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Verschiffung von Kohle

Die australische Regierung hat am Dienstag grünes Licht für einen höchst umstrittenen Hafenausbau vor dem Great Barrier Reef gegeben. Durch die Entscheidung kann in Abbot Point einer der größten Häfen zur Verschiffung von Kohle entstehen, 1,1 Millionen Kubikmeter müssen für das Projekt ausgehoben und an Land deponiert werden.

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Das Projekt sei unter 30 Auflagen genehmigt worden, teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums mit. Die indische Firma Adani baut im Bundesstaat Queensland eine der größten Kohleminen der Welt. Um die Kohle zu verschiffen, soll der Hafen von Abbot Point ausgebaut werden.

Taucher im Great Barrier Reef

Reuters/David Gray

Das Great Barrier Reef - ein Naturwunder

20 Kilometer von Riff entfernt

Ursprünglichen Plänen zufolge sollten dafür drei Millionen Kubikmeter Schlamm ausgehoben und in der Nähe des Great Barrier Reef versenkt werden. Diese Pläne wurden nach einem Aufschrei von Umweltschützern allerdings geändert.

Karte von Australien

Grafik: APA/ORF.at

„Der gesamte Aushub wird an Land in existierenden Industrieanlagen deponiert“, sagte die Ministeriumssprecherin. Überdies liege der Hafen 20 Kilometer vor dem weltberühmten Korallenriff, und das Projekt werde das australische Wahrzeichen nicht beschädigen, hieß es vonseiten des Ministeriums.

15 Mrd. Euro für Australien erhofft

Nach heftigen Auseinandersetzungen mit Umweltschützern hatte die australische Regierung das gigantische Kohlebergwerk in Queensland genehmigt. Es soll rund 1.700 Kilometer nördlich von Sydney nahe der Küste entstehen und nach Angaben von Adani 10.000 Arbeitsplätze schaffen.

Das Carmichael-Bergwerk mit Über- und Untertagebau soll in 30 Jahren umgerechnet rund 15 Milliarden Euro Steuern und Lizenzgebühren in die Staatskassen spülen. Einige Umweltschützer fürchten aber um geschützte Arten an Land, andere um das Great-Barrier-Korallenriff. Auch die klimaschädlichen Emissionen werden als Problem angeführt.

„Woher sollen zwölf Mrd. Liter Wasser kommen?“

Das Projekt war im Juli kurz gestoppt, dann aber wieder aufgenommen worden. Die Behörden hatten mehr Schutzmaßnahmen für Glattechsen und Schlangen gefordert. Umweltschützer kritisierten allerdings das Unternehmen weiter. Adani habe keine Pläne für den Umgang mit Emissionen, sagte Sue Higginson, Anwältin der Umweltschutzorganisation Mackay Conservation Group, im Sommer im Rundfunk. „Woher sollen die zwölf Milliarden Liter Wasser kommen, die das Bergwerk in dieser trockenen, abgelegenen, staubigen Gegend braucht?“, fragte Nicky Hungersford vom Queensland Conservation Council.

Riff weiterhin bedroht

Das Great Barrier Reef im Nordosten Australiens bleibt auch sonst ein stark bedrohtes Weltnaturerbe. Das ergab ein von der australischen Regierung Ende Septemter veröffentlichter Bericht. Besonders beunruhigend sei, dass es kaum Fortschritte beim Schutz des weltgrößten Korallenriffs gegeben habe, sagte Steven Miles, der Umweltminister des Bundesstaates Queensland.

Die durch den Klimawandel steigenden Meerestemperaturen zerstören die Korallen. Vor allem die Küstengebiete des rund 2.300 Kilometer langen Riffs könnten sich von den Schäden nicht schnell genug erholen. Das Great Barrier Reef hat in den vergangenen 30 Jahren etwa die Hälfte seiner Korallendecke eingebüßt.

Frist an Regierung gestellt

Das Riff war in diesem Jahr nicht auf die Rote Liste des gefährdeten Weltnaturerbes gekommen. Allerdings forderte das UNESCO-Welterbekomitee die australische Regierung auf, bis Dezember 2016 Fortschritte beim Schutz nachzuweisen. Das Great Barrier Reef gibt rund 14.000 Arten von Meerestieren Lebensraum. Es erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 200.000 Quadratkilometern.

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