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Luxuskosmetik auf dem Vormarsch

20 Euro für einen Lippenstift im mittleren Preissegment sind die Regel, und auch andere Artikel aus den Bereichen Kosmetik und Beauty schlagen mit hohen Preisen zu Buche. Dabei machen die Inhaltsstoffe nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. Verantwortlich dafür sind vor allem Marketing, Verpackung und das Ansehen der jeweiligen Marke. Die Industrie verbucht derweil Rekordgewinne.

Wer schön sein will, muss nicht nur leiden, sondern mitunter auch tief in die Tasche greifen. Denn Kosmetikprodukte wie Make-up, Lippenstift und Co. sind kostspielig. Der Preis lässt allerdings nicht immer Rückschlüsse auf die Qualität des jeweiligen Artikels zu, machen die Inhaltsstoffe, bei Lippenstift etwa Wachs, Öl und Pigmentstoffe, im Schnitt doch lediglich 15 Prozent der Gesamtkosten aus, wie das Onlineportal Quartz im November letzten Jahres berichtete.

„Enormes Investitionsvolumen“

Kosmetik transparent, ein Verbund der heimischen Markenkosmetikhersteller, verweist zudem auf ein „enormes Investitionsvolumen“ für jahrelange Forschungsarbeit zur Entwicklung wirksamer Inhaltsstoffkombinationen. Zudem seien umfangreiche Tests und Analysen nötig, um der umfassenden Gesetzgebung durch die EU-Kosmetikverordnung und strengen Sicherheitskontrollen zu genügen. Höherpreisige Kosmetika enthielten zudem oft seltene und kostbare Inhaltsstoffe.

15.000 Dollar im Laufe eines Lebens

Doch nicht nur dafür zahlt die vornehmlich weibliche Kundschaft. Berechnet werden seitens der Kosmetikindustrie vor allem Marketing, Verpackung und das Ansehen der Marke. Das lassen sich die Kundinnen auch etwas kosten: In den USA investiert eine Frau im Lauf ihres Lebens laut der Finanzwebsite Mint.com durchschnittlich 15.000 Dollar (13.620 Euro) in Kosmetikprodukte.

Österreicher geben durchschnittlich pro Monat rund 30 Euro für Haut- und Körperpflegeprodukte aus, so eine Studie von Kosmetik transparent von heuer. Dass der Markt tendenziell wächst, legen auch Umsatzzahlen von Ketten nahe. So hat etwa dm, der größte deutsche Drogeriemarkt, im Geschäftsjahr 2014/2015 beim Konzernumsatz um neun Prozent auf über neun Milliarden Euro zugelegt. Dm-Chef Erich Harsch spricht vom „bisher erfolgreichsten Geschäftsjahr“. Und: „Wir liegen deutlich über unseren Planzahlen.“ Neben Bioprodukten lässt sich das auch auf Kosmetika zurückführen.

Milliardenschwere Umsätze

Nicht weiter verwunderlich: Dem englischen Marktforschungsinstitut Euromonitor zufolge haben die Umsätze der Kosmetikbranche 2014 weltweit 56,9 Milliarden Dollar (51,7 Mrd. Euro) ausgemacht – und die Tendenz ist seit gut 15 Jahren im Steigen begriffen.

Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass allgemein mehr Kosmetikartikel verkauft werden. Vielmehr lässt sich beobachten, dass sich Artikel aus dem Premiumsegment immer größerer Beliebtheit erfreuen. Anders gesagt: Immer mehr Konsumenten kaufen hochpreisige Produkte. Und dabei wird auch immer mehr Augenmerk auf die äußeren Werte, sprich die Verpackung gelegt. Das führt so weit, dass es mittlerweile auch dafür eigene Auszeichnungen und Preise gibt.

Trend zu hochwertigeren Produkte

Auch in Österreich zeichnet sich ein Trend zum Premiummarken ab: Seit ungefähr zwei Jahren seien Wachstumsraten von ein bis zwei Prozent zu beobachten, während der Markt im Volumen leicht zurückgeht. „Dies zeigt, dass die Österreicherinnen und Österreicher mehr und mehr zu hochwertigen Produkten greifen. Körperpflege und Kosmetik werden somit immer stärker zum kleinen Luxus des Alltags“, heißt es von Kosmetik transparent.

Zweiklassengesellschaft in Geschäften

Neben der Verpackung gibt es auch hinsichtlich der Qualität der Produkte selbst haushohe Unterschiede. Das liegt etwa bei Lidschatten auch an unterschiedlichen Methoden der Herstellung. Allerdings ist für die Konsumenten nicht ersichtlich, auf welche Art der Artikel produziert worden ist. Zudem neigen gerade große Firmen oft dazu, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Kleinere Marken, ob hochpreisig oder nicht, tendieren wiederum dazu, aufwendigere Arbeitsschritte an externe Betriebe auszugliedern – aus Kostengründen, versteht sich.

Dazu kommt, dass es nicht immer davon abhängig ist, welches Produkt gekauft wird, sondern vor allem wo. Ob vergleichbare Lippenstifte in einer Filiale einer Reformhauskette oder in der edlen Innenstadtdrogerie inklusive persönlicher Beratung erstanden wird, wirkt sich freilich auch auf den Preis aus. Und das ganz besondere Ambiente ist selbstverständlich auch eine Form des Marketings.

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