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Bis zuletzt erfinderisch

Seine Erfindungen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, er gilt als einer der innovativsten deutschen Unternehmer: Der Firmengründer Artur Fischer starb am Mittwoch im Alter von 96 Jahren in Waldachtal im Schwarzwald. Fischer wurde mit seinen Kunststoffdübeln und dem Fischertechnik-Baukasten weltweit bekannt.

Mehr als 1.100 seiner Ideen meldete er in den letzten 60 Jahren an, was ihm den Namen „Patentkönig“ einbrachte. Den Durchbruch als Unternehmer schaffte der Sohn eines Schneiders 1958 mit dem Dübel aus Polyamid. Bis heute ist der Name Fischer aus dem Baumarkt kaum wegzudenken.

Zufallstreffer mit Spielzeug

Der Bereich Befestigungssysteme ist auch heute noch der größte Geschäftszweig mit 80 Prozent an den Erlösen. Sein Familienunternehmen hat heute mehr als 40 Tochtergesellschaften in 32 Ländern, über 4.100 Beschäftigte und einen Umsatz von knapp 661 Millionen Euro pro Jahr. Die Firma ist noch als Zulieferer für die Autoindustrie tätig und im Bereich Spielzeug mit Fischertechnik.

Klaus Fischer, Inhaber und Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung der Fischer Unternehmensgruppe mit Modellen der "Fischer-Technik"

AP/Thomas Kienzle

Artur Fischers Sohn Klaus leitet seit 1980 das Unternehmen

Fischertechnik war 1964 eigentlich als Weihnachtsgeschenk für die Kinder von Geschäftspartnern entwickelt worden. Doch die Erfindung kam so gut an, dass man sich schon im Jahr darauf entschloss, die Baukästen auf dem Markt anzubieten. Seit damals wurden die Spielzeugklassiker immer auf den neusten Stand der Technik gebracht.

Synchroner Blitz als Starthilfe

Eine bahnbrechende Erfindung machte Fischer schon im Jahr 1949, als er ein Blitzlichtgerät für Fotoapparate mit synchroner Auslösung entwickelte. Auslöser war - wie meist - ein Alltagsproblem: Eine Fotografin weigerte sich, in seiner niedrigen Mansardenwohnung mit dem herkömmlichen Magnesiumblitzlichtbeutel mit Zündschnur ein Foto von der frisch geborenen Tochter zu machen. Monate später hatte Fischer das Patent für das erste Synchronblitzlichtgerät in der Tasche. 1950 biss schließlich der Agfa-Konzern an und erteilte einen Großauftrag - und der kleine Werkstattbetrieb wurde zur Fabrik mit mehr als 100 Beschäftigten.

„Defizite erkennen“

Ihm selbst seien „viele Ideen morgens unter der Dusche eingefallen“, verriet er einst. Ansatzpunkt sei immer, ein Defizit zu erkennen, meinte Fischer. „Zweite Voraussetzung ist, dass man sich in ein Thema einlebt, das man nicht kennt.“ So sei es auch bei seiner wohl wichtigsten Erfindung gewesen, dem Dübel. „Ganz wichtig sind Partner und Vertrauen“, sagte Fischer einmal in einem Interview mit der dpa über seinen Erfolg. „Ich hatte immer Partner, die mir vertraut haben, die mich mit Ideen und Geld unterstützt haben.“

Übergabe an Enkel gescheitert

1980 übergab er das Unternehmen an seinen Sohn Klaus, der die Innovationskraft erhalten konnte. Laut dem Unternehmen kommen aus der Belegschaft jährlich 14,41 Patentanmeldungen pro 1.000 Mitarbeiter. Der Industriedurchschnitt liege bei 0,57, so Fischer vor einigen Jahren. Einzig die nächste Staffelübergabe klappte nicht: Klaus Fischer übergab 2011 die Firma an seinen Sohn Jörg. Nach immer wiederkehrenden Differenzen mit seinem Vater zog sich Artur Fischers Enkel nach nur einem Jahr wieder aus dem Unternehmen zurück- und Klaus Fischer sprang wieder ein.

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