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Über hundert Retter im Einsatz

Bei einem schweren Lawinenabgang auf dem Schneebiger Nock im Südtiroler Ahrntal sind am Samstag ein Österreicher und fünf Südtiroler ums Leben gekommen. Eine weitere Person wurde verletzt. Acht Tourengeher konnten lebend geborgen werden, berichteten die Rettungsmannschaften laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Bei dem verstorbenen Österreicher handelt es sich um einen 49-Jährigen aus Neustift im Stubaital (Bezirk Innsbruck Land). Die anderen Todesopfer sind Südtiroler im Alter zwischen 16 und 43 Jahren, darunter eine 32-jährige Frau. Die Verletzte ist eine 42-jährige Innsbruckerin, die mit Knieverletzungen ins Krankenhaus von Bruneck eingeliefert wurde.

Hubschrauber

APA/AP

Schlechte Sichtverhältnisse erschwerten den Einsatz der Rettungskräfte

Vermisste gibt es keine mehr, der Einsatz der Rettungskräfte wurde am späten Nachmittag beendet. Über hundert Retter, vier Hubschrauber und Schneehunde waren im Einsatz. Zwei Österreicherinnen konnten sich selbst aus den Schneemassen befreien. Eine zweite, mit dem Rettungshubschrauber geborgene Österreicherin wurde vom Südtiroler Zivilschutz betreut, berichteten lokale Medien. Die unter Schock stehende Frau wurde in einem Hotel in Rein in Taufers untergebracht. Die Ortschaft diente als Stützpunkt für die Rettungsaktion.

Schwierige Suche nach Vermissten

Die Lawine erfasste die Tourengeher auf dem Schneebiger Nock (Monte Nevoso) nahe der Osttiroler Grenze im Naturpark Rieserferner-Ahrn. Aufgrund seiner markanten Pyramidenform und den ausgeprägten Graten ist er für Wanderer und Skitourengeher ein beliebtes Ziel. Die Tourengeher wollten die Bergspitze erreichen, als sie gegen 11.15 Uhr von der Lawine erfasst wurden.

Die Suche nach möglicherweise noch Vermissten gestaltete sich am Nachmittag besonders schwierig. Um den Ort auf einer Höhe von rund 3.000 Metern zu erreichen, an dem die Sportler von der Lawine erfasst wurden, konnten Rettungshubschrauber nur mit wenig Treibstoff fliegen, um so wenig Ballast wie möglich an Bord zu haben. Auch ein Hubschrauber aus Lienz kam bei der Rettungsaktion zum Einsatz.

Lawinenalarmstufe zwei

Die Experten des Lawinenwarndienstes des Landes hatten die Gefahr am Samstag auch im Ahrntal zwar als „mäßig“ eingestuft (also auf Stufe „zwei“ der fünfteiligen Skala). Auf der Website des Warndiensts wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die Auslösewahrscheinlichkeit und auch die Gefahr von spontanen Lawinen besonders im südexponierten Gelände im Tagesverlauf steige.

Teil der Hohen Tauern

Der Schneebiger Nock ist mit 3.358 Meter Seehöhe nach dem Hochgall der zweithöchste Berg der Rieserfernergruppe, einem Gebirge im westlichen Teil der Hohen Tauern.

„Riesige Lawine“

Ein Bergretter beschrieb die Lawine als „riesig“. „Sie war rund 150 Meter breit und erstreckte sich über 700 Höhenmeter“, schilderte der Bergretter im Gespräch mit der APA. Die von den Skitourengehern gewählte Aufstiegsvariante auf der Westflanke des Schneebiger Nocks sei „nicht ganz ungefährlich“ gewesen. „Es herrschte zwar nur Lawinenwarnstufe ‚zwei‘, aber trotzdem wäre der Aufstieg über den Grat besser gewesen“, so der Bergführer.

Eine der Skitourengruppen sei jedoch in den rund 40 Grad steilen Hang eingestiegen und habe Spuren hinterlassen. „Andere Skitourengruppen sind diesen Spuren dann einfach nachgegangen“. Die über die Westflanke teilweise sehr weit voneinander entfernten Gruppen und die enorme Größe der Lawine haben den Rettern bei der Bergung der Verschütteten einige Probleme bereitet. „Die Verschütteten waren quasi über den gesamten Hang verteilt“, erklärte der Bergretter. Trotzdem habe die Rettungsaktion sehr gut funktioniert.

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