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Kommando retour für Moranbong

Die nordkoreanische Girlband Moranbong hat überraschend ihre Auftritte in Peking abgesagt. Wie chinesische Medien am Samstag berichteten, kehrte die von Diktator Kim Jong Un angeblich selbst zusammengestellte Popgruppe nur Stunden vor dem ersten von drei Konzerten in der chinesischen Hauptstadt wieder nach Nordkorea zurück. Der Auftritt wäre vor allem auf diplomatischer Ebene bedeutsam gewesen.

Offizielle Angaben zu den Gründen für die kurzfristige Abreise gab es nicht. Seitens des Chinesischen Nationaltheaters hieß es lediglich, die Auftritte - drei vor geladenem Publikum waren geplant - fänden nicht statt. Die Bühnendekoration wurde währenddessen bereits abgebaut. In chinesischen Sozialen Netzwerken kursierten Fotos, auf denen die jungen Frauen in lange Mäntel und mit Pelzmützen bekleidet vor Pekings Flughafen aus einem Transporter steigen.

Abreise statt „Auftritt der Freundschaft“

Der nordkoreanische Staatschor, der auch im Rahmen der Moranbong-Konzerte auftreten hätte sollen, reiste ebenso unverrichteter Dinge ab - offenbar auch, ohne die chinesische Seite von ihren Plänen zu unterrichten. Die beide Ensembles brachen von der nordkoreanischen Botschaft in Peking zum Flughafen auf, wo sie um 16.00 Uhr Ortszeit an Bord einer nordkoreanischen Maschine in Richtung Pjöngjang aufbrachen.

Girlband Moranbong

Reuters

Moranbong bei der Abreise

Das geplante Konzert in Peking war von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA als „Auftritt der Freundschaft“ angekündigt worden. Es hätte die laufenden Gespräche zwischen China und Nordkorea als Geste im Zeichen einer Wiederannäherung beider Länder begleiten sollen. Seit der Machtübernahme Kims und dessen wiederholten erratischen politischen Alleingängen war das Verhältnis zwischen beiden Staaten merklich abgekühlt.

Zuvor kritischer chinesischer Kommentar

Im Internet wurde gemutmaßt, es handle sich um eine Reaktion auf eine Äußerung von Kim, der am Donnerstag gesagt hatte, sein Land sei bereit, „eine Wasserstoffbombe zu zünden, um seine Souveränität zu verteidigen“. In einem von der chinesischen Regierung zweifellos autorisierten Kommentar im Regierungsmedium „Global Times“ wurde das aber - wie andere Drohungen des stalinistischen Machthabers - als wenig glaubwürdig eingestuft.

Auch war in dem chinesischen Kommentar zu lesen, dass Nordkorea unter „erheblichem Druck“ von Südkorea und den USA stehe und dass die Probleme zwischen China und Nordkorea „nicht allein“ durch Druck von China gelöst werden könnten. Nordkoreas Diktator könnte das als unfreundliche Geste aufgefasst haben, wurde gemutmaßt. Andere spekulierten, die Abreiseorder für Moranbong habe weitaus merkwürdigere Gründe, nämlich Witzeleien über die doch recht verschrobene stalinistische Variante einer Girlband.

Raketen und verstaubte Synthie-Sounds

Seit der Gründung der Band im Jahr 2012 amüsieren sich Südkoreaner über die Imitation der im Süden äußerst populären „K-Pop“-Girlbands. Bei Moranbong bedeutet das eine recht bizarre Mischung aus patriotischen Gesängen und ein paar westlichen Schnulzen in angestaubt provinziellen Synthesizer-Arrangements. Die Bühnenshow besteht im Wesentlichen aus Filmprojektionen nordkoreanischer Rüstungstests und Ähnlichem, vermischt mit Filmaufnahmen von Kim.

Girlband Moranbong

AP/Charles Dharapak

Moranbong bei einem ihrer Auftritte

Der geplante erste Auslandsauftritt von Moranbong in Peking war für Südkoreaner ein willkommenes Ziel für Spott. Witzeleien über den Kulturschock, der Peking durch die Auftritte von Moranbong bevorstünde, fanden jedoch auch ihren Weg bis nach China, ebenso wie die seit Längerem bekannten Gerüchte über eine Affäre zwischen Kim und einer der Sängerinnen der Band. Der südkoreanische Nordkorea-Experte Yang Mu Dschin sah das als durchaus glaubhaften Grund für die Abreise der Band an.

Abreise zur Wahrung von Kims Würde?

Wie Yang gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärte, gebe es „wenig Dinge, die der Norden ernster nimmt als Angriffe auf die Würde ihres ‚obersten Führers‘“. Aus der Sicht Nordkoreas ist die Abreise der Band der schnellste Weg zur Unterdrückung von ungünstigen Berichten - das freilich um den Preis einer weiteren Brüskierung Pekings, das Nordkorea weiterhin in diplomatischer und wirtschaftlicher Sicht stützt.

Kim hatte sich seit seinem Amtsantritt im Jahr 2011 zusehends auf Kosten von Peking profiliert und etwa unmissverständlichen Aufrufen zur Teilnahme an Abrüstungsgesprächen offen widersetzt. Auch dass der nordkoreanische Machthaber zum Unterschied von seinem Vater und dessen Vater einen Besuch in Peking bisher verweigert hatte, missfällt der chinesischen Führung. So musikalisch verzichtbar der Auftritt von Moranbong auch sein mag - diplomatisch könnte er eine weitere Kerbe in das Verhältnis der beiden Staaten schlagen.

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