Hickhack wegen Geschlechtertrennung bei AMS-Kursen

AMS-Chef Johannes Kopf hat die von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) kritisierte Geschlechtertrennung von Flüchtlingen in Kompetenzcheck-Kursen des Arbeitsmarktservice (AMS) verteidigt.

Frauen müssten spezifisch gefördert werden, sagte er im Ö1-Mittagsjournal. Scharfe Kritik an dem Vorgehen kam von FPÖ und ÖVP. SPÖ und Grüne wiederum kritisierten Kurz für dessen Aussagen.

Dass die Geschlechtertrennung ein Entgegenkommen an kulturelle Bedürfnisse von Flüchtlingen sei, bestritt Kopf deutlich: „Es gab keinen einzigen Fall, wo sich ein Kunde beschwert hätte, er ginge nicht in einen Kurs, weil dort eine Frau drinnen sitzt“, sagte er.

Scharfe Kritik von ÖVP und FPÖ

Scharfe Kritik an den getrennten AMS-Kursen übten ÖVP und FPÖ. ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald sagte in einer Aussendung, es müsse Ziel sein, „unsere österreichischen Werte ab der ersten Minute zu vermitteln und auch einzufordern“. ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel sprach von einem „Verrat unserer Grundwerte“.

Auch die FPÖ stellte sich strikt gegen getrennte Kurse: Die SPÖ stelle „zutiefst antiquierte Werte“ vor die aktuellen europäischen Werte und gebe dadurch „wehrlos die Gleichbehandlung zwischen Mann und Frau auf“, meinte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl.

SPÖ und Grüne verstehen Aufregung nicht

Für SPÖ-Integrationssprecherin Nurten Yilmaz hingegen geht die Kritik der ÖVP an den Kompetenzchecks „völlig an der Sache vorbei“. Anstatt „gegen diese Kurse zu polemisieren, die auf die spezifische Situation von Frauen am Arbeitsmarkt eingehen, hätte Kurz nur bei seinem Integrationsfonds nachschauen müssen“ - auch dort würden manche Kurse nur für Frauen angeboten.

Ähnlich argumentierte die Integrationssprecherin der Grünen, Alev Korun: Auch sie verwies darauf, dass der Integrationsfonds auch „Schulungen für muslimische Frauen“ anbiete.

„Vollkommen sinnentleert“

Scharfe Kritik an Kurz übte auch NEOS-Menschenrechtssprecher Nikolaus Scherak: Dass der Integrationsminister die Kompetenzchecks des AMS mit der Vermittlung von Grundwerten verwechsle, zeuge davon, „dass er entweder schlecht informiert ist oder sich bewusst mit Unwahrheiten profilieren möchte“.

Als „vollkommen sinnentleert“ bezeichnete hingegen die Gleichbehandlungssprecherin des Teams Stronach (TS), Martina Schenk, die Geschlechtertrennung. Gleichstellung von Mann und Frau sei einer der „zentralen Werte unserer Gesellschaft“.