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Historischer Durchbruch

Die UNO-Klimakonferenz hat am Samstagabend in Le Bourget bei Paris das neue weltweite Klimaschutzabkommen beschlossen. Es ist das erste Mal, dass sich alle 195 beteiligten Staaten vertraglich dazu bekennen, Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung zu unternehmen.

Der Vertrag sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad sowie finanzielle und technische Unterstützung für Entwicklungsländer vor. Langfristig sollen nicht mehr Treibhausgase wie CO2 ausgestoßen werden, als gleichzeitig zum Beispiel von Wäldern wieder aufgenommen werden können. Allerdings werden die nationalen Klimaziele weiterhin von den einzelnen Ländern festgelegt. Bisher reichten die vorliegenden Pläne nicht aus, um den Klimawandel auf ein erträgliches Maß zu begrenzen.

Konferenzraum des Klimagipfels

Reuters/Stephane Mahe

Spannung im Konferenzsaal

Letzte Runde mehrmals verschoben

Die letzte Verhandlungsrunde war mehrmals verschoben worden. Erst kurz nach 19.00 Uhr - mehrere Stunden nach dem geplanten Beginn - wurde sie eröffnet. Gipfelbeobachter werteten das schon als Zeichen, dass es beträchtlichen Widerstand mancher Teilnehmerstaaten gegen den Vertragsentwurf gibt. Die Verzögerungen resultierten aber offenbar daraus, dass einzelne Formulierungen in den Beschlusstexten bzw. deren Übersetzungen nicht korrekt wiedergegeben worden waren.

Denn dann folgte die Einigung binnen Minuten. Ohne dass Widerspruch erhoben wurde, konnte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius als Konferenzvorsitzender die Entscheidung verkünden: „Ich sehe den Saal, die Reaktion ist positiv, ich höre keine Einwände“, sagte Fabius, bevor er die Einigung per Hammerschlag besiegelte. „Die Pariser Vereinbarung für das Klima ist angenommen“, sagte Fabius unter dem Jubel der Delegierten. Minutenlanger Applaus folgte.

ORF-Wissenschaftsredakteur Mayr zu Klima-Zielen

Die Ziele der Klima-Konferenz sind sehr ehrgeizig. Doch wie realistisch sind sie? ORF-Wissenschaftsredakteur Günter Mayr erläutert die Ziele.

„Solide Basis“

Zahlreiche Umweltschützer werteten den Vertragstext als starkes Signal zur Abkehr von den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas. Sie hätten sich aber früheres Handeln und mehr konkrete Verpflichtungen für die einzelnen Staaten gewünscht.

„Der Text, den wir vor uns haben, ist nicht perfekt“, sagte die südafrikanische Umweltministerin Edna Molewa, die für eine Gruppe von mehr als 130 Entwicklungs- und Schwellenländern einschließlich Chinas sprach. „Aber wir glauben, dass er eine solide Basis darstellt, von der wir unser verstärktes Handeln mit neuer Entschlossenheit beginnen können.“

Vage Formulierung bei Hilfe für ärmere Länder

Da die bisher vorliegenden nationalen Emissionsziele zum Erreichen der Ziele nicht ausreichen, sollen sie ab 2023 alle fünf Jahre überprüft werden. Laut einer ebenfalls beschlossenen ergänzenden Entschließung soll es zudem bereits 2018 eine erste informelle Bestandsaufnahme geben.

Festgeschrieben wird auch das Versprechen der Industriestaaten, den Ländern des Südens jedes Jahr hundert Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung zur Verfügung zu stellen. Diese Summe solle der Basiswert für die Zeit ab 2020 sein, eine neue Zahl „wird spätestens 2025 festgelegt werden“. Allerdings steht auch dies nur in der Entschließung. Im Vertragstext bekennen sich die Industriestaaten allgemein zu gegebenen Verpflichtungen. Hintergrund sind sonst drohende Ratifizierungsprobleme in den USA.

Dramatische Appelle

Stunden zuvor war das Abkommen präsentiert worden. In dramatischen Appellen wurde um die Unterschriften der zögerlichen Länder geworben. Mit deutlichen Zeichen der Erschöpfung traten zu Mittag UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und Fabius als Gastgeber des Gipfels vor die Presse. Demonstrativ fanden sich auch Umweltminister jener Länder ein, die für ein „hochambitioniertes“ Klimaabkommen eingetreten waren. Tatsächlich dürfte der Entwurf den Bremsern einiges abverlangen. Ban verlangte von ihnen „Mut“ zur Unterschrift, die über das Leben von Milliarden Menschen entscheiden werde.

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Ban Ki Moon emotional

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon war bei der Präsentation des Abkommentexts ungewöhnlich emotional.

Ungewohnt emotional

Nun sei die „Zeit gekommen, anzuerkennen, dass nationalen Interessen am besten gedient ist, indem man im internationalen Interesse handelt“, so Ban. Der Vertrag sei zwar „ambitioniert“, aber auch „realistisch“. Nun sehe die ganze Welt zu: „Wir müssen tun, was uns die Wissenschaft vorschreibt. Wir müssen den Planeten schützen, der uns erhält. Wir brauchen alle Mann an Bord“, sagte Ban in einem ungewohnt emotionalen Appell.

Ebenso leidenschaftlich warb Fabius für seinen finalen Entwurf eines Weltklimavertrags. Sein Vorschlag sei ehrgeizig, ausgewogen und rechtlich bindend, sagte der französische Außenminister am Samstag mit brüchiger Stimme und sprach von einem „historischen“ Moment. Der Text enthalte wichtige Fortschritte, die viele vorher für unmöglich gehalten hätten.

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