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Dämpfer für bisherige Favoriten

Die erste Vorwahl für die US-Präsidentschaftswahl 2016 ist in der Nacht auf Dienstag (Ortszeit) im Bundesstaat Iowa über die Bühne gegangen - Überraschungen und dramatische Wendungen inklusive.

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Bei den Republikanern entschied Senator Ted Cruz die Vorwahl für sich - und verwies damit den Milliardär Donald Trump, der zuletzt in allen Umfragen führte, auf Platz zwei. Bei den Demokraten kam es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Favoritin und ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton und ihrem innerparteilichen Konkurrenten Bernie Sanders.

„Politische Revolution hat begonnen“

Nach Auszählung aller Stimmen am Dienstag erreichte Clinton 49,8, Sanders 49,6 Prozent. „Es sieht so aus, dass wir praktisch gleichauf sind“, hatte Sanders gesagt, als er am Montag (Ortszeit) kurz vor Mitternacht die Bühne betrat. Die „politische Revolution“ habe an diesem Abend in Iowa begonnen.

Demokratischer US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders

APA/AP/J. David Ake

Bernie Sanders am Abend in Des Moines, Iowa, neben ihm seine Frau Jane Sanders

Clintons Wahlkampfteam erklärte Clinton allerdings schlussendlich zur Siegerin. Der Demokrat Martin O’Malley, der umgehend seinen Ausstieg aus dem Wahlkampf verkündete, kam abgeschlagen auf 0,6 Prozent.

Demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Clinton

APA/AP/Andrew Harnik

Clinton schrammte nur knapp an einem Debakel vorbei

Münze entschied in mehreren Wahlkreisen

Wegen organisatorischer Probleme wurde in mehreren Wahlkreisen per Münzwurf entschieden. Bei einer Versammlung am Montagabend in einem Wahlkreis in Des Moines schien bei den Demokraten beispielsweise zunächst alles klar: Clinton bekam bei der Abstimmung per Handzeichen die Mehrheit und damit die meisten Delegierten.

US-Vorwahlen: Schlappe für die Favoriten

Mit einigen Überraschungen hat der Auftakt der amerikanischen Präsidentschaftsvorwahlen im Bundesstaat Iowa geendet. So verlor etwa der Favorit bei den Republikanern, Donald Trump - und zwar gegen Ted Cruz, der als sehr konservativ gilt.

Da jedoch beim Nachzählen Dutzende Wähler vorzeitig nach Hause gegangen waren, kam man plötzlich zu einem anderen Ergebnis: ein Delegiertenplatz blieb offen. Schließlich wurde per Münzwurf zwischen Clinton und ihrem schärfsten Konkurrenten, Bernie Sanders, entschieden - Clinton bekam den zusätzlichen Delegierten. Der Zeitung „Des Moines Register“ zufolge wurde in mehreren Stimmbezirken auf diese Weise eine Entscheidung herbeigeführt. In den meisten Fällen habe der Münzwurf Clinton begünstigt.

Cruz siegt klar vor Trump

Bei den Republikanern holte hingegen Cruz nach Auszählung fast aller Stimmbezirke rund 28 Prozent, Trump kam auf gut 24 Prozent. „Die Ehre gebührt Gott“, sagte Cruz, der sich besonders um evangelikal-christliche Wähler bemüht hatte, in seiner Siegesrede. „Der heutige Abend ist ein Sieg für mutige Konservative überall in Iowa und überall in dieser großartigen Nation.“

Jubelnder US-Präsidentschaftskandidat Ted Cruz

AP/Chris Carlson

Cruz bei der ersten Rede nach seinem Sieg mit seiner Frau Heidi Cruz

Auf einem sehr starken dritten Platz landete bei den Republikanern Marco Rubio, Senator aus Florida, mit 23,1 Prozent ganz knapp hinter Trump. In einer ersten Reaktion sagte er, er wolle die Partei im weiteren Wahlkampf wieder einen. Rubio gilt als Kompromisskandidat mit gemäßigterem Zuschnitt als Cruz und Trump.

ORF-Korrespondent Ernst Kernmayer aus Washington

Hillary Clinton liegt eigentlich in landesweiten Umfragen weit vorne. Warum hat sie sich in Iowa so schwer getan? Ernst Kernmayer analysiert.

Bush abgeschlagen, Huckabee gibt auf

Der wegen seiner populistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen umstrittene Trump hingegen gratulierte Cruz „und allen unglaublichen Kandidaten“. „Wir sind Zweiter geworden. Und ich möchte euch etwas sagen: Ich fühle mich einfach geehrt, sehr geehrt“, so Trump. Rubio feierte sein unerwartet gutes Abschneiden vor Anhängern wie einen Sieg. „Ich bin euch so dankbar, Iowa, Ihr habt an mich geglaubt, als andere nicht geglaubt haben, dass diese Nacht möglich sein würde.“

Ein kleiner Bub macht mit US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump "High Five"

Reuters/Jim Bourg

Trump und seine Frau Melania beim Warten auf das Ergebnis

Die anderen republikanischen Bewerber waren abgeschlagen. Der frühere Neurochirurg Ben Carson holte den Teilergebnissen zufolge etwas mehr als neun Prozent. Senator Rand Paul lag bei 4,5 Prozent vor Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush, der auf weniger als drei Prozent kam. Die Gouverneure von Ohio und New Jersey, John Kasich und Chris Christie, blieben ebenso unter zwei Prozent wie die Ex-Managerin Carly Fiorina, der Ex-Senator Rick Santorum und der Ex-Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee. Huckabee kündigte noch am Abend an, seinen Wahlkampf auszusetzen.

Muslimische Wähler unterstützen Demokraten

Die Mehrheit der muslimischen Wähler will im US-Vorwahlkampf laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage Bewerber der demokratischen Partei unterstützen. Für den Republikaner Trump können sich aber immerhin rund sieben Prozent der befragten Muslime erwärmen - mehr dazu in religion.ORF.at.

Erster Test an der Wahlurne

Die Bedeutung des Urnengangs in Iowa, an dem sich gewöhnlich nur mehrere hunderttausend Wähler beteiligen, ist vor allem symbolisch: Die Stimmen aus dem dünn besiedelten Bundesstaat fallen bei der landesweiten Kandidatenkür kaum ins Gewicht. Allerdings können die Sieger beider Parteien für sich in Anspruch nehmen, den ersten wirklichen Test an der Wahlurne gewonnen zu haben.

2012 konnte sich bei den Republikanern zwar Rick Santorum knapp gegen Mitt Romney durchsetzen - ins Rennen gegen den damals bei den Demokraten gesetzten und schließlich wiedergewählten Barack Obama ging dann doch der damals Zweitplatzierte. Romney war in Iowa auch 2008 auf dem zweiten Platz gelandet. Während Obama sich seinerzeit schon in Iowa den Weg ins Weiße Haus ebnete, wurde bei den Republikanern der bei den ersten Caucuses noch viertplatzierte John McCain zum Präsidentschaftskandidaten gewählt.

„Schrecklich wichtiger Test“

Der Durchmarsch von Iowa ins Weiße Haus gelang acht Jahre zuvor indes George W. Bush, der sich bei der US-Wahl im Jahr 2000 gegen den klaren demokratischen Iowa-Sieger Al Gore durchsetzen konnte. Bushs Vorgänger Bill Clinton blickt indes wohl mit gemischten Gefühlen nach Iowa. Zwar sprach der US-Präsident der Jahre 1993 bis 2001 laut „Washington Post“ in Iowa vom „wundervollsten“ Wahlkampf, den er hier im Jahr 1992 hatte - mit 2,8 Prozent landete er bei den damaligen Iowa-Vorwahlen aber noch abgeschlagen auf dem vierten Platz.

Auch George McGovern blieb bereits 1972 mit einem dritten Platz wohl hinter den selbst gesteckten Erwartungen. Der demokratische Gegner des damals als US-Präsident wiedergewählten republikanischen Gegenspielers Richard Nixon bezeichnete laut dem US-Portal Howstuffworks die Iowa-Vorwahl damals dennoch als „ersten Test“ und damit als „schrecklich wichtig“.

Nächste Vorwahlen in New Hampshire

Die US-Vorwahlen werden schon in der nächsten Woche im nordöstlichen Bundesstaat New Hampshire fortgesetzt. Bei den Demokraten liegt dort Sanders nach Umfragen deutlich in Front. Der 74 Jahre alte Senator mit einem für US-Verhältnisse dezidiert linken Programm kommt aus dem Nachbarstaat Vermont. Bei den Republikanern führt Trump in New Hampshire mit deutlichem Vorsprung.

Die Vorwahlen in allen 50 US-Bundesstaaten setzen sich dann noch bis Juni fort, einen Monat später nominieren beide Parteien dann offiziell ihre Kandidaten. Am 8. November findet die Präsidentenwahl statt, zu der Amtsinhaber Obama nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf.

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