sein Lebenswerk. Bondy hatte 2012 Olivier Py an der Spitze des Theaters mit dem Wunsch abgelöst, ein „europäisches, zukunftsorientiertes Theater“ zu präsentieren. Bondy war seit längerer Zeit krank, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Er musste kürzlich eine für Jänner geplante „Othello“-Inszenierung aus gesundheitlichen Gründen verschieben.

Österreichisch-ungarische Wurzeln

Bondy wurde am 17. Juli 1948 in Zürich als Sohn des österreichisch-ungarischen Publizisten und Essayisten Francois Bondy und einer jüdisch-deutschen Mutter geboren. „Die Wurzeln der Bäume gehen tief unten noch in die k. u. k. Erde hinein, und ein Teil von mir fühlt sich austroungarisch“, so der Theatermann einmal über seine Verbundenheit mit Österreich. Als prägend erwies sich auch sein Aufwachsen in einem südfranzösischen Kinderheim, obgleich er dieses noch vor dem Schulabschluss verließ.

Erfolge von Deutschland bis Frankreich

Er absolvierte die Pariser Pantomimenschule von Jacques Lecoq und wurde 1969 Regieassistent am Hamburger Thalia Theater. 1971 zeigte er in Göttingen seine erste eigene Inszenierung, 1973 gelang ihm mit Bonds „Die See“ am Residenztheater München der Durchbruch. Er erhielt die erste Einladung zum Berliner Theatertreffen - zwölf weitere folgten und bescherten ihm hinter Peter Zadek, Peter Stein, Claus Peymann und Christoph Marthaler Platz fünf (ex aequo mit Jürgen Gosch) im Ranking der eingeladenen Regisseure. Mitte der 70er Jahre arbeitete er als Hausregisseur in Frankfurt, inszenierte unter anderem in Berlin und Köln und machte mit „Wozzeck“ und „Lulu“ von Alban Berg in Hamburg seine ersten Opernregien.

Verstorbener Festwochen-Intendant Luc Bondy, Preisträger in der Kategorie "Lebenswerk" anlässlich der Verleihung des Wiener Theaterpreises "NESTROY 2013"

APA/Herbert Neubauer

1984 wurde seine erste Regie in Frankreich, Arthur Schnitzlers „Das weite Land“ in Nanterre, ein großer Erfolg. Von 1985 bis 1988 gehörte Bondy dem Direktorium der Berliner Schaubühne an. Er inszenierte etwa die Uraufführungen der Botho-Strauß-Dramen „Die Zeit und das Zimmer“ (Berlin, 1989) und „Das Gleichgewicht“ (Salzburger Festspiele, 1993) und initiierte zuletzt die gefeierte Aufführung von dessen Stück „Groß und klein“ mit Cate Blanchett in der Hauptrolle. Auch der Autorin Yasmina Reza war er sehr zugetan: Die Uraufführung ihres Stückes „Drei Mal Leben“ 2000 im Akademietheater wurde einer der größten Erfolge. „Ein spanisches Stück“ kam in seiner Regie 2004 am Theatre de la Madeleine in Paris zur Uraufführung.

Bondy prägte Wiener Festwochen jahrelang

Seine Funktion als Festwochen-Intendant ermöglichte es Bondy immer wieder, auch als Koproduzent eigener Inszenierungen auftreten zu können - für die einen eine schöne Möglichkeit, auch seine internationalen Inszenierungen regelmäßig in Wien zu sehen, für die anderen eine Vernachlässigung der Intendantenarbeit zugunsten des Regisseurs.

Verstorbener Festwochen-Intendant Luc Bondy und Regisseur Christoph Schlingensief

Reuters

Gemeinsam mit Christoph Schlingensief sorgte Bondy mit der Containeraktion „Bitte liebt Österreich“ für große Aufregung

So kamen etwa Koproduktionen wie Ionescos Klassiker „Les Chaises“, „Sweet Nothings“ nach Schnitzlers „Liebelei“ und Jean Genets „Die Zofen“ nach Wien. Die Containeraktion „Bitte liebt Österreich“ von Christoph Schlingensief sorgte im Jahr 2000 zur Zeit der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung für einen der größten Festwochen-Aufreger. Bondys Festwochen-Vertrag wurde dreimal verlängert.

Die Oper verlor er nicht aus den Augen: 2009 inszenierte er am Theater an der Wien Philippe Boesmans „Princesse de Bourgogne“, das Libretto nach dem Gombrowicz-Stück hatte Bondy mit seiner Frau Marie-Louise Bischofberger, mit der er die Zwillinge Eloise und Emmanuel hat, verfasst. Von Buhrufen begleitet war seine im selben Jahr an der Metropolitan Oper herausgebrachte Inszenierung von Puccinis „Tosca“.

Filme und Bücher im Repertoire

Richtig zufrieden haben den Regiemeister seine großen Erfolge nicht gemacht, wie er bei seinem Festwochen-Abschied beteuerte: „Ich bin froh, zufrieden werde ich nie sein. Dazu macht mich die nahe Zukunft immer zu nervös.“ Im „Spiegel“ meinte er einmal: „Ich hasse Inszenierungen von Leuten, die in jeder Sekunde ihre Fantasie beweisen müssen.“ Bondy drehte auch Filme (etwa „Die Ortliebschen Frauen“ und Schnitzlers „Das weite Land“) und veröffentlichte Bücher (unter anderem „Meine Dibbuks“ 2005 und „Am Fenster“, 2009).

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