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Anfänge bei Telefonvermittlung

Der Klinkenstecker ist einer der ältesten Steckerstandards. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts wird er für Audioanschlüsse verwendet. Erstmals kam der Anschluss in Handvermittlungs-Telefonzentralen zum Einsatz.

Die weltweit erste Telefonzentrale wurde am 28. Jänner 1878 in New Haven (Connecticut, USA) eröffnet, zwei Jahre nachdem Alexander Graham Bell das Telefon erfunden hatte. George W. Coy entwarf und baute diese erste Fernsprechvermittlungsstelle für den kommerziellen Einsatz. Der Mechaniker, Erfinder und Unternehmer nahm die Anlage dank einem Investment von 600 Dollar gemeinsam mit zwei Partnern in Betrieb.

Erstes Telefonbuch mit 50 Einträgen

Den anfangs 21 angeschlossenen Teilnehmern standen acht Telefonleitungen zur Verfügung, die von Coy persönlich mittels 1/4-Zoll-Klinkensteckern (6,35 Millimeter) eingestöpselt wurden. Ein aufleuchtendes Licht am Schaltbrett zeigte einen eingehenden Anruf an, durch Nutzung des Klinkensteckers konnte Coy diesen annehmen und mit dem gewünschten Gesprächspartner verbinden. Er war damit auch der erste hauptberufliche Telefonist. Noch im gleichen Jahr wurde das erste Telefonbuch herausgegeben. Es bestand aus einem Blatt Papier, das 50 Namen listet.

Seit 135 Jahren wird in Wien telefoniert

In Wien erteilte das k. k. Handelsministerium erstmals im Jahr 1881 der Wiener Privat Telegraphen Gesellschaft die Bewilligung zum Betrieb einer Telefonanlage. Die erste Vermittlungszentrale in der Friedrichstraße (nahe dem Karlsplatz) wurde eröffnet, auch hier wurden Klinkenstecker zur Gesprächsverbindung genutzt.

Die Klinkenstecker in der Hand hatten dabei vor allem junge Frauen, die als „Fräuleins vom Amt“ Telefonate zum richtigen Bestimmungsort weiterleiteten. Die höheren Frequenzen der Frauenstimmen waren bei schlechter Leitungsqualität einfach besser zu verstehen als Männerstimmen.

„Sprechender Telegraf“

Für 500 Anschlüsse war die Zentrale vom Telegrafenmechaniker und Unternehmer Otto Schäffler konzipiert, stolze 154 Teilnehmer, meist wohlhabende Geschäftsleute, zählte das Wiener Netz zu Beginn. Geplaudert wurde aber nicht, in erster Linie war das Telefon zur schnellen mündlichen Übermittlung von Telegrammen gedacht, deswegen auch sein damaliger Zweitname, „sprechender Telegraf“.

Trotz dieses exklusiven Vergnügens - je weiter der Apparat von der Zentrale entfernt, desto teurer - war die Entwicklung des Telefonnetzes nicht mehr aufzuhalten. Allein zwischen 1882 und 1884 stieg die Teilnehmerzahl von 450 auf 700, über eine Million Gespräche wurden eingestöpstelt.

Zuletzt weniger Telefonate

Im Durchschnitt kam jeder Teilnehmer in dieser Zeit auf vier Telefonate pro Tag. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 wurden hierzulande 21,81 Milliarden Gesprächsminuten im Mobilfunkbereich und 3,58 Milliarden im Festnetz verzeichnet. Insgesamt waren 12,95 Millionen SIM-Karten aktiviert und 2,54 Millionen Telefone österreichweit ans Festnetz angeschlossen.

Doch der Trend scheint weg vom Telefonieren und hin zum Tippen von Nachrichten zu gehen. Eine vom „Guardian” veröffentlichte Studie zum Smartphone-Verhalten der Briten brachte zuletzt das Ergebnis, dass jeder vierte Smartphone-Nutzer nicht einmal wöchentlich einen Anruf absetzt – mehr dazu in Der Anfang vom Ende des Telefonats.

Klinke bis heute Standard bei Kopfhörern

Zu dem bei den Telefonzentralen erstmals genutzten 6,35 mm Klinkenstecker (1/4 Zoll) kam Mitte des 20. Jahrhunderts eine kleinere Variante, der 3,5-mm-Klinkenstecker (1/8 Zoll), hinzu, als auch die Radiogeräte entsprechend kleiner wurden. Später wurden zudem weitere Steckergrößen (2,5 bis 7,13 Millimeter) entwickelt. Je nach Qualitätsanspruch können Klinkenstecker einfach, versilbert oder vergoldet ausgeführt sein.

Obwohl der Klinkenstecker mechanisch als wenig robust gilt (Wackelkontakte), ist er bei Kopfhörern, Stereoanlagen, Soundkarten, Keyboards, Mikrofonen, Lautsprechern und E-Gitarren bis heute der Verbindungsstandard. Mit USB-C beziehungsweise dem Apple-Pendant Lightning könnte sich das zumindest im Bereich von Smartphones und MP3-Playern schon bald ändern.

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