Malerin Soshana 88-jährig gestorben

Die Malerin Soshana ist vergangenen Mittwoch 88-jährig gestorben, wie ihr Sohn mitteilte. Das Leben der in Wien geborenen Susanne Schüller liest sich wie ein Reisetagebuch: Wien, Paris, London, Jerusalem, Havanna. Doch der Beginn ist alles andere als idyllisch - 1938 muss die Elfjährige mit ihrer jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten fliehen.

„Wenn ich male, vergesse ich alles rund um mich, ich werde eins mit der Leinwand, auf der ich meinen Schmerz - und was immer ich fühle - ausdrücke. Und dann fühle ich mich besser“, wird die Künstlerin in der Todesnachricht zitiert.

„Malen, auch ohne zu sehen“

Auch wenn der jüdischen Künstlerin in den vergangenen Jahren eine Augenkrankheit zusehends zu schaffen machte, ließ sie sich davon nicht unterkriegen. „Ich kann malen, auch ohne zu sehen“, sagte sie anlässlich einer Ausstellung in Wien im Jahr 2005.

Soshana fertigte mehr als 3.000 Bilder an, von den Porträts berühmter Kollegen und Intellektueller, die die Anfangszeit ihres Schaffens dominierten, bis zum deutlich abstrakteren und reduzierteren Spätwerk.

Emigration in die USA

Geboren wurde Soshana am 1. September 1927 in Wien. Nach der Emigration in die Vereinigten Staaten (nach Aufenthalten in Paris und London) bereiste sie das Land mit ihrem Lehrer und späterem Ehemann Beys Afroyim und porträtierte u. a. Thomas Mann, Arnold Schönberg, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel und Otto Klemperer.

Nach einer neuerlichen Rückkehr nach Wien in den 1950er Jahren, wo sie an der Hochschule für Angewandte Kunst sowie der Akademie der Bildenden Künste studierte, zog es Soshana nach Paris. Dort entwickelte sie eine Freundschaft zu Alberto Giacometti. 1953 traf sie auf Pablo Picasso, der sie kurze Zeit später porträtierte.

Weitgereiste Weltbürgerin

Durch Aufenthalte im asiatischen Raum hielten kalligrafische Züge in ihren Arbeiten Einzug, bei Reisen durch Afrika traf sie etwa auf Albert Schweitzer. Aber auch China, Mexiko und Südamerika zählten in dieser Zeit zu den Destinationen der Vielgereisten.

Anfang der 1970er Jahre lebte sie eine Zeit lang in Israel, Mitte der 1908er Jahr kehrte sich nach Wien zurück. 2009 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, im Jahr darauf das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.