Themenüberblick

Situation „alarmierend“

Wegen einer Seesternplage bangen Naturschützer um das Great Barrier Reef in Australien. Aktuell würden vier bis zwölf Millionen Dornenkronenseesterne dort Korallen fressen und kahle Riffe zurücklassen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die Situation sei „alarmierend“, teilte die Umweltstiftung WWF Mitte Dezember mit. Zur Bekämpfung spritzen Taucher bisher einzelnen Tieren Gift und entfernen diese - so kann man jedoch nur einem Bruchteil zu Leibe rücken. Solche Plagen seien früher ein Jahrhundertereignis gewesen und häuften sich inzwischen, berichtete der WWF. Die Killerseesterne werden den Angaben zufolge bis zu 40 Zentimeter groß. Sie vertilgten in den vergangenen 30 Jahren eine Korallenfläche, die 84.000 Fußballfeldern entspricht.

WWF sieht Landwirtschaft als Verursacher

„Massenausbrüche gibt es immer wieder einmal“, sagte Gert Wörheide von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Ob sie häufiger und größer seien als früher, lasse sich aber wegen fehlender Aufzeichnungen nicht unbedingt belegen. Auch die Ursachen sind ihm zufolge nicht endgültig geklärt.

Der WWF sieht als Verursacher die Landwirtschaft: Es gelange zu viel Dünger ins Meer, was das Planktonwachstum fördere. Davon ernähren sich Seesternlarven. Um das Riff zu retten, „muss man verhindern, dass sich die Larven explosionsartig vermehren“, so WWF-Meeresschutzexperte Philipp Kanstinger.

Seit 1985 um Hälfte geschrumpft

Mit verbesserter Wasserqualität und weniger Fischerei könne das Ökosystem generell widerstandsfähiger werden, schreibt ein Team um den australischen Forscher Morgan S. Pratchett in einer Studie. Das sei insbesondere nützlich, solange viele Fragen offen seien. Das weltbekannte Great Barrier Reef entlang der Ostküste Australiens wird auch durch andere Einflüsse wie Klimawandel und Stürme gefährdet. Seit 1985 ist die Korallendecke um die Hälfte geschrumpft.

Größtes Korallenökosystem

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenökosystem der Welt. Es besteht aus rund 3.000 einzelnen Riffen und 900 Inseln und zieht sich über 2.300 Kilometer entlang der Ostküste Australiens. Manche Riffe liegen nur etwa 70 Kilometer vom Land entfernt. Es gibt mehr als 600 Korallenspezies und Tausende Fischarten, Weichtiere und Schwämme, Seeschlangen, Wale, Delfine, Haie und Seekühe.

Das Great Barrier Reef ist eine der größten Touristenattraktionen Australiens. Seit 1981 steht es auf der Liste der Weltnaturerbe der UNO-Kulturorganisation UNESCO. Klimawandel, Schifffahrt, Fischerei, Erosion, Stürme und der Abfluss von Dünger und Pestiziden aus intensiver Landwirtschaft bedrohen das Riff seit Längerem.

Links: