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Eisfläche schneidet Tieren Meerzugang ab

Australische Forscher warnen vor einem Naturdrama, das sich derzeit langsam in einer Bucht in der Antarktis entfaltet. Auf Kap Denison am Kopf der Commonwealth-Bucht fiel die Population der Adeliepinguine im letzten Jahrhundert von über 180.000 auf 10.000 Tiere. Hauptgrund ist ein gewaltiger Eisberg.

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Der Eisberg brach 1987 vom antarktischen Ross-Schelfeis ab und trieb aufs Meer hinaus. Im Dezember 2010 fror ein Teil von ihm vor der 48 Kilometer breiten Commonwealth-Bucht fest. Dieses B09B genannte Stück, dessen Gewicht die Forscher auf 380 Milliarden Tonnen schätzen, verhindert, dass das sich bildende Meereis aufs offene Wasser treibt. Starke Winde aus dem antarktischen Hochland führen außerdem dazu, dass die einzelnen Schollen zu einer durchgehenden, Festeis genannten Eisfläche zusammenfrieren.

Langer Marsch bis zum Meer

2013 erstreckte sich die Eiszunge bereits mehr als 60 Kilometer weit ins offene Meer hinaus. Das berichteten Forscher der Universität von New South Wales in Australien vor Kurzem in einem Artikel im Fachmagazin „Antarctic Science“. Das Anwachsen der Eisfläche hat dramatische Folgen für die in Kap Denison und auf den vorgelagerten Mackellar-Inseln lebende Adeliepinguin-Population.

Einst dürften über 200.000 Tiere das Terrain bevölkert haben. Douglas Mawson, der die Bucht im Jahr 1912 entdeckte, berichtete von ohrenbetäubendem Lärm, den die Vögel gemacht hätten. Noch im Februar 2011 schätzten Forscher die Pinguinpopulation in der Bucht anhand von Satellitenbildern und Zählungen auf 180.000 Tiere.

Adeliepinguine in der Commonwealth-Bucht

Reuters/Pauline Askin

Adeliepinguine in der Commonwealth-Bucht

Bei der jüngsten Zählung im Dezember 2013 seien es nur mehr etwa 5.500 Pinguinpaare in Kap Denison und einige hundert weitere auf den Mackellar-Inseln gewesen, so die Wissenschaftler rund um Expeditionsleiter Chris Turney. Die Eisfläche schneidet den Pinguinen den Weg zum Meer und somit zu ihren Fischgründen ab. Von ihrer Kolonie bis zum Meer müssen die Tiere nun einen langen Marsch zurücklegen, was einer früheren Studie zufolge die Überlebenschance der Pinguinküken verringert.

Forscher hoffen auf Verschwinden des Eisbergs

Gegenüber dem Webportal Ifuckinglovescience.com (IFL.com), das von einer „Pinguin-Apokalypse“ schrieb, zeichnete Turney ein dramatisches Bild der Lage. Der Boden sei bedeckt mit Hunderten verlassenen Eiern, leeren Nestern und „trocken gefrorenen Kadavern von Jungtieren“. Den Zustand der verbliebenen Tiere, die teilweise zu brüten aufhörten, beschrieb Turney als „schlecht“.

Karte zeigt Commonwealth-Bucht

Bild: Google Earth/PCG/NASA/Landsat/U.S. Geological Survey; Grafik: ORF.at

Die Forscher hoffen, dass sich Eisberg B09B von selbst losreißt und die Bucht wieder frei macht. Viele Alternativen gebe es nicht. Die verbleibenden Pinguine schienen nicht die Kraft zu haben, die Bucht zu verlassen und woanders zu brüten, so Turney gegenüber IFL.com. Auch der Mensch könne nicht helfen: Ins Eis gehackte Löcher würden binnen kürzester Zeit wieder zufrieren. Sollte das Eis nicht aufbrechen, könnte die Adeliepinguin-Kolonie in 20 Jahren komplett verschwunden sein, so die Wissenschaftler.

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