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Entscheidungen „für mehrere Jahrzehnte“

Mit hohen Erwartungen und eindringlichen Appellen hat in Le Bourget bei Paris die UNO-Klimakonferenz begonnen. Zum Auftakt des knapp zweiwöchigen Treffens kamen am Montag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen über 150 Staats- und Regierungschefs - insgesamt sind 190 Länder vertreten - zusammen. Seit Dienstag tagen in den unterschiedlichen Runden Beamte und weitere Vertreter der Länder, um ein gemeinsames Abkommen zu erreichen.

„Nie zuvor stand bei einem internationalen Treffen so viel auf dem Spiel, denn es geht um die Zukunft des Planeten, die Zukunft des Lebens“, sagte der französische Präsident Francois Hollande in seiner Eröffnungsrede. In den kommenden Tagen würden Entscheidungen „für mehrere Jahrzehnte“ getroffen. Den Delegierten rief Hollande zu: „Auf Ihren Schultern ruhen die Hoffnungen der gesamten Menschheit.“

Faymann und Rupprechter optimistisch

US-Präsident Barack Obama mahnte, alle Beteiligten müssten jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, „solange es noch nicht zu spät ist“. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte: „Milliarden Menschen setzen ihre Hoffnung auf die nächsten Tage in Paris. Lassen Sie uns alles tun, damit wir sie nicht enttäuschen.“

Für Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) ist die Pariser Konferenz eine „einzigartige Chance, ein auf internationaler Solidarität beruhendes Übereinkommen zu erzielen“. „Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung, die globale Antworten erfordert“, sagte Faymann. Optimistisch zeigte sich auch Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP): „Paris darf nicht, Paris kann gar nicht scheitern“, sagte er. Für ein Scheitern sei Paris zu gut vorverhandelt worden, fast alle Teilnehmerstaaten hätten Senkungen des Treibhausgasausstoßes zugesagt.

Merkel macht Druck

Ziel der Beratungen ist ein international verbindliches Klimaschutzabkommen. Der Klimawandel soll aufgehalten und die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. Delegierte aus Inselstaaten und anderen Länder mahnten allerdings, eigentlich sei eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 statt auf zwei Grad nötig. Auch Merkel sagte, das Zweigradziel sei „notwendig“, aber nicht „ausreichend“.

Merkel wies zudem darauf hin, dass die bisher von mehr als 180 Staaten zugesagten Beiträge zum Klimaschutz nicht einmal für das Zweigradziel ausreichten. Deutschland trete daher dafür ein, die Beiträge alle fünf Jahre zu überprüfen. Damit könne bereits 2020 begonnen werden. Zu diesem Zeitpunkt soll das geplante Abkommen in Kraft treten. Noch in diesem Jahrhundert muss Merkel zufolge eine „weitgehende Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaften“ erreicht werden, also ein umfassender Verzicht auf fossile Energieträger.

Papst: Am Rande des Selbstmords

Um Investitionen in umweltfreundliche Technologien zu fördern, brachten Obama, Hollande und der Microsoft-Mitgründer Bill Gates die „Mission Innovation“ auf den Weg. In dieser Initiative verpflichten sich 20 Länder, ihre Investitionen in die Entwicklung sauberer Technologien in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln - darunter Saudi-Arabien, Indien, China, Indonesien und Brasilien. Papst Franziskus sagte während seines Rückflugs nach Rom nach Abschluss seiner Afrikareise, die Welt befinde sich „am Rande des Selbstmords“. In der Klimafrage müsse dringend gehandelt werden - „jetzt oder nie“.

Die UNO-Klimakonferenz findet unter dem Eindruck der Anschläge in Paris vom 13. November mit 130 Toten statt, zu denen sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte. Tausende Polizisten schützen das hermetisch abgeriegelte Konferenzgelände. Die Konferenzteilnehmer gedachten der Anschlagsopfer zu Beginn mit einer Schweigeminute.

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