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Technikfeuerwerk in Las Vegas

Mit der International Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas steht die größte Messe für Unterhaltungselektronik wieder vor der Tür. Alljährlich präsentieren die Hersteller auf der Messe Trends und Utopien, heuer locken unter anderem das „Internet der Dinge“ und Innovationen auf dem Automobilmarkt Technikliebhaber an.

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Naturgemäß hüllen sich viele Hersteller vor Beginn der Messe in einen Mantel des Schweigens, doch auch heuer konnte die Öffentlichkeit bereits vor dem Start am Mittwoch einen Blick auf das ein oder andere Gadget erhaschen.

Biegbares Display von LG

LG Display

LGs flexibles Display

So sorgen derzeit Informationen über ein flexibles OLED-Displays von LG für Aufmerksamkeit. Das 18 Zoll große Gerät soll sich laut einer Aussendung des Unternehmens wie eine Zeitung einrollen lassen. Ein Prototyp des Displays soll in den kommenden Tagen auf der CES präsentiert werden. Die Technologie, die auch auf der Forschungsagenda anderer Hersteller steht, könnte langfristig der nächste Schritt hin zu flexibleren Geräten wie faltbaren Smartphones, Tablets und Fernsehern werden.

Zukunftsvisionen vom „schlauen Heim“

Auch Samsung ließ sich bereits im Vorfeld ein wenig in die Karten blicken. Auf einem offiziellen koreanischen Social-Media-Kanal postete das Unternehmen Fotos eines Kühlschranks mit einem riesigen Touchscreen und einem Android-ähnlichen Interface, wie das Technikmagazin „The Verge“ berichtet. Die Funktionen des Geräts liegen noch im Dunkeln, doch der Kühlschrank läutet eines der großen Themen der Messe ein: das smarte Zuhause und das „Internet der Dinge“.

Obwohl Dauerbrenner und Zukunftshoffnung des Elektroniksegments, steckt der Bereich weiterhin in den Kinderschuhen. Eines der vielen Probleme des „smarten Zuhause“ ist die dauerhafte Kommunikation zwischen der Technik verschiedener Anbieter, die fast alle ihre eigenen Standards durchsetzen wollen. Normen wie in anderen Elektrobereichen gibt es derzeit (noch) nicht, auch wenn Technologiekapazunder wie Google und Apple entsprechende Vorstöße starten. Das Problem soll durch die direkte Kooperation der Hersteller, offene Schnittstellen und Onlinedienste, die im „Internet der Dinge“ als eine Art Vermittler auftreten, gelöst werden. Doch auch diese Lösungsansätze sind noch Zukunftsmusik.

Fernseher mit 8K-Technologie und HDR

Geht es nach Samsung, sollen in Zukunft TV-Geräte die Steuerzentralen für vernetze Heime werden. Ein zusätzliches Gerät für die Steuerung etwa von Garagentor, Hausbeleuchtung oder Heizung könnte damit überflüssig werden. Mobil steuern lasse sich das smarte Zuhause weiter mit dem Smartphone. Um das vernetzte Heim weiter voranzubringen, seien vor allem offene Standards unverzichtbar, betonte Hillebrandt. Während sich in Industrieanwendungen voraussichtlich eher geschlossene Systeme wegen der besonderen Sicherheitsanforderungen durchsetzen würden, sei das in der Unterhaltungselektronik kein gangbarer Weg. „Eigene Wege kosten auch sehr viel Geld.“ Die Hersteller müssten sich in dieser Frage jetzt zusammentun.

Apropos Fernseher: Hier dürften sich die Produktpräsentationen wieder an dem Motto „größer, dünner, schärfer“ orientieren. Voraussichtlich zu sehen sein werden laut „The Verge“ 4K- und 8K-Geräte, weitere Smart-TV-Systeme und Fernsehgeräte, die mit High-Dynamic-Range-Funktionen (HDR) Kontrast und Farbtiefe verbessern sollen. LG plant als futuristisches Gadget außerdem die Präsentation eines „papierdünnen“ Fernsehers.

Auto wieder Schwerpunkt

Ins Rampenlicht der CES drängen sich heuer wie bereits im Vorjahr Innovationen in der Automobilbranche. Die erste große Ankündigung aus der Autobranche zur CES kam schon vor Beginn der Technikschau im Spielerparadies Las Vegas. Die Opel-Mutter General Motors pumpt 500 Millionen in den amerikanischen Fahrdienstvermittler Lyft, um gemeinsam ein Netz von Robotertaxis zu entwickeln.

Der Chiphersteller Nvidia wiederum stellte einen Supercomputer vor, mit dem Automobilhersteller selbstfahrende Fahrzeuge entwickeln können. „Der Nvidia Drive PX ist nicht größer als eine Lunchbox und hat die Rechenleistung von 150 Macbook-Pro-Laptops“, sagte Jen-Hsun Huang, Chef und Mitgründer von Nvidia, in Las Vegas. „Mit ihren zahlreichen Kameras und Bildschirmen werden zukünftige Autos ihre Umgebung wahrnehmen und immer besser verstehen.“

Audis Elektronik-Entwicklungschef Ricky Hudi sagte , Audi sehe in Drive PX ein „entscheidendes Werkzeug für die weiterführende Forschung und Entwicklung.“ Nvidia kündigte auch eine Zusammenarbeit mit Daimler und Volvo an. Neben dem System zur Entwicklung von Autopilotfunktionen präsentierte Nvidia einen Rechner für hochentwickelte digitale Cockpitsysteme.

E-Fahrzeuge im Rampenlicht

Erwartet wird außerdem, dass General Motors die produktionsreife Version seines kleineren und günstigeren elektrischen Chevy Bolt enthüllt. Der vom Abgasskandal durchgerüttelte Volkswagen-Konzern will ebenfalls ein Elektrofahrzeug vorstellen. Spekuliert wird, es könnte eine mit Strom fahrende Neuauflage des legendären VW-Busses sein. Zwei von Volkswagen veröffentlichte Fotos mit Vorder- und Rückansicht lassen auf jeden Fall einen Van vermuten. Auf einem davon ist als möglicher Name „Budd.e“ zu erkennen - wohl in Anlehnung an „Bulli“, wie der klassische VW-Transporter auch oft genannt wird.

Für Neugier unter den Beobachtern sorgte in diesem Bereich auch die Präsentation des chinesischen Tesla-Herausforderers Faraday Future. Die von einem chinesischen Milliardär finanzierte Firma gilt als Mysterium, will allerdings laut eigenen Angaben die Elektromobilität revolutionieren. Das von Faraday Future nun auf der CES präsentierte Fahrzeug dürfte freilich kaum massentauglich sein. Das Konzeptauto kann zwar mit 1.000 PS aufwarten, bietet aber nur Platz für eine Person. Manager Nick Sampson betonte aber bei der Präsentation, die Basis für den Sportwagen sei eine Fahrwerksplattform, auf der Faraday Future „jede Art von Auto“ bauen könne.

VR und Wearables als Schwerpunkte

In anderen Bereichen der konventionellen Verbraucherelektronik zeichnen sich mit der Virtuellen Realität (VR), der Verbesserung der künstlichen Intelligenz von Endgeräten und Wearables, also kleinen Computer, die man direkt am Körper trägt, mehrere Schwerpunkte ab. Audiophile werden sich laut „The Verge“ über Innovationen im Bereich Kopfhörertechnologie freuen können. Hartnäckig halten sich außerdem Gerüchte, Apple könnte beim nächsten iPhone ganz auf einen klassischen Klinkenstecker für Kopfhörer verzichten und dafür auf seinen digitalen Lightning-Anschluss setzen.

Für die VR-Brillen, mit denen der Nutzer in virtuelle Welten eintauchen kann, kommt 2016 nach jahrelanger Entwicklung schließlich der erste Markttest. Samsung verkauft seine Gear VR bereits, demnächst folgen Sony mit der Playstation VR und die Brille des Pioniers Oculus, der inzwischen zu Facebook gehört. Jetzt wird es Zeit, mit Inhalten wie Spielen und Videos zu zeigen, was die Technik kann.

Zusätzlich geht es darum, wie die Endgeräte an sich intelligenter werden können - etwa durch Nutzerdaten, die zu schlauen Messengerdiensten führen, die Fragen beantworten oder kleine Aufgaben wie eine Restaurantreservierung erfüllen können. Facebook experimentiert damit in dem Dienst „M“ in seinem Messenger, auch Google soll daran arbeiten. Einige Geräte auf der CES werden auf Amazons Sprachassistenten Alexa zurückgreifen.

Veranstalter ziehen Besucherbremse

Dass das Interesse an neuen Gadgets ungebrochen hoch ist, zeichnet sich auch an den Besucherzahlen ab. Letztes Jahr verzeichnete die Messe einen Zuwachs von elf Prozent auf rund 176.000 Gäste - zu groß für die Veranstalter. Nun treten diese auf die Bremse. Durch eine striktere Auswahl soll in diesem Jahr die Zahl der Fachbesucher auf 150.000 bis 170.000 gedrückt werden. „Es sollte etwas weniger gedrängt vorkommen“, sagte der Chef des Messeveranstalters CTA, Gary Shapiro, dem „Wall Street Journal“ von Montag.

An den Standorten gibt es diesmal auch schärfere Sicherheitsvorkehrungen. Taschen sollen kontrolliert werden, Koffer sind verboten. Die CES startet mit einem Pressetag am Dienstag und läuft dann vier Tage bis Samstag. Für das schnelle Wachstum sorgte in den vergangenen Jahren auch die Ausweitung des Themenspektrums.

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