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Terror nach Abdeslams Festnahme

Genau eine Woche ist zwischen den Terroranschlägen in Brüssel und einer Hausdurchsuchung im Vorort Forest gelegen, bei denen Polizeibeamte unvermutet unter Beschuss geraten waren. Dazwischen lag die Verhaftung des mutmaßlichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam. Eine Chronologie der dramatischen Ereignisse in Brüssel während der letzten Tage:

Dienstag, 15. März: Bei gemeinsamen Ermittlungen stoßen französische und belgische Fahnder auf die Adresse einer Wohnung, die auf denselben Namen gemietet war wie ein vormaliges Versteck der Pariser Attentäter im südbelgischen Charleroi. Bei der Razzia in dem Gebäude geraten die Beamten unter Beschuss. Vier Beamte werden verletzt, ein Angreifer getötet. An Beweisstücken wird neben einschlägigen Schriften eine Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sichergestellt. Zwei Männer können fliehen.

Mittwoch, 16. März: Belgien beruft den nationalen Sicherheitsrat ein. In Forest finden weitere Polizeieinsätze statt, bei denen nach den zwei flüchtigen Terrorverdächtigen gesucht wird. Belgiens Premier Charles Michel erklärt auf einer Pressekonferenz, die Anti-Terror-Einsätze in Brüssel werden in den „nächsten Stunden und Tagen“ fortgesetzt. „Die Bedrohung bleibt aufrecht, aber meine Botschaft ist, dass jeder Ruhe bewahren soll“, so Michel.

Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass am Vorabend zwei Verdächtigte verhaftet worden seien. Es handelt sich jedoch um einen Fehlalarm: Am Nachmittag werden sie wieder freigelassen. Die Behörden identifizieren den tags zuvor Getöteten als den 35-jährigen Algerier Mohammed Belkaid, dessen Name in Zusammenhang mit Terror nicht aktenkundig gewesen sei. Im Großraum Paris werden ebenfalls vier Terrorverdächtige verhaftet.

Donnerstag, 17. März: In Brüssel findet der entscheidende EU-Türkei-Gipfel in der Flüchtlingsfrage statt. Die Fahndung nach den beiden Flüchtigen läuft vorerst ohne für die Öffentlichkeit erkennbares Ergebnis weiter.

Freitag, 18. März: In französischsprachigen Medien sickert durch, dass bei der Razzia am Dienstag Fingerabdrücke des gesuchten Paris-Attentäters Abdeslam gefunden worden seien. Wenig später startet im Brüsseler Problemviertel Molenbeek ein weiterer Einsatz, bei dem es zu Feuergefechten und Detonationen kommt. Am Abend werden die Gerüchte bestätigt, dass neben vier weiteren Verdächtigen dabei der seit vier Monaten gesuchte Abdeslam gefasst wurde. Der Einsatz dauert bis in die späten Abendstunden.

Premier Michel und Frankreichs Präsident Francois Hollande - wegen des EU-Gipfels in Brüssel - halten am Abend eine gemeinsame Pressekonferenz ab. Michel preist die Festnahme Abdeslams als „äußerst wichtig im Kampf für Demokratie“ und gegen den Extremismus. Hollande betont, die Gefährdungslage bleibe „überall, in Belgien wie in Frankreich, sehr groß“. Frankreich drängt auf die schnellstmögliche Auslieferung Abdeslams nach Frankreich.

Samstag, 19. März: Sowohl in Frankreich als auch in Belgien tagen der Verteidigungsrat bzw. der Sicherheitsrat. Abdeslam, der bei dem Polizeieinsatz leicht verletzt wurde, wird vom Spital in regulären Polizeigewahrsam überführt und formell des Terrorismus und des Mordes angeklagt. Sein Anwalt erklärt, man kooperiere mit den Behörden und wolle sich der Auslieferung nach Frankreich widersetzen. In ersten Verhören gibt er eine Beteiligung an den Paris-Attentaten zu.

Sonntag, 20. März: Abdeslam wird in das belgische Hochsicherheitsgefängnis in Brügge verlegt. Laut dem belgischen Außenminister Didier Reynders sagt er bei Vernehmungen aus, er sei „bereit“ gewesen, „etwas in Brüssel zu tun“. Die Aussage „könnte die Wahrheit sein, denn wir haben bei den ersten Ermittlungen viele Waffen gefunden, schwere Waffen und ein neues Netzwerk um ihn herum in Brüssel“. Abdeslams Anwalt Sven Mary kündigt eine Klage gegen die französische Staatsanwaltschaft an.

Montag, 21. März: Die belgischen Ermittler identifizieren den 24-jährigen Najim Laachraoui - bisher unter dem falschen Namen Soufiane Kayal bekannt - als weiteren Komplizen der Paris-Attentate. Die Fahndung nach ihm läuft. Spuren deuten darauf hin, dass er eine zentrale Rolle bei der Koordinierung der Anschläge spielte. Einen Monat vor den Anschlägen wurde er gemeinsam mit Abdeslam und dem getöteten Belcaid in einem Auto an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert.

Dienstag, 22. März: In der morgendlichen Stoßzeit kommt es kurz hintereinander zu Anschlägen auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem und in der U-Bahn-Station Maelbeek im Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe zu den EU-Institutionen. Über 20 Tote und Dutzende Verletzte sind zu beklagen. Der öffentliche Verkehr wird eingestellt, sämtliche U-Bahn-Stationen, Bahnhöfe und auch der Flughafen sind geschlossen. Krisenstäbe tagen in ganz Europa.